Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 7 (7.2.1848)
- Date
- 1848-02-07
- Page
- Seite 100 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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100 „Was hatte dies, auch' geholfen? Was kommen sollte, wäre doch nicht ausgeblieben. Bald rückten neue Schaaren Weißer heran. - Seitdem war der Tomahawk ausgegraöen zwischen meinen Vätern und den Weißen. Aber jene vermochten es auf die Läntze nicht. Die Büchsen der Weißen ereilten die Söhne des Waldes auch aus der Ferne. Unser Stamm schrnolz zusammen. .In einem großen Rache wurde beschlossen, sich zucückzuziehen. Der große Geist hatte es beschlossen, und wir konnten Nichts dagegen. Aber so großen Raum wir auch zwischen uns und den Weißen legten, wenige Jahre, und wieder erschollen die Axtschläge in unseren Wäldern; wieder wurde blutig geschritten. Wir überfielen die Weißen in ihren Häusern, auf der Jagd, bei der Arbeit, und tilgten sie. Aber sie lichteten die Waldung, rückten mit ihren Feuerwaffen heran, und meine Väter erlagen." ,-Hier, wo wir jetzt lagern beim Sturme der Nacht, hier auf diesem Hügel, in und vor dieser Höhle waren die Häuptlinge derer, die übrig geblieben, versammelt. Da trat ein ehrwürdiger Greis auf, und sprach zu ihnen: „Meine Tage sind gezählt; wenige noch, und ich bin bei meinen Vätern in den gesegneten Gründen. Aber nicht blos bei meinen Vätern; auch bei meinen Kindern. Alle sind sie gefallen in diesem schrecklichen Kampfe,, den der große Geist über uns bestellt hatum unfern Stamm zu vernichten , von der Erde. Nur sein Name soll noch genannt werden als Eines, der gewesen. Sehet, ich steh' allein; kein Sohn, der mir ein Wildpret aus dem Dickicht des Waldes brächte, keine Tochter, die mir den Mokasin an den zitternden Fuß binde. Sie sind Alle gefallen. Ich habe um sie Alle die Todtenklage angestimmt. Was wollet Ihr also von mir? Höret die Stimme des kinderlosen. Greises, der seinem Stamme den Ruf der Weisheit-ertönen läßt. Ihr vermöget Nichts gegen diese Weißen. Der große Geist hat . sie ausgerüstet mit .größerer Zahl, mit schärferen Messern, mit Feuerwaffen. Wollet Ihr Alle erliegen? So sendet Abgeordnete hin zum Sitze ihrer obersten Häuptlinge in der fernen Burg am Meere, Saget, Ihr wollet die Kriegsaxt vergraben; Ihr wollet die Friedenspfeife rauchen mit ihnen, die mit dem Blute Eurer. Söhne befleckt sind. Saget, Ihr wollet ziehen weit, weit hinweg, wohin sie Euch, weisen wollen. Ihr wollet die Gräber Eurer Väter verlassen, und die Ströme, aus denen sie getrunken, und die Wälder, in welchen sie gejagt. Dafür lasset Euch geben Feuerwaffen, so viel Ihr bedürft, und den schwarzen Staub, mit. dem sie gefüllt werden, und die runden Steine, die sie schleudern: .Damit Met hin gen Abend, so weit Ihr vermöget, und sie es verlangen, und der große Geist gebe Euch herrliche Wälder und mächtige Ströme, daß unser Stamm daran aufwachse von Neuem und sich ausbreite zu neuer Herrschaft. Also thuet, mich, aber lasset hier zurück; denn ich will nicht weichen von den Stätten, wo meine Väter und meine Söhne im langen Schlafe sitzen." „Also sprach der Greis. Wol erhoben sich viele Stimmen dagegen, und die jungen Krieger, darunter mein Vater, murreten. Aber zu Viele waren da, die ihre Kinder und Frauen in dem blutigen Kampfe verloren, und auf der Seite des Greises standen. Und es geschah so. Unser Stamm schloß einen Vertrag ab mit dem Vater der Weißen im Morgen. VieleDpfer. wurden gebracht, viele Gesänge angestimmt, viele Reigen getanzt. Jeder vergrub etwas Theures in den Gründen, der einen Skalp, Jener einen Speer, der Andere, einen Reiherbusch. Eines Morgens aber zogen sie Alle ab, in langen Reihen, gegen Abend zu, auf weiter Wanderung. Wir hatten kein Anrecht mehr auf dix Jagdgründel unserer Ahnen. Wir hatten nur noch , die Luft, die wir athmeten. Wir waren Flüchtlinge." „Aber der Flüchtling hat kein Glück. Sein Arm ist zerschnitten, denn er hat Nichts mehr zu vertheidigen. Sein Fuß hebt sich nur zum Fliehen. Wo er weile, ist ihm gleichgiltig. Darum fürchtet er sich vor dem Fallen des welken Blattes; darum entweicht ec vor dem Krkegsgeschrei fremder Stämme; vor ihm scheuet sich der Büffel nicht, kaum daß der Hirsch ihn erblickt und davon eilt." „Meine Väter waren von den Weißen überlistet. Wohin diese sie gewiesen/ das war ein steiniges Hügelland, wo nur selten das dürre Gras vom Fuße des Hirsches niedergetreten ward; die Wälder rauschten dort nicht, und die Bäche quollen nicht. Und in den Schluchten wohnten die wilden Stämme der Irokesendie mit Niemandem verkehren, und Jeglichem Feind sind, im Dunkel der Nacht überfallen und am Lichte des Tages die Leiber der Gefallenen verzehren. Unser Stamm war ein Schößling, der weder Erde noch Wasser hat. Dort sielen Einige vor Hunger, dort Andere unter der Streitaxt der Feinde. Kaum waren einige Jahre dahingegangen, so trennten sich die Meisten, und verliefen sich auf allen Pfaden. Wie man mir gesagt, sieht man hier und da noch einen entarteten Sohn des Chippe-