Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 5 (24.1.1848)
- Date
- 1848-01-24
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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65 London, 6. Januar. Zum Besten einer jüdischen Freischule, in welcher gegen 60 Knaben erzogen werden, ward gestern ein Ball gegeben, auf welchem Alderman Salomons, Baron Meyer Rothschild, Lord Grosvenor und andere angesehene Männer zugegen waren. Die strahlenden Augen der hebräischen Mädchen, sagt die Times, nahem sich am Meisten unter Allem, was unser nördlicher Himmel darbietet, unseren Vorstellungen von morgenländischen Houris. Die Anordnungen waren vortrefflich; es herrschte eine ungezwungene Heiterkeit, und der Ball wird ohne Zweifel nächstes Jahr erneuert werden. . .. Ztaliem Turin. Der Marchese d'Azeglio hat dem Könige eine Bittschrift um „Emanzipation der Juden" überreicht. Unter den Unterzeichnern derselben sind vier Bischöfe. Nom. Der Köln. Ztg. liefert ihr Korresp. aus Rom ebenfalls den Text der 35 „Forderungen des römischen Volkes", und macht Bemerkungen dazu^ Zur 12ten, der „Emanzipation der Juden", bemerkt er: Auch in dieser Beziehung regt sich der Geist des Jahrhunderts in Italien, und das gemeine Volk spricht jetzt eine solche Bitte aus, nachdem vor wenig Monaten die Absicht des Papstes, die Juden aus dem Ghetto zu entlassen, eine der Hauptursachen jener Aufregung des Volkes war, welche hier den Tagen der Juliverschwörung voranging. Vor einigen Tagen wurde im Circolo Romano ein Jude in den Vorstand gewählt. Schweden und Norwegen. Stockholm, im Dezember. (Privatmitth.) Findet Ihr geschätztes und weit verbreitetes Blatt schon überall, wo reger Sinn für die Interessen unsrer heiligen Religion herrscht und wo Erzielung bürgerlicher und politischer Gleichstellung mit unseren christlichen Brüdern angestrebt wird, die geziemende Anerkennung, so ist dies nicht minder hier im hohen Norden der Fall. Auch hier begrüßen wir mit freudiger Theilnahme das Organ, das die religiösen und politischen Zustände unserer Glaubensgenossen selbst in den entferntesten Welttheilen nicht unbeachtet und unbesprochen läßt. Befremden muß es uns daher, daß die jüdischen Zustände Schwedens nur spärlich in Ihrem geschätzten Blatte Erwähnung finden, umso vielmehr als ein so wichtiges Ereigniß wie das, „daß die schwedischen Juden an Se. Maj. den König um völlige Gleichstellung mit den Bekennern der Staatskirche petitionirt" eine detaillirtere Besprechung verdient, als die, welche ihm in No. 28 der A. Z. des Jud. in einem der Augsb. Allg. Ztg. entnommenen Bericht zu Theil ward. Erlauben Sie uns. daher, Ihnen den Hergang der Sache etwas ausführlicher mitzutheilen. Nachdem auf Veranlassung einiger jüngeren Mitglieder der hiesigen Gemeinde am Ende vorigen Jahres eine Generalversammlung berufen wurde und dieselbe mit Akklamation den Beschluß gefaßt: es sollen die Gemeinden zu Gothenburg, Norrköping und Karlskrona aufgefordert werden, gemeinschaftlich mit der hiesigen Versammlung bei Sr. Maj. dem Könige zu petitioniren: Allerhöchstderselbe möge bei den am Schluffe dieses Jahres zusammentretenden Reichsständen eine völlige Gleichstellung seiner jüdischen Unterthanen bevorworten — wurde sofort die Zustimmung der erwähnten Gemeinden eingezogen, und die Bittschrift, die in No. 1 und 2 des in Hamburg erscheinenden „Phönix" in wortgetreuer Uebersetzung abgedruckt ist, dem Justitiendepartement übergeben. Bald nachher wurde die Petition an das Kommerzienkollegium remittirt und dessen Votum eingefordert. Dieses Kollegium schrieb sofort an die schwedischen Konsuln in London, Paris, Amsterdam, Antwerpen, Hamburg, Berlin und Kopenhagen, sich über die Stellung und Verhältnisse der Juden in England, Frankreich u. s. w. erkundigend, um auf diesen Berichten sein Gutachten zu begründen. Auch von dem Oberstatthalter (Zivilgouverneur) in Stockholm, so wie von den Landeshauptmännern in den Provinzen Dstgothland, Blekinge und Gothenburg wurden durch erwähntes Kollegium ähnliche Begutachtungen eingefordert. Sämmtliche Berichte und Gutachten sind nunmehr eingegangen; auch das Kommerzienkollegium hat sein Votum abgegeben, und wenn auch, besonders in den auswärtigen Berichten, sich hier und dort einige mittelalterliche Reminiszenzen eingeschlichen, so ist doch das für uns ganz besonders wichtige Gutachten des Kommerzienkollegiums im Geiste der Liberalität und Humanität abgefaßt, so wie überhaupt bei einer Kol-