Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 7 (7.2.1848)
- Date
- 1848-02-07
- Page
- Seite 98 (sequence 8)
- Language
- German
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98 ließe sich nach dem Budget fragep. Zu Zeltest Biedermannes hat man zwölf „Repräsentanten der Gemeinde" erwählt, die, so sich die Vertreter (es, war eigentlich auf den Vertreter B. gemünzt) Mißgriffe oder Uebergriffe erlauben, sie ihnen zur Opposition entgegengestellt werden. — Nun wir gestehen es ein, Biedermann war ein stit 1M8, ein eigenmächtiger Mann, er war aber auch dafür ein tz)^, ein Mann, der einen kräftigen Arm gehabk, wenn es galt Etwas zu leisten. Ist doch der Tempel sein Werk, und es wird auch bei ri172w2 rhSth von ihm gesagt: ri« Id' ttbiin rpa i rv»a , irrft ri'dn. Und allenfalls ist jede Kraft, wenn sie auch zur Uebeckraft, jeder Muth, wenn er auch zum Uebermuth potenzirt wird, mehr zu schätzen, als Kraft- und Muthlosigkeit. —- Warum also wird kein Budget gegeben, da sie es doch früher der Regierung legen mußten. Wo sind die Repräsentanten? — Wir fragen noch was Anderes: Warum halten jetzt die Vertreter so selten Sitzungen? Giebt es so wenig zu berathen? Oder ist es, daß von den fünf Vertretern, die jetzt sind. Einer die Leitung und Führung des schweren Lastwagens der Gemeinde übernommen und die anderen vier die Räder sind, die willig diesem Zuge folgen? wo bleibt sodann die Opposition, von der die Herren so viel sprechen, und welches überall auch zugegeben werden muß, daß sie heilbringend, sei; weil xro und contra erst den Gegenstand in's rechte Licht setzen. — Bekanntlich beim Sinhedrion, wenn alle das „Schuldig" über eine Person aussprachen, derselben Nichts geschah, welches eben darin seinen Grund hat, weil die Opposition fehlt. — Wo sind die Statuten der hiesigen Israeliten, an denen Herr Mannheimer jahrelang gearbeitet? Warum ist das Leben wie der Tod ein Geheimniß? — Doch gehen wir weiter. Hoffen wir, daß das Wort in der Absicht, in der wir eS geschrieben, auch so aufgefaßt, und seine Wirkung nicht verfehlen werde; gehen wir also zur Schule, wo wir ganz kurz sein werden. Wer den Mannheimer kennt, wie geistreich er jeden Gegenstand auffaßt, wie fern von aller Pedanterie er lehrt, wird sich denken können, wie gern die Philosophen (denn nur diesen gilt sein Unterricht) seine Vorlesungen frequentiren, und um so mehr bei den hiesigen Schulen, denen der Zopf von hinten, hängt und . der geknechtete Sinn nach vorne ist. — Die übrigen Religionsschüler, seit heurigem Kurse auch die Mädchen, stehen unter der unmittelbaren Leitung des Herrn Breuer^ der gewiß zu den tüchtigsten Schulmännern gehört, welcher neben seinem Vielwissen und wahren tiefen Bildung einen eisernen Fleiß verbindet, welches ihm schon mehrere Belobungsdekrete von Seite der Schulenobecaufsicht und der k. k. Studienhofkommission verschafft hat. In letzterer Zeit ließen ihn die Schüler lithographiren. Eben jetzt bearbeitet derselbe eine biblische Geschichte, die von einem höher« Standpunkte aufgefaßt ist, als der größte Theil der bis jetzt erschienenen. Wir werden schon seiner Zeit darauf zurückkommen. — Doch hätten wir blos von dem Schulgebäude zu sprechen, dieses ist eines der schlechtesten, welches wir kennen. Keine Luft, kein Licht, zu ebener Erde, wo man jedes Rollen eines Wagens um so deutlicher hört. Es wundert uns. auch, da voriges Jahr den Vertretern der Plan vorgelegt wurde, die Schule in den zweiten Stock zu verlegen, wo auch an pekuniären Mitteln Nichts oder wenig verloren wäre, und man hätte zwei statt eines Lehrzimmers, welches sehr vortheilhaft wäre. Und wir können nur, wie bei noch so Manchem sagen: fifcnbö ■07273 r>2>1. Nächst Tempel und Schule ist das Krankenhaus, welches unter einer vorzüglichen Verwaltung steht. Die Herren Doktoren tragen unentgeldlich — mit Ausnahme von zweien — alle mögliche Sorgfalt und verwenden allen Fleiß für ihre kranken Brüder, und dazu mit einer Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit, wie selten. Herr Herrmann ist einer der vorzüglichsten Spktalväter und das Krankenhaus hat einen ganz neuen und bessern Umschwung genommen, seit er an der Spitze steht, auch hat sich Herr vr. Edler v. Hofmansthal sehr darüm verdient gemacht, in letzter Zeit wegen Anlegung einer Bibliothek. — Das Spital kostet sehr viel und man muß sich so manche Opfer gefallen lassen. Doch müssen wir den Wienern und den Herren Vertretern insbesondere ein Wort sagen: daß den größten Theil dieser Last wol — der Landjude zu tragen hat, und zwar durch den Fleischkreuzer; jedermann weiß, daß den größten Theil von Koscherfleisch der Landjude konsumirt, es beträgt über 22,000 Fl. K. M. Diesem zunächst sind die zwei größten und wohlthätigften Vereine der Armen- und Handwerkerverein. Doch kam es dahin, daß der