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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-24 · Heft 5 (24.1.1848) · p. Seite 68

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 5 (24.1.1848)
Date
1848-01-24
Page
Seite 68 (sequence 8)
Language
German
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68 üben. Hier aber, bei uns, ist gewissermaßen der Zwang gegen die andere Seite, man will die Masse zwingen, ihn als Juden zu betrachten. Daß sie sich hiegegen kund giebt, kann man ihr nicht verdenken, und wäre es nur zu wünschen, daß es in geeigneter Weise geschehe. — Eine andre Frage ist es, hat Herr Dr. Einhorn recht gehandelt? Ich begreife seine schwierige Stellung, würdige diese allseits, muß aber doch zuletzt gestehen, daß seine Verfahrungsweise mir nicht gebilligt erscheint. Es frägt sich: sollte er das Kind ausschließen? sollte er vom Standpunkte seines theologischen Wissens und Gewissens die Ausschließung befehlen? Wir sagen: Nein! Denn man vergesse die schwierige Sache nicht: wen soll er ausschließen? Das Kind? Was weiß das von der ganzen, über seine Wiege erhobenen Streitfrage? Es ist unschuldig und schuldlos. Die Eltern? Nun, die sind doch Juden, der Vater ist beschnitten also faktisch Jude. Aber mußte der Aerr Dr. E. darum alsbald die Einsegnung und Namengebung anbefehlen? mußte er nicht zuvor alle geistlichen Mittel der Belehrung und Ueberredung anwenden, um die Eltern dazu zu bestimmen, nicht die Hand an die letzte Form, an das letzte Band der Glaubensgenoffenschaft zu legen? Hätte alles dies nicht gefruchtet, so konnte er öffentlich alle seine Bemühungen darlegen, konnte seinen Schmerz über die Fruchtlosigkeit aussprechen, und sagen: ausschließen kann ich aber das aus dem Samen Abrahams geborneKind nicht, es ist dies mein Recht nicht, hier spricht die Religion selbst ein andres Wort! — Ich bedaure tief, daß Herr Dr. Einhorn so nicht gehandelt, wahrscheinlich aus seiner Ansicht heraus so nicht verfahren ist (so viel ich weiß), und dadurch ein öffentlicher Skandal bewirkt worden, der dem Judenthume viel schadet, und ihm selbst seine zukünftige Wirksamkeit untergraben hat. — Daß dieser Streit auch in die christliche Welt gedrungen, wissen Sie, und die Rostocker Zeitung hat viel Uebles darüber gebracht. Auch das Urtheil der christlichen Welt ist sehr verschieden, und Viele stehen auf der Seite der jüdischen Masse. —et. Hamburg, 12. Januar. (Privatmitth. Von unserm zweiten Korresp.) Der ungünstige, von vielen mit sanguinischen Hoffnungen Erfüllten, nicht erwartete Ausgang der Berathungen des Kommerziums, in dessen Folge die Juden wieder unten bleiben, wie der verstorbene Heine sich ausdrückte, ist Ihnen ohne Zweifel schon von hier aus gemeldet worden. In vielen Kreisen hat er Betrübniß, in vielen anderen sogenannten hyperorthodoxen Kreisen aber — leider muß ich es sagen — hat er Jubel erregt, und mit Hohn sehen jene Frommen auf die sozial-politische Vereinigung, nicht begreifend, daß das Gute nicht minder gut ist, wenn es auch nicht von Erfolgen gekrönt wird. Wahrlich, jener Verein läßt es sich sauer werden, zuvörderst Lheilnahme zu wecken, und dann diese Lheilnahme zu nützen, und wenn nach unsrer Meinung auch mitunter Mißgriffe geschehen, ist doch der Eifer namentlich Einzelner schon anerkennenswerth. Aber in Betreff der Judenfrage ist Hamburg ein Augiasstall, den die Gesellschaft noch lange nicht reinigen wird. Zwei Schlappen hat sie erlitten, eine bei der Beschneidungsfrage, indem sie dagegen war, während ihre eifrigsten Mitglieder den Aktus an dem eignen Kinde vornehmen und also noch orthodoxer sind als orthodox, wodurch sie sich der Inkonsequenz schuldig machte, und ferner bei dieser Kommerziumsfrage, in welcher sie — zum großen Aerger der Orthodoxie, mit der sie es nun auch ganz verdorben hat, die Kaufleute veranlaßte, am Sonnabend abzuschreiben. Hoffen wir, daß diese Niederlagen den Eifer nicht erkalten' lassen. — Sehr zu wünschen steht, daß sie die Angelegenheiten des jüdischen Schulwesens wieder in den Kreis ihrer Tätigkeiten ziehe, denn hier istein fruchtbarer Wirkungskreis. Die Talmud Lora soll restaurirt — nicht reformirt werden; leider siegtauch hier die'Hyperorthodoxie; man hat dem bisherigen, Direktor, einem Christen gekündigt, um einen andern — christlichen — Direktor anzustellen, weil ein jüdischer nicht hyperorthodox genug wäre und dazu einen Mann gewählt, der bisher als Schulmann gar Nichts geleistet hat, sich nur mit der Herausgabe der sogenannten „Hamburger Lesefrüchte" beschäftigte, und doch erfordert gerade die Talmud Tora einen energischen, tüchtigen Schulvorsteher, der es versteht, hier eine ganz andere Leitung in Gang zu bringen, und die Anstalt, welche von 200 Kindern besucht wird, aus ihrer Verwahrlosung herauszureißem Hier ist ein großes Unrecht gut zu machen, denn viele Kinder werden um ihre Jugendzeit betrogen! Oder haben die Kinder der armen Orthodoxen nicht auch das Recht, Etwas zu lernen?-— Die Redaktion des „Phönix" erleidet zu Ostern

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