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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-31 · Heft 6 (31.1.1848) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 6 (31.1.1848)
Date
1848-01-31
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 innere Zusammenhang zwischen den Religionen der Zeiten und den Phasen der Gesellschaft, 9) die Begründung der Religion der Gesellschaft im Mosaismus und ihre Entwickelung, 10) die nächsten Aufgaben der Gegenwart. Das besondere Resultat aller dieser Untersuchungen ist: die Stellung der durch den Mosaismus verkündeten, durch dasJudenthum erhaltenen religiösen Idee zur Menschheit, zur Vergangenheit und Zukunft der Menschheit zu eruire n. Seit Dezennien hat man, auf der Grundlage der Propheten, ausgesprochen, daß dasJudenthum dasjenige als Kern enthalte, was für die Menschheit dereinst die allgemeine Religionslehce sein werde. Aber man hat dies selbst nicht naher angegeben und bestimmt. Oder man hat an Nichts als an den Monotheismus gedacht, man hat lediglich die Lehre von einem einzigen Gotte ohne weitere Konsequenzen als diesen Inhalt anerkannt, und die Richtung der Prophetie einseitig auffassend, diese Lehre in der Weise des Christenthums alles Andern entkleiden wollen. Damit ist aber dem Mosaismus der innerste Nerv zerschnitten, damit ist der religiösen Idee alle Konsequenz abgebrochen. Der Mosaismus geht von Gott aus, geht von diesem zur Gesammtheit über, und begreift das Individuum nur aus dieser Gesammtheit heraus. Jene aber kennen nur Gott und das menschliche Individuum; sie springen von Jenem, in dem doch die Gesammtheit beruht, zu Diesem ohne Weiteres als eine idealistische Verbindung durch das jenseitige Leben. Durch die Auffassung, die ich in den vorjährigen Vorlesungen dargestellt, in der diesjährigen ausgeführt habe, verschwindet dieses Halbdunkel, in welchem man mehr geahnt als gewußt, kommt der Mosaismus zu seinem Rechte wieder, und erscheint in seiner fortschreitenden Entwickelung als Grundgedanke. der ganzen Menschengeschlechtlichen Entwickelung. Damit ist aber auch die Existenz des Judenthums, damit die zukünftige Aufgabe der Judenheit erklärt. Zeitungsnachrichten. Großbritanieo. London, 15. Januar. Sir Robert Jnglis verlangte für das Land Zeit, um seinen Unwillen über die Zulassung der Juden in das Parlament auszusprechen. Allein die Versammlungen, in welchen Bittschriften zu Gunsten der Juden beschlossen werden, sind zahlreicher und bedeutender, als die , in welchen der alte Geist der Ausschließung herrscht. Auch in' Southwark ward eine solche Versammlung gehalten, in welcher einmüthig beschlossen wurde, sich sowol für die Juden, als für die Wahl Rothschilds auszusprechen. Die Stimmung, daß der Staat nur über die Pflichten zu wachen habe, welche er selbst auferlegt, und nicht hineindringen dürfe in jenes Heiligthum des Herzens, wo der Mensch mit seinem Schöpfer allein ist, zeigte sich allgemein. Am Schlüsse trat ein Jude auf, Herr Keyzor, und erwarb sich Beifall durch die volksthümliche Weise, in welcher er die gegen die Juden geltend gemachten Gründe zu entkräften suchte. Er hätte eine zahlreiche Familie, sagte er, und es wäre das tägliche Gebet seiner Kinder, daß der Allmächtige dieses christliche Reich segnen möge; wenn er fände, daß einer seiner Söhne Feindseligkeit gegen die protestantische Religion hegte, so würde er ihm die Reitpeitsche geben. (Hört! und Gelächter.) Er sei britisch geboren und habe seine Steuern lange Jahre ohne Murren bezahlt; aber er fühle sich gekränkt, daß er wie ein Fremdling behandelt werde.' Er sei bereit, zu den Küsten des britischen Volkes zu gehen und jeden Franzosen anzugreifen, welcher zu landen versuchen möchte. (Beifall und Gelächter.) Auch in Edinburgh, wo das Christenthum doch gewiß ernst und strenge genommen wird, hat man einen Beschluß für die Juden gefaßt. —. Die Protektionisten haben an Lord George Bentinck ein Schreiben gerichtet, worin erklärt wird, daß sie wegen ihrer beiderseitigen Meinungsverschiedenheit über die Juden- und Katholikensragen es ablehnen müssen, länger unter seiner Führung zu bleiben. (So ist es ewig wahr, daß der Geist der Beschränkung sich niemals auf einem einzelnen Gebiete hält, sondern derselbige ist überall, wo es freie Bewegung gilt.) —. Als jüngst der Dr. Hampden zum Bischof geweiht wurde, mußte nach altem Gebrauch ein Älderman der City als Zeuge zugegen sein; zufällig traf diese Funktion auf — den jüdischen Alderman Salomons. —. Nach Lord I. Russell's . Bill sollen Juden, wenn sie in's Unterhaus eintreten, folgenden Eid leisten: „Ich N. N. gelobe und schwöre feierlich, daß ich

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