Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 7 (7.2.1848)
- Date
- 1848-02-07
- Page
- Seite 101 (sequence 11)
- Language
- German
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101 waierstammes. Wir aber blieben. Mein Vater sammelte die Reste des Stammes um sich, zog sich in eine ferne Strecke zwischen zwei Ströme zurück, hielt sorgsam Wacht gegen Freund und Feind. So verlebten wir noch glückliche Jahre, Ln denen unser Antlitz nur gefurcht ward durch die Schmerzen der Erinnerung. Mein Vater starb. Meine Brüder wählten mich zu ihrem Häuptling. Ich hatte ein Weib, ich hatte Kinder." „Es war eine dunkle Nacht. Die Sonne war blutigroth hinter die Steinhügel gesunken. Der Strom war geschwollen, und trieb brausend feine vollen Gewässer. Der Sturm hatte sich aufgemacht und jagte über die Ebene. Wir hatten uns längst zurückgezogen in unsere Wigwams. Ich ruhete auf meinem Lager. Der Schlummer hatte meine Augen mit seinem Netze bedeckt. Ich sah und hörte Nichts. Plötzlich schreck' ich auf. Ein Wuthgeheul und ein Jammerruf tönt ganz nahe durch die Luft. Flammenschein bricht wie feurige Morgenröthe herein. Ich spring' auf, ergreife mein Tomahawk, meine Büchse. Ich stürze heraus, mein Weib, meine Kinder folgen mir. Da n>dimelt die Nacht von heulenden Irokesen; sie haben uns überfallen in der Stucmnacht; sie haben Feuer geworfen in die Wigwams der Schlafenden, und der Wind trieb die Flamme mit Macht durch die Gaffe. Hier ein kämpfender Chippewaier, den die Uebermacht erdrückt; dort Fliehende, denen die Unholde den Weg verrennen. Ich schäume vor Wuth; ich stürze hinein in den dichtesten Knäuel; ich breche eine Bahn; noch fühle ich Weib und Kinder hinter mir. Da hör' ich einen Schrei, es war der Todesschrei meines Weibes, durchbohrt vom Messer eines Irokesen. Ich strecke ihn nieder; ich reiße meinen ältesten Sohn an mich. Eine Schaar Feinde hat die übrigen schon ergriffen. Da stürz' ich mich mit meinem Knaben in den Schatten eines Wigwams; glücklich gelange ich aus der Gasse. Wenige Schritte, und -wir waren gerettet. Ich lasse den Kampfplatz hinter mir, denn es war Alles verloren; eile nach dem Strome, reiße ein Kanoe los, stürze mich und meinen Sohn hinein, und durchschneide den Strom. Aber die Fluch war stärker als ich. Bald hat sie mein Fahrzeug ,im Wirbel herumgerissen; da stößt ein Baumstamm, der daherschwamm auf das Kanoe und stürzt es um. Ich lasse das Ruder fahren, und greife nach meinem Sohn. Ich sind' ihn nicht; schon fernab hör' ich noch seinen Hilferuf. Ich eile nach, er ist von dannen. In der Verzweiflung will ich sterben. Aber der Strom ist mächtiger als ich; die Fluth reißt mich dahin, und wirst mich bewußtlos bei einer. Wendung an's Ufer.'..." „Am Morgen erwach' ich. Ich verberge mich in einer Höhle. Am dritten Tage treibt mich meine ohnmächtige Wuth nach unserm Dorfe zurück. - Es war nicht mehr. Ein Schutthaufen, hie und da rauchende Bränder, hie und da Ueberreste halbvecbrannter, entstellter Leichen, dies war übrig. Ich suchte nach meinem Weibe, meinen Kindern; ich fand sie nicht. Ich konnte sie nicht einmal bestatten. Es war ein großes Grab. Ich saß viele Tage auf den Trümmern, aber die Geier, die sich vom Aase meiner Freunde atzten, konnte ich nicht vertreiben. Da beschloß ich, hierher zu ziehen; in die Gründe meiner Ahnen, zu den Gräbern meiner Väter. Der Greishat Lügen gesprochen. Sterben muß man auf dem Grunde seines Stammes. In der Ferne ist kein Glück"— — ich bin der Letzte der Chippewaier...." Der Pole seufzte. Der Indianer aber senkte das Haupt zwischen die Knieen, zog die -Decke über den Kopf, und verstummte. Der Pole seufzte, und der Indianer verstummte. Aber der Sturm ging draußen seinen mächtigen Gang durch die , Wipfel der Baume, und Kronen und Aeste krachten unter feinen Schritten. Die Flamme schlug von Zeit zu Zeit jach auf. Die Höhle dröhnte fast vom Sturme. Die Drei schwiegen eine lange Zeit.... (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. . In demselben werden Annoncen aller Art gegen l V* Ngr. (J gGr.) Gebühren für die gesPaltene Zeile aus Petitschrift o.her.deren Raum sowie literarische, merkantile u, a. Beilagen ausgenommen.> --v Die Verlagshandlung. Aufforderung. . Mit. dem 1. .Oktober.1848 -wird-die Stelle des Religionslehrers an hiesiger israelitischer Religionsschule etledigt. Dieselbe trägt 15()Thlr. und ist . mit freier Wohnung und Heizung, so wie mit mancherlei Nebeneinkünften verbunden Un'verheirüthete sich hierzu eignende Individuen mögen unter Einsendung gehörig beglaubigter Zeugnisse über ihre sittliche und wissenschaftliche QualiffkatiM sich melden bei dem Vorstände per. israelitischen Gemeinde zu Köthen.