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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-02-07 · Heft 7 (7.2.1848) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 7 (7.2.1848)
Date
1848-02-07
Page
Seite 92 (sequence 2)
Language
German
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92 keine neue Stellung angewiesen zu bekommen gehabt. Wir haben auch nicht darum gebeten, von den Einschreibungen be! der Polizei befreit zu werden. Also warum sollen wir jetzt so Bedeutendes mehr zahlen, als früher? Hierzu kommt, daß die unbemittelten Juden davon sehr hart betroffen werden, und deren ist doch die ungeheure Mehrzahl. Zwar der notorisch Arme ist frei. Aber wie viel notorisch Armer giebt es, will es geben unter den Juden? Dabei ist es nicht eine Abgabe, die nach und nach in wenigen Groschen abgezahlt wird, sondern auf einmal, und 1*/2 Thlr. und mehr hinzulegen, ist dem unbemittelten Juden oft eine ungeheure Last. Wer mit der Masse zu thun hat, weiß dies. Der zweite lästige Umstand ist das persönliche Erscheinen bei der Eintragung vor Gericht. Es trifft dies die Juden, die auf dem Lande wohnen, also nicht an Orten, wo ein Gericht ist, sehr schwer, bei jedem Geburts- und Sterbefalle mehre Meilen nach dem Kreisort sich zu begeben. Es vermehrt dies die Kosten, raubt Zeit, die dem Armen sehr theuer ist, und mehrt jedenfalls die Beschwerden; bei Todesfällen erhöht sich dies durch die Trauer an sich und die vielen Juden so heiligen Trauergebräuche. Sicherlich lag es nicht im Geiste des Gesetzgebers, den Juden neue Lasten und Mühen aufzubürden. Vom Standpunkte der Theorie aus 'mußte es ihm , wie wir anerkennen, als eine Erhebung erscheinen, statt der Polizei dem Gerichte unterstellt zu werden. Um so mehr können wiruns überzeugt halten, daß gehorsamste Vorstellungen ein geneigtes Ohr finden werden. (Vgl. Art. Magdeburg in dieser Nr.) Der Redakteur dieser Zeitung, bereits von mehren Seiten aufgefordert, gedenkt binnen vier Wochen ein desfallsiges unterthäniges Gesuch den höchsten Stellen in Ehrerbietung unterzubreiten. Dasselbe soll die beiden Punkte betreffen: 1) eine Verminderung der Taxen, 2) die Erlaubniß, in Ortschaften, wo kein Gericht ist, die Eintragung von den Ortsbehörden geschehen zu lassen. Wir fordern daher die preußischen Gemeinden auf, sich diesem Gesuche anzuschließen, und, wie in früheren Fallen,-durch Einsendung ihres Beitritts uns die Bevollmächtigung zu geben, ihren Namen ber'zufügen. Die Redaktion. Zettungsuachrichten. Italien. Rom. (Folgende Schilderung entlehnen wir einem neuern Reisewerke *). Da Italien wahrscheinlich binnen Kurzem in die Reihe der Länder eimritt, welche die bürgerliche Gleichstellung der Juden erstreben, so muß die Zeichnung der jetzigen Verhältnisse uns die Basis geben.) „Ein alterthümlicher Thorweg bildet den Eingang zu dem vom übrigen christlichen Rom noch heut zu Tage durch eine hohe Mauer abgesonderten Judenquartier. Und seltsam — obwol hier wie anderwärts die italienische Zunge klingt, obwol alles. Uebrige — Häuser, Umgebung, Luft ganz so sind, wie in anderen italienischen Städten, läßt sich doch nicht verkennen, daß andere Menschen, ein anderes Volk, mit anderen Grundsätzen hier hausen. Die Juden Roms> namentlich die alleren Männer und am Meisten junge Frauen und Mädchen haben ihren orientalischen Typus eben so treu bewahrt, wie die Juden in Krakau und Lemberg. Auch ihr Betragen gleicht auf ein Haar dem in Deutschland bekannten. Was im christlichen Rom nie Vorkommen wird, daß irgend ein Handeltreibender den Vorübergehenden anruft, in sein Gewölbe zu treten und zu kaufen, das kann man hier in wenigen Minuten unzählige Male erleben. Alles fragt freundlich und äußerst zuvorkommend, was man befehle? „Che commanda, Signor?“ flötet die süßeste Mädchenstimme vor der Thür des Hauses, an der sie arbeitend steht, und schlägt dabei ein Paar der schönsten Augen auf, in deren verschleierten Liefen unter heiterm Lächeln ewige Trauer weint. (?) „Che e a vostro servizio, Eccellenza?“ fragt kreischend und minder freundlich eine grämliche Alte, die auf der Thürschwelle sitzend, abgetragene Schuhe säumt. Wohin man blickt, überall regen sich tausend Hände, bereit unermüdlich zu schaffen, zu verdienen, um die schwere Steuer pünktlich erlegen zu können, die der Humanismus des Christenthums dem auserwählten, seit so langen Jahrhunderten zertretenen Volke unter dem entwürdigendsten Zeremoniell noch immer auferlegt! „Ich kann mich nicht rühmen, ein enthusiastischer *) Italienische Nächte, von Ernst Willkomm. Leipzig, 1847. Bd. I.

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