Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 7 (7.2.1848)
- Date
- 1848-02-07
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
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93 Verehrer der Juden zu sein, allein, was immer Gegründetes (??) gegen ihre zähe Hartnäckigkeit in religiösen Dingen gesagt werden mag — zugeben muß man doch, daß der Muth eines gottbegeisterten Märtyrers dazu gehört, um all das Entsetzliche, was man ihnen aufbürdete, mit solcher Ausdauer und Ergebenheit ertragen zu können. Während in Rom ein Drittheil der Bevölkerung vor Faulheit nicht weiß, was es beginnen soll, während Lausende lieber in Lumpen und schmutzig einhergehen, oder sich im Umkehren, der Laschen Fremder üben, als arbeiten, müht dies kleine Häuflein verachteter Juden sich Lag und Nacht ab, schafft Jung und Alt, geht jedes Kind in ganzer Jacke und sieht man keinen einzigen Bettler unter ihnen! — O möchten doch diese stolzen, trägen Römer von diesem verachteten Volke lieber lernen, was sie zu thun haben, um sich redlich zu ernähren und das Joch der Armuth abzuwerfen!" — So weit unser Autor, dem es so an Offenheit nicht fehlt. Belgien. Brüssel, 20. Januar. Obgleich die Charte Belgiens die Kirche gänzlich vom Staate getrennt hat, so weiß man doch, wie die Priester- und lieberale Partei um die Oberherrschaft kämpfen, und jene eine beherrschende Position behaupten will. Ein Spezimen dessen gab die gestrige Sitzung der Repräsentantenkammer, die unter lauter theologischen Verhandlungen verstrich. Herr Verhaegen äußerte in Betreff der respektive« Rechte der geistlichen Obrigkeit und der weltlichen Macht: „Er anerkenne keine geistliche Gewalt in Belgien. Es gebe einen Klerus für die verschiedenen Kulte,, aber es könne im Staate keine unabhängige Macht bestehen, und wenn der katholische Klerus eine Solche beanspruche, so habe man kein Recht, sie dem protestantischen oder dem israelitischen Klerus zu versagen. Er frage, ob gegenüber allen diesen unabhängigen Gewalten eine Regierung möglich sei." Großbritanie«. London, 21. Januar. Der Stadtrath von Manchester hat eine Petition zu Gunsten der Judenemanzipation mit 29 gegen 5 Stimmen beschlossen. —. Zu Swansea wurde ein Meeting unter dem Vorsitz des Mayors zu Gunsten der Juden abgehalten. Die Resolutionen wurden von der sehr zahlreichen Versammlung einstimmig angenommen, und eine Petition an beide Häuser beschlossen. — Die zwei Unitariergemeinden zu Birmingham haben'gleichfalls Petitionen zu Gunsten der Juden abgehen lassen. — Zu Boston hat der Stadtrath. eine.gleiche Petition beschlossen, die bereits 2000 Unterschriften hat. Frankreich. Straßbrrrg, im Januar. In Ermangelung bedeutsamerer Vorgänge entnehmen wir der letzten Nummer der?ure Vöritö (der Redakteur nimmt mit ihr Abschied von seinen Lesern) folgende kleine Züge. — In Paris stand jüngst ein Mann vor Gericht, der einem benachbarten jüdischen Paare ein „Hepp, Hepp" nachgerufen. Er wurde zu 25 Fr. Strafe, 40 Fr. Entschädigung an das jüdische Paar und in die Kosten verurtheilt. — In Luxeuil wohnte vor 18 Jahren ein Israelit, welcher in drängender Noth dem Ansinnen eines frommen christlichen Nachbars nachgab, und ihm ein Mädchen von 7 Jahren überließ. Es wurde der väterlichen Aufsicht entzogen und in der katholischen Religion unterrichtet. Zwei Brüder gingen, herangewacbsen, nach Algier, und machten dort ihr Glück. Das Schicksal ihrer Schwester lag ihnen stets am Herzen, und, als sie Vermögen erlangt hatten, reiste der Eine nach Frankreich zurück, und stellte alle mögliche Nachforschung an, um die Spur ihrer Schwester zu finden. Da er es an Belohnungen nicht fehlen ließ, gelangte er endlich zum Ziele; er fand sie in einem Kloster nicht weit von Luxeuil. Sogleich begab er sich dahin, gab sich dem Mädchen zu erkennen, unterrichtete sie über ihre Vergangenheit, lud sie ein, wieder den Glauben ihrer Vater anzunehmen, und ihm nach Algier zu folgen. Das 25jährige Mädchen schlug mit Freuden ein, war glücklich, ihre Familie wieder gefunden zu haben, ließ sich Im Judenthume unterrichten, und ist jetzt auf der Reise nach Algier begriffen. — Preuße«. Posen, 14. Januar. (V. Z.) Die Repräsentantenwahl unsrer israelitischen Synagogengemeinde, welche am vergangenen Dienstag den 11.