Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 6 (31.1.1848)
- Date
- 1848-01-31
- Page
- Seite 83 (sequence 7)
- Language
- German
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83 schlag nicht ganz billigt, den verweise ich auf den alten Satz : Anije iro kodmin l'aanije ir acheret, d. h. die Ortsarmen haben vor allen Änderen den Vorzug. Ein Israelit, dem das Gedeihen des Gemeinde- . und Armenwesens sehr am Herzen liegt." (Bemerkung der Red. d. A. Z. d. I. Die Magdeburger Gemeinde hat bereits, seit zwei Jahren die Einrichtung getroffen, daß aus einer, durch freiwillige Beiträge zusammengebrachten Kasse jeder Fremde ein angemessenes Viatikum erhält, bei keinem Prjvatmanne aber eine Unterstützung nachsuchen, darf und erhält. Die Sache hat sich gänzlich bewährt.) Oesterreich. Lemberg, 6. Januar. (Privatmitth,) Ich kann Ihnen als zuverlässig berichten, daß unser unermüdlich thätiger LandesgouEnem, der hochverehrte Graf Fr. v. Stadion eine gründliche und umfassende Verbesserung der gesetzlichen und gewerblichen Verhältnisse der Juden herbeizuführen Willens ist. Diese Verbesserung soll Hand in Hand gehen mit der moralischen Hebung und Veredelung der Masse .durch zweckmäßigen Volks- und Jugendunterricht, so wie durch Anstalten, die der Thätigkeit der Juden eine gemeinnützigere Richtung geben. Es wird demnach dahin gearbeitet werden, die erledigten Rabbinerstellen mit tüchtigen Männern zu besetzen, und gebildeten Geistlichen dürfte sich bei dem Schutze von oben wenigstens in den bedeutenden Gemeinden ein Wirkungskreis eröffnen, wie er sich nicht leicht anderswo findet und wie . noch vor Kurzem nicht daran zu denken war. Dessen ungeachtet giebt es noch wenig Gemeinden, denen auswärtige Kandidaten und die auswärtigen Kandidaten zu empfehlen wären. Unter diesen wenigen stehet Larnopol oben an, ohne Zweifel die vorgerückte Gemeinde in Galizien, die auch kürzlich auf Zureden des dortigen edeln Kreishauptmannes die deutsche Tracht angenommen hat, eine Umwandelung, die hierzulande von unendlicher Bedeutung ist. Ein seiner Aufgabe gewachsener Rabbiner würde sich dort in angenehmeren Verhältnissen bewegen als irgendwo im Lande... In den meisten Gemeinden hingegen wäre ein studirter Rabbiner und vollends ein auswärtiger, und wäre er noch so orthodox, ganz und gar nicht an feinem Platze. Wir haben mdtzß im Lande Männer, die in ihrer Jugend mit Eifer und Erfolg -ist talmudischen Studien betrieben und sich später .durch Lektüre und Privatstudium einen. ziemlichen Grad von Bildung erworben haben, deren Lebensweise auch immer der Art war, daß sie! bei der gemäßigten Partei,! überhaupt bei den redlich Frommen von vornherein kein Mißtrauen erwecken würden. Die. MeisteN'derselben haben zwar den Gedanken aufgegeben, eine RMssnerstelle zu bekleiden, weil nach dem bestehenden Gesetze'Gymnasial- und philosophische Studien verlangt werden. Da es indessen an Kandidaten fehlt, die den gesetzlichen Anforderungen vollkommen entsprechen, so wird man wol einstweilen von denselben abweichen und Männer anstellen müssen, die neben talmudischen Kenntnissen einige Bildung und die Fähigkeit besitzen, ein Katechisation mit der Jugend und einen geordneten gottesdienstlichen Vortrag in deutscher Sprache zu halten. Jenen Männern möchte-ich daher zurufen: rrninb vipnni izr« und rathen, an ihrer Ausbildung .weiter zu arbeiten und namentlich sich einige praktische Befähigung zu verschaffen.; Eben so wünschenswerth wäre es, an den zu errichtenden Schulen einheimische Lehrer anstellen zu können, an denen gleichwol Mangel ist. Daß sich früher Wenige diesem Stande widmeten, ist. sehr begreiflich, da sie auf eine öffentliche Anstellung nicht leicht rechnen konnten und der Privatunterricht, nur ein kümmerliches und unsicheres Auskommen gewährt. Da aber bereits seit Jahren die Aussicht auf ziemlich, gut dotirte Schulen eröffnet worden, könnte es, zumal, bei der Beschränkung der Nahrungszweige, jetzt kaum, an Lehramtskandidaten fehlen, wenn dem Lehrstande, in der öffentlichen Meinung der gebührende.Rang eingeräumt würde.- Dieser ist aber irr der..>That kein geringerer als, der eines voewr juris oder meäieinss undderUeberzahl der Aerzte wegen dürfte es bald dahin kommen, daß Mancher derselben mit dem angestellten Lehrer tauschen möchte. Eltern, die nicht wissen welchem Studium ihre Söhne zu widmen, würden daher wohl, thun zu prüfen, ob diese nicht einigen Beruf zum Lehrfache hätten, das gegenwärtig hier zu Lande Aussichten auf ein segensreiches und geachtetes Wirken und auf ein gesichertes, wenn auch mäßiges Auskommen bietet.