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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-31 · Heft 6 (31.1.1848) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 6 (31.1.1848)
Date
1848-01-31
Page
Seite 88 (sequence 12)
Language
German
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88 Wir haben im Interesse der Jugend und der Wahrheit die mannigfachen und verschiedenartigen Bemerkungen über diesen Gegenstand, welche wir übrigens als hinlänglich bekannt voraussetzen dürfen, sorgfältig erwogen. Die Einwendungen gegen die Einführung der vollständigen Bibelübersetzung Ln Schulen sind so triftig und gewinnen besonders in gegenwärtiger beit so sehr an Bedeutung, daß es selbst dem strengsten Anhänger des entgegenstehenden Systems schwer werden dürfte, sie zu entkräften. Es versteht sich von selbst, daß darum dem Werthe der Bibel in keiner Beziehung zu nahe getreten werden soll. Es kommt nur darauf an, eben im Geiste des historischen Judenthums den Weg zu betreten, welcher unter den Verhältnissen unsrer Zeit zum Ziele führt. Merkwürdiger Weise stellt sich bei näherer Betrachtung dieser Streitfrage noch ein anderer, sehr wesentlicher Umstand heraus, nämlich der, daß in neuerer Zeit diejenigen Quellen, welche im Allgemeinen noch gar nicht übersetzt worden, auch fast ganz unbenutzt geblieben sind. Der überreiche Schatz an moralisch-religiösen Sentenzen und Aussprüchen aller Art, welche ehemals allen unterrichteten Israeliten geläufig, und, wie jeder Kundige zugestehen wird, unendlich wohlthuend für Geist und Gemüth waren, ist jetzt beinahe vergessen, und was ist an dessen Stelle gesetzt worden? Dieser Mangel, der durch einige kleine Sammlungen keineswegs gehoben wird, hat noch mehr dazu beigetragen, das Judenthum, beschränkt auf die biblischen Bücher und einige Brosamen späterer Sprüche, für arm an ethischenLeh ren zu halten, und hat auch die Theilnahme für dessen genauere Kenntniß vermindert. Selbst wohlunterrichtete Schüler und Schülerinnen, welche die Grundlehren gut verstanden und in sich ausgenommen haben, finden daher zu ihrer fernem Bildung in religiöser Hinsicht Nichts mehr vor; sie wissen kaum von einem Fortgange des Judenthums im Laufe der Jahrtausende, sind für dessen Schicksale und Stellung in der Weltgeschichte gleichgiltig, eben weil ihnen die nachbiblische Entwickelung desselben fremd geblieben. Wir dürfen aber mit Sicherheit behaupten, daß die Liebe der Juden zu ihrer Religion, auch unter der neuern freiem Anschauung, ganz vorzüglich durch genauere Bekanntschaft mit der nachbiblischen Durchbildung der Lehre genährt worden, wie denn überhaupt solche Kenntniß von dem fortschreitenden inner» Leben jeder Erstarrung der Begriffe vorbeugt. Eine große Zahl denkender, fühlender und für die Religion begeisterter Lehrer haben uns eine Fülle von weisen Sprüchen und Lehren hiNterlassen, welche zum geistigen Ekgenthum der jüdischen Gemeinde gehören und nur von den vielen störenden Auswüchsen, mit denen sie behaftet sind, befreit zu werden brauchen, um auch in der Gegenwart wieder ihre Kraft zu bewähren. Soll unsre Jugend, bloß weil sie die Sprache nicht erlernt, in denen solche aufbewahrt sind, oder etwa um jener entstellenden Ausartungen willen, welche durch eine freie Kritik, unbeschadet des Kernes beseitigt werden können, dieselben nicht in sich aufnehmen? Warum soll überhaupt das Judenthum in seinen Bekenntnißquellen nicht alles das umfassen, was sich als wahrer Ausdruck und echtes Gepräge seines Geistes bewährt? Darum schien es uns von höchster Wichtigkeit, einerseits zwar, was die biblische Grundlage betrifft, vorläufig von allen denjenigen Bestandtheilen derselben, welche aus den angedeuteten Gründen einem Nachstudium Vorbehalten bleiben mögen, abzusehen, — dagegen aber andrerseits den nachbiblischen Anbau, so weit in demselben der Geist der Religion sich ausprägt und seine Aeußerungen ein gewisses Ansehen und eine allgemeine Geltung gewonnen haben, mit in den Bereich der Jugendbelehrung herein zu ziehen. Hierzu rechnen wir, außer den unmittelbaren Lehren und Grundsätzen, noch manche ältere Kommentirungen wichtiger Stellen der h. Schrift, eine bestimmtere Darstellung der Entwickelungsmomente des Judenthums, eine Kenntniß hervorragender Persönlichkeiten, und Erläuterungen alles dessen, was zum Verständnisse sowol der Lehre als auch der religiösen Institutionen dient. Wir haben uns vereinigt ein Werk zu gründen, welches diesen Erfordernissen entsprechen soll, und hegen die Zuversicht, daß wir dadurch nicht nur der Schule ein umfassendes Buch als bleibende Religionsquelle geben, auf welches sowol der mündliche Unterricht, als auch Lehrbücher und Katechismen sich beziehen können, sondern auch den Familien, welche im häuslichen Kreise gern den Lehrsätzen der Religion einige Stunden festtägiger Erbauung zuwenden, ein Mittel darbieten, ihren Geist zu nähren und Betrachtungen anzuknüpfen, welche der Stimmung Zusagen. Dem Judenthum selbst soll das Werk Achtung und Anerkennung verschaffen, und der Bibelkunde soll es als Vorschule dienen. Dasselbe soll den Titel führen: Kleine Bibel für Israeliten und im Allgemeinen Folgendes enthalten:

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