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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-31 · Heft 6 (31.1.1848) · p. Seite 85

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 6 (31.1.1848)
Date
1848-01-31
Page
Seite 85 (sequence 9)
Language
German
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85 waren in letzter Zeit gar häufig. Den minder vertrauten Leser verweisen wir auf Jost's Kulturgeschichte, wo über die Lichtsteuer und den Cherem in Polen gegen den Uebertreter das Nähere mitgetheilt wird. Als ein erfreuliches Zeichen der wahrhaft humanen Gesinnung Sr. Maj. des Kaisers, welcher seit Kurzem mehreren jüdischen Gelehrten und der jüdischen Wissenschaft die huldvollste Auszeichnung angedeihen ließ, werden Ihnen folgende Notizen gewiß willkommen sein. So erhielten die k. k. goldene Medaille xro litteris et artibus die Herren M. E. Stern und Simon Deutsch. Ferner erhielt Di*. Jakob Goldenthal für die Ueberreichung des von ihm in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei erschienenen Mafteach des R. Nissim Gaon, als Zeichen der Zuftiedenheit eine werthvolle Babatiere. Dr. M. Letteris wurde die Auszeichnung zu Lheil, daß dessen Werke in diePrivatbiblothek Sr. Majestät des Kaisers ausgenommen wurden. — Besonderer Anerkennung erfreuete sich aber Dr. Spitzer (gebürtigaus Nikolsburg), Rektor der medizinischen Schule in Galater Serai zu Konstantinopel, welcher gegenwärtig auf Besuch in seine Heimath zurückkehrte und zugleich auf Kosten des Sultans 5 türkische Zöglinge der medizinischen Schule an der wiener Fakultät als Medieinae Doctores graduiren läßt. Er wurde auch unter Anderm mit der k. k. österreichischen Medaille für Wissenschaft und Kunst beehrt. Sehen Sie, in Konstantinopel ist man in gewisser Hinsicht liberaler als an der Spree! Preußen. Posen, 10. Januar. Bekanntlich will das neue Gesetz eine Kommission von 9 Männern schaffen, die von Zeit zu Zeit sich in Berlin versammeln und, wenn in einer Gemeinde sich eine neue apart bilden will, ein motivirtes Gutachten an den Kultusminister abgeben soll. Im Großherzogthum Posen wird bereits zur Realiflrung der Gemeindeverhältniffe nach dem neuen Gesetze geschritten, und berichtet die Voss. Ztg. darüber Folgendes: In Verfolg der §§. 53 bis 57 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 „über die Verhältnisse der Juden" fand gestern die Wahl der Kandidaten zur Kultuskommission für die posener Synagogengemeinde statt. Wie wenig Interesse diese Angelegenheit bei unseren Israeliten überhaupt findet, beweist, daß von den 775 Stimmberechtigten nur 180 Wähler erschienen waren. Die Wahl selbst fand im hiesigen Apollosaale statt (die große Kalte hinderte, die Synagoge zum Sammelplatz zu wählen, wie es sonst geschehen wäre) und dauerte von 9 Uhr bis gegen V-1 Uhr, wobei es nicht'an warmen Debatten derer, welche bei ihrem Kultus auf dem alten historischen Standpunkte stehen bleiben und derer, welche dem Fortschritt der Zeit einen Einfluß auf denselben zusprechen wollen, fehlte. 'Eröffnet ward die Sitzung von dem hiesigenOberraLbiner Eiger mit einer Rede, durch welche er die Versammlung mit dem Zwecke der vorzunehmenden Wahl bekannt und sie darauf aufmerksam machte, in welcher Art dieselbe stattsinden solle. Nächst einigen Anderen, bei denen sich die Stimmenzahl bis zur Negation zersplitterte, wurde mit größerer Majorität Herr Dr. Geppart, Rabbiner der gnesener Synagogengemeinde, mit 68 und Herr Oberrabbiner Eiger mit 96 Stimmen gewählt, wonach also Letzterer dem Oberprasidium als Kandidat unsrer Synagogengemeinde vorgeschlagen ward. Wir bemerken hierbei noch, daß Herr Geppart entschieden der freiem Auffassung religiöser Prinzipien zugehört und demnach der - orthodoxen Partei nicht zusagt. Da nun noch alle anderen Synagogengemeinden unsers Großherzogthums, deren Zahl sich auf 30 bis 60 stellen wird, ihre Kandidaten dem Dberpräsidium zur Bestätigung vorzuschlagen haben, so ist es allerdings bis jetzt unentschieden, ob Herr Eiger wirklich Kultusdeputirter wird oder nicht, wiewol noch andere Gemeinden ihn zum Kandidaten vorzuschlagen beschlossen haben. Da im Ganzen aber 9 Deputirte ernannt werden sollen, als Vertteter der Provinzen des preußischen Staates, so ist es wahrscheinlich, daß unser Großherzogthum sich mit zwei derselben betheiligen wird und dann ist es wol so ziemlich sicher anzunehmen, daß die zweite Kultusdeputirten-Ernennung auf Herrn Dr. Geppart fallen wird. Zugleich ist gestern beschlossen, die Repräsentanten der posener Synagogengemeinde in der bisher gewesenen Zahl, nämlich auf 15 Repräsentanten und 10 Stellvertreter ferner fortbestehen zu lassen , die Wahl derselben wird morgen um 8 Uhr in dem vorhererwähnten Lokale stattsinden und dürfte sich bei dieser Wahl der Einfluß unserer israelitischen Reformer geltend machen. Aus Qberschlefien, 12. Januar. (Privatmitth.) Seit der frankfurter Rabbinerversammlung 6*

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