Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-02-07 · Heft 7 (7.2.1848) · p. Seite 96

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 7 (7.2.1848)
Date
1848-02-07
Page
Seite 96 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225551-3225559--09169-3237411
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

96 deputirten nur gesinnungstüchtige, mit den Anforderungen der Zeit vertraute Männer zu wählen sich bestrebten. So fiel in Gnesen und in mehreren Gemeinden dieWahl auf den bekannten Herrn Dr. Gebhard, Rabbiner in Gnesen. Viele andere Gemeinden wählten die Gebildetsten aus ihrer Mitte. Eine Ausnahme hiervon macht die Gemeinde zu Posen, die den Krebsschritt schon gewohnt ist; sie wählte ihren Rabbiner Herrn Salomon Eger, und zeigte auch sofort den anderen Gemeinden ihre glückliche Wahl an. Ihre getroffene Wahl befremdet uns durchaus nicht, da die einflußreiche, Ton angebende vw sie wünschte, und die sogenannten Aufgeklärten nicht das geringste Interesse an der zeitgemäßen Entwickelung des Judenthums nehmen, und gleichgiltig gegen Alles sind, was dasselbe betrifft. — Es kann uns aber nur sehr befremden, daß sie dieselbe mit solcher Akklamation in alle Welt ausposaunt, und die kleineren Gemeinden zum Beitritt derselben zu gewinnen sucht, was doch unfehlbar die Absicht jener Anzeige ist. — Aus mehreren Beweisen sollte sie wol die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die anderen Gemeinden sie gerade nicht zum Muster nehmen, und am Allerwenigsten in die Wahl eines Mannes einstimmen werden, dem — gelinde gesprochen — die Gabe eines Redners völlig abgeht, und welcher der unschuldigsten Verbesserung hemmend entgegentritt. Wenden wir uns Erfreulicherm zu. Wie wir aus sichrer Quelle vernehmen, beabsichtigt die Gemeinde zu Bromberg, schon längst als eine intelligente bekannt, einen wissenschaftlich gebildeten Rabbiner aufzunehmen. Möge ihre lobenswerthe Absicht den besten Erfolg haben, daß der in ihr herrschende Friede nicht getrübt werde. Wie mächtig die Bewegungen der Zeit auf das Volk einwirken, beweisen die Veränderungen, die selbst in.der Synagoge zu Wongrowiec getroffen worden sind. Das widrige Versteigern der mitra beim Gottesdienst, wie das sogenannte Schulklopfen sind abgeschafft; das Aufrufen, zur irvin mit den üblichen hohen Titelaturen, als: -mn, mYna u. s. w. hört nun auf. Auf den Ruf -wr»'' ff. begiebt sich die betreffende 'Person, die schon früher davon in Kenntniß gesetzt ist, zur i-rYn. Auch beim wird kein Name genannt, sondern derselbe wird mit i-iYna hVtffr bezeichnet. Möchten doch größere Gemeinden in unsrer Provinz diesem Beispiel folgen! Deutschland. Stuttgart, 18. Januar. Gestern Abend -fand hier eine Bürgerversammlung statt, in welcher unserm Abgeordneten die Wünsche der hiesigen Bürgerschaft empfohlen wurden. Es waren dieser 24, und der 21ste lautete: „Gewissensfreiheit nicht nur dem Worte sondern auch der That nach, so daß Keiner um seines religiösen Glaubens willen staatsbürgerlicher Rechte verlustig gehe." Vom Ries, 24. Januar. (Privatmitth.) Wenn bei der in Baiern austauchenden Morgenröthe auch die Bekenner des mosaischen Glaubens auf Aenderung ihrer bürgerlichen Verhältnisse hoffen, und dies den ergangenen höchsten Anordnungen gemäß, nicht nur zu erwarten steht, sondern keinem Zweifel zu unterliegen scheint, und dankenden Blickes die Segnungen des Himmels für das Wirken einer erleuchteten Staatsregierung erflehen; so muß bei diesen erfteulichen Hoffnungen das zelotische Wirken einiger Einzelnen, den wahren Freund des Judenthums schmerzlich berühren, und man kann nur jene Täuschungen beklagen, in welche die betreffenden Gemeinden geriethen, als sie bei Aufnahme ihres Rabbiners, ein zeitgemäßes, seiner Stellung anpassendes Wirken, hoffen zu dürfen, sich schmeichelten. Behufs der Einbringung eines Gesetzentwurfes an die nächste Ständeversammlung, zur zeitgemäßen Besserung der Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen in Baiern, erging von höchster Stelle an alle Rabbiner Baierns die Aufforderung, ihr Gutachten über deren vermeintliche und wirkliche Beschwerden, so wie ihre Wünsche, aus welche Weise eine Aenderung geschehen könne, abzugeben. Zu diesem Zwecke ließ der seit einem Jahre in Oettingen aufgenommene Rabbiner, Dr. Feuchtwang, die Kultusverwaltungen seines Distrikts berufen, um sich deshalb mit ihnen zu benehmen. Gegen alles Erwarten (wenn schon dem aufmerksamen Beobachter die Richtung seiner Grundsätze längst nicht entgehen konnte) erklärte derselbe den versammelten Verwaltungen, daß er in seinem Gutachten für eine völlige bürgerliche Gleichstellung der Israeliten Baierns, sich nicht aussprechen werde; von dem Grundsätze ausgehend, weil der jüdische Beamte den Anforderungen der Religion nicht genügen könne, da er durch die ihm obliegenden Funktionen den Sabbat zu entheiligen gezwungen sei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.