Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 6 (31.1.1848)
- Date
- 1848-01-31
- Page
- Seite 81 (sequence 5)
- Language
- German
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81 gläubig" seien, ja „daß die meisten Bekehrten noch schwach im Glauben sind, und vieler Sorgfalt, Wachsamkeit und Fürbitte unsrerseits bedürfen". Wodurch sind sie denn aber zur Bekehrung gekommen, wenn sie noch „schwach im Glauben" sind? Das ist die Frage, die jedoch— nicht schwer zu beantworten ist. Die große Schwierigkeit des Herrn Bischofs ist nun eben — Geld herbeizuschaffen, weil die Gesellschaft, zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden selbst in Geldverlegenheit ist. Sie hat das hebräische Kollegium aufgegeben, und wird auch das Arbeitshaus aufgeben müssen. Er fordert daher auf, Geld zu schicken, um die Bekehrten unterstützen zu können, weil natürlich die Juden die Hand von ihnen abziehen. Ja, ohne Geld solle man lieber gar keine Missionäre schicken. Das heißt deutlich gesprochen. Er sagt: „Die Kraft der Missionäre ist gelähmt, und die christliche Gemeinde kann nicht wachsen" — ohne Geld. Die Kirche ist gebaut, wird aber leer stehen — ohne Geld. Er eifert daher gegen alle Institute, durch welche man die Juden bekehren will, während man für die Bekehrten Nichts habe. Er freut sich, daß die Pforte ein Fetwa erlassen, es stände Jedem frei, sich zur christlichen Kirche zu bekennen, es sei dies ein Schritt weiter zur religiösen Toleranz. Diese religiöse Toleranz ist manchem christlichen Staate zu wünschen, der zwar den Uebertritt zur christlichen Kirche gestattet, aber nicht von ihr. Endlich bittet er noch um. Geld, um Schulen anzulegen für „die Schafe aus dem Hause Israel". Da das Bisthum in Jerusalem schon eine schöne Summe konsumirt hat, so scheinen die Juden in der heil. Stadt sehr theuer zu sein.'—Wann wird die Zeit erscheinen, wo man alle religiösen Bewegungen dem Geiste selbst überläßt, und keine äußeren Hebel dazu anlegt? —; - Frankfurt am Main, 10. Januar Am 26. Dezember wurde unter großer Begleitung Herr Aaron Moses Fuld bestattet. - Aus Württemberg, tm Sammr. ' (tyxmt' mitth.) Wir tragen kein Bedenken,: Ihnen beifolgenden Artikel „über jüdische Bettler", wie er in der schwäbischen Kronik No. 333 enthalten ist, zu übersenden, um ihm durch Ihr geschätztes, vielgelesenes Blatt die weiteste Verbreitung in jüdischen Kreisen zu verschaffen, da das für-die israelitischen Gemeinden Württembergs hier Gesagte sich überhaupt für alle israelitischen Gemeinden paßt.Es wäre endlich einmal' Zeit, daß auch die. jüdische Presse mit aller Energie dem Bettelunwesen ein Ende mache. Es würden nicht allein die Gemeinden einer schweren Last überhoben, sondern auch die Bettler selbst auf einen moralischem Weg gebracht; denn das ist bekannt, daß sich die polnischen, russischen und ungarischen Bettler mit lauter Lüge durch Deutschland bringen. , Der Artikel lautet: „Zu einer Zeit, in welcher sso viel über Pauperismus und Proletariat verhandelt und geschrieben wird, erachtet es Einsender für geeignet, einen Gegenstand zur Sprache zu bringen, .'der die israelitischen Gemeinden bisher schwer drückte und einer günstigen Gestaltung des Armenwesens bei.denselben sehr hindernd in den Weg trat: ich weine die Bettelei, wie sie zwar schon seit urdenklichen Zeiten, besonders aber seit einigen Jahren von jüdischen Bettlern aus Polen, Rußland, Ungarn und dem. Elsaß im württembergischen Vaterlande auf's Schwunghafteste getrieben die israelitischem Gemeinden schwer-belastet, die Ortsarmen benachtheiligt und den Mildthatigkeitssinn der Israeliten unverzeihlich mißbraucht. Es ist diese jüdische Bettelei der Ueberbleibsel einer traurigen Vergangenheit, in welcher die Staaten.mm Juden und ihre inneren Zustände unbekümmert, diese ihrem eignen Schicksale überließen und es duldeten, daß eine Menge - heimathloser Individuen, die .von Jugend auf - nichts Anderes wußten, als mit dem Bettelstab bte Welt zu durchziehen und von demAlmosen ihrer Brüder zu leben, in den deutschen Ländern ihr Unwesen trieb. Die. Gemeinden lehütensich nicht gegen deren-Unterstützung auf, theils. aus. religiösen Gründen (man hielt es in Folge einer unrichtigen Auffassung für ein Religionsgebot, Jedem-zu geben,, der. nur fordert, ohne Rücksicht darauf, ob . der Unterstützte: es verdient), theils' aus Mitgefühl für diese Unglücklichen, unter denen sehr viele Heimathlose waren, theils aus Furchtvon ubelen Nachreden bei anderen israelitischen Gemeinden, und endlich, deshalb. , weil die Polizei den Bettel unter den' -Juden gänzlich unbeachtet ließ und jede Klage um Abänderung zurückgewiesen , worden - wäre. In dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts änderte sich dieser Zustand um ein Bedeutendes'.' Je wehr die deutschen Staaten auf geordnete Zustande unter den Israeliten dran-