Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 5 (24.1.1848)
- Date
- 1848-01-24
- Page
- Seite 67 (sequence 7)
- Language
- German
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67 Art und Weise, auf welche die öffentlichen Blätter aller Farben den Hergang der Feier und ihre Veranlassung bis in's mindeste Detail referirten; diese und andere Umstände berechtigen uns zu der Hoffnung, daß die Idee, die dem ganzen Unternehmen zu Grunde lag und die von den Rednern hervorgehoben wurde, das allmalig bewirken werde, was keine materielle Kraft vermag — die grausen Klippen des Vorurtheils zu sprengen, die unübersteigbarer als die steilsten Gebirge Norwegens, noch immer die Juden von jenem Lande ausgeschlossen wissen wollen. —n. Deutschland. Aus Mecklenburg-Schwerin, 12. Januar. (Privatmitth.) Der Korrespondent dieses Blattes, welcher das mehrerwähnte Beschneidungsreskript nach seiner ganzen Ausdehnung mittheilt, hat in jener Stelle, wo von einem ehemaligen Beth-Din die Rede ist, das bedeutsame Wörtchen „fürther" ausgelassen, wie er denn seiner Tendenz überhaupt durch Verschwiegenheit dienen zu wollen scheint, indem sein halbes Zitat ausAbot 3, 15 nur ganz gemacht werden darf, um das Gegentheil von dem zu beweisen, was bewiesen werden soll; denn gerade dort wird der Zerstörer des abrahamitischen Bundessiegels auf ein und dieselbe Linie mit dem gestellt, welcher das Heiligthum entweiht, <die Festtage schändet, seinen Nächsten öffentlich beleidigt und die Worte der Tora verdrehet. Im Uebrigen bedürfen die Einwände des Referenten für den Sachkenner natürlich keiner Widerlegung, und will diese Entgegnung nur zeigen, wie man von gewissen Seiten her im Kampfe gegen die Unterlassungssünde der Unbeschnittenheit sich nicht scheut, durch Beschneidung gewisser mißliebiger Stellen Auslassungssündcn zu begehen. Möchte man doch wenigstens da, wo es sich lediglich um ein wissenschaftliches Faktum handelt, solche Schleichwege aufgeben und lieber ganz schweigen, als durch Verschweigen sich zu helfen suchen l Aus Mecklenburg-Schwerin, 13. Januar. (Privatmitth.) Wir wissen es Ihnen Dank, daß Sie in der A. Z. des Jud. den Streit, der die hiesigen Israeliten jetzt stürmisch bewegt, unparteiisch sich aussprechen lassen, und jeder Partei das Wort leihen. Es laßt sich in unsrer Zeit nun einmal weder durch > Verschweigen, noch durch irgend eine Autorität, sei es auf dieser, sei es auf jener Seite Etwas machen, sondern es heißt überall: sprich, und wehre Dich! Noch nie waren aber die Juden M.'s so aufgeregt, wie durch die Beschneidungsangelegenheit. Ich selbst bin nicht der Mann, um die Sache theologisch beurtheilen zu können, aber eine Meinung mir zu bilden, fühle ich mich befähigt, und dieser gestatten Sie wol eine bündige Aussprache. Ob Herr Dr. Einhorn Recht hat, wenn er sagt, daß talmudisch der Unbeschnittene dem gleich steht, der den Sabbat entheiligt k., oder nicht, weiß ich nicht zu entscheiden, und begnüge mich hierin. Nur will es mich bedünken, daß hierin in solchen Deduktionen, die Antitalmudisten eben nicht anders sind als talmudisch sind, sich an den Buchstaben hängen, und das Leben nicht befragen. Sehen wir auf dieses, so zeigt es sich, daß die Beschneidung wirklich noch die einzige und letzte Form ist, durch welche die Eltern sich dazu bekennen, ihre Kinder in den religiösem Bund Israels einzuweisen, und sie in ihm erziehen zu wollen. Ist auch diese Form gefallen, so ist das Judenthum wirklich nur eine Negation der christlichen Kirchen, so ein Stück neutraler Boden, auf welchen man die Kinder stellt, und ihnen sagt: nun gehet hin, wohin ihr wollet, und zerstreuet Euch unter die Völker. Daß hiermit aber jedwede Verbindung, jedes Lebensmoment aus dem Judenthume gewichen, und es der Vernichtung willenlos hingegeben ist, das stehet selbst der Blinde ein. Wahrlich, ich lege auf den Inhalt, auf die Lehre des Judenthums mehr Gewicht, als auf alle Formen. Allein wir leben nimmer vom Geiste allein, und die Menschen sind nur in geringer Zahl Prinzipienmenschen, für die ein Prinzip ein volles lebendiges Band ist. Auch mich will es daher bedünken, als ob mit der Beschneidung die letzte Sichtbarlichkeit des Judenthums falle, und kann daher nur dem Instinkte der Masse da ein Recht geben, auch mir will die Unterlassung der Beschneidung an einem Kinde, außer wenn Lebensgefahr vorhanden ist, wie ein freiwilliger Austritt aus der Gemeinschaft des Judenthums erscheinen, und kann es der Masse nicht verdenken, wenn sie den Unbeschnittenen, der das letzte 4000jährige Zeichen des Judenthums zurückweist, nicht als zu ihr gehörig betrachtet. Ein ganz Anderes war es in Breslau, Frankfurt, Hamburg; hier wollte man den Staat zur Hilfe rufen, und sofortigen Zwang-