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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-31 · Heft 6 (31.1.1848) · p. Seite 78

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 6 (31.1.1848)
Date
1848-01-31
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
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78 daher über die Gesellschaft. Aus dieser Stellung ging hervor, daß sie mit der Gesellschaft Ln unaufhörliche Reibungen! geriet^ daß bald der Staat von der Kirche, bald die Kirche'vom Staate beherrscht ward, und mit großen Kämpfen emanzipirt werden mußte, daß sich die verschiedenen Religionen und Kirchen auf's Furchtbarste befehdeten, und so die verderblichsten, hemmendsten Wirkungen auf die Gesellschaft hervorgerufen wurden. Die bisherige Auffassung der Religion muß demnächst eine fehlerhafte sein, da durch sie die Religion für die Gesellschaft als Solche Nichts wirken konnte, und die bisherige Stellung der Religion muß eine fehlerhafte sein, da durch sie die Religion für die Gesellschaft als Solche nur Verderbliches wirkte. Die nothwendige Folge hiervon ist wieder, daß die Religion diese ihre Auffaffung und diese ihre Stellung geradezu mit einander vertauschen muß. Sie muß statt eine Religion des Individuums zu sein, eine Religion der Gesellschaft werden; die Religion muß aus ihrer Spaltung mit der Gesellschaft gelöst, aus ihrer blos idealen Sphäre in die wirkliche der Gesellschaft verpflanzt werden; sie muß die allein wahren Grundgesetze der Gesellschaft verkünden; das, was sie als die Moral des Individuums ausgestellt, auf die Gesellschaft ausdehnen; sie muß die Gesellschaft als ein göttliches, in Gott beruhendes Institut, die Gesellschaftlichkeit als das höhere Element des.Menschen lehren, und so das Individuum aus seiner Sonderstellung herausheben und in die Gesellschaft aufgehen machen. Verfolgen, wir den geschichtlichen Verlauf der religiösen Entwickelung, so sehen wir, daß die religiöse Idee bei ihrem Erscheinen im Mosaismus dies vollständig enthalten, dies als die Aufgabe der Religion hingestellt hat. Der Mosaismus, nachdem er alle Menschen aus einem Paare entspringen läßt, und alle Menschen aus einem Ursprünge herleitet, die Gesellschaft von Gott instituiren laßt (1 Mos..2, 18.) und die Individualität für schlecht erklärt (Geschichte Kajin's), Gott die Gesammtheit repräsentiren läßt, und fordert, daß das Individuum, das an sich freie, in das Gebot dieses Gottes aufgehe, der Mosaismus erkennt Religion und Gesellschaft für identisch, der religiöse und soziale Mensch sind ihm nicht getrennt; der Mosaismus begreift die Nation alsdie organische Gesammtheit ('rt bnp; innerhalb der Nation vollständige Gleichheit, sowol Rechtsgleichheit, als auch möglichste Ausgleichung des Besitzes trotz völliger Unverletzlichkeit des Eigenthums, theils durch gleichen Antheil am Grundbesitz, Unv.eraußerlichkeit hes Familiengrundbesitzes, theils durch Verhinderung des Geld- und Schuldenwesens vermittelst des Zinsverbotes und wiederkehrenden Schuldenerlasses. Der Mosaismus fand aber im israelitischen Volke dieselben Hindernisse wie bei der ganzen Menschheit an dem Menschlich-Natürlichen, das ist der Individualität. Er gab im Voraus nur den Stoff der höchsten naturgemäßen Entwickelung des Menschen. Daher spaltete sich sofort Lehre und Leben, Religion und Gesellschaft durch die Propheten, und es erstand die Religion der Individuen durch diePsalmisten, Hiob rc. Es galt zuvor die Lehre im jüdischen Volke siegen zu machen. Als dies geschehen, trat diese Lehre in die Menschheit hinaus, und suchte in dieser das Heidenthum zu überwinden. Dies geschah nicht, ohne daß sie heidnische Elemente in sich aufnahm. Daher in der Menschheit durch Mittelalter bis zur neuesten Zeit der Kampf, diese Lehre zu reinigen, zu ihrer ursprünglichen, mosaischen Reinheit zurückzuführen. Indem dies in unseren Tagen vielfach schon durchgedrungen, muß nun auch die Konsequenz dieser Lehre für die Gesellschaft, also im Leben sich wieder geltend machen, und zwar indem aus dem speziell Nationalen, in welches der Mosaismus die religiöse Idee gekleidet, das allgemein Menschliche in den ewigen Grundgesetzen der Gesellschaft heraustritt. Dies ist die Religion der Gesellschaft. Ich habe in Diesem nur sehr kurz und oberflächlich angedeutet, was das Thema meiner diesjährigen Vorlesungen ist. In denselben habe ich diesen ganzen Gedanken in allen Details durch die Geschichte der Religionen und die Geschichte der Gesellschaft hindurchgeführt. Indem dieselben in wenigen Wochen in der Baumgärtnec'schenBuchhandlung erscheinen werden, habeich die Veranlassung, meine gesch. Leser auf diese Ausführung aufmerksam zu machen. Dieselben sind demnach die direkte Fortsetzung meiner vorjährigen Vorlesungen, die unter dem Titel „die Entwickelung der religiösen Idee im Iudenthume, Christenthume und Islam" erschienen, und sich in kurzer Zeit einen so weiten Kreis der Theilnehmenden gewannen. Ich gestatte mir daher nur, noch den Inhalt der diesjährigen Vorträge hier anzugeben: 1) Das bestehende Verhällniß der Religion zur Gesellschaft, 2) die Religion der Gesellschaft, 3) die bestehende Gesellschaft, 4) die religiöse Gesellschaft, 5) die Gesellschaft des Alterthums, 6) die Gesellschaft des Mittelalters, 7) die Gesellschaft der neuern Zeit, 8) der

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