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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-24 · Heft 5 (24.1.1848) · p. Seite 64

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 5 (24.1.1848)
Date
1848-01-24
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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64 denke, kein Mensch habe das Recht, vorschnell in die Schicksalsräder eines ihm anvertrauten Wesens zu greifen, und meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß durch eine frühzeitige Laufe Eltern ihren Kindern sehr oft störend bei ihrem spatem Leben in den Weg traten. Es giebt Fälle, wo der Getaufte ferner in den früheren Verhältnissen bleibt, und sich nun von seinen Glaubensgenossen, zu denen er sich hingezogen fühlt, kalt behandelt sieht, während er sich unter seinen neuen Glaubensbrüdern ebenso wenig heimisch fühlt; kommt dann noch zum Unglück die Neigung für eine Israelitin dazu, so tritt der Fall ein, den ich erst in neuester Zeit erlebte, wo der junge Mann der Stunde fluchte, in der seine Eltern sich aus übergroßer Besorgniß vermaßen, dem Schicksal vorgreifen zu wollen, und eben dadurch sein ganzes Lebensglück zerstört hatten." — „Und blicken wir in's Innere, so tritt uns das Bild eines gänzlich zerrissenen Familienlebens entgegen; es müssen die Eltern oft froh sein, wenn sie nicht von den Kindern verleugnet werden; denn wo das Materielle so sehr die Oberhand hat, daß heiligere Interessen ganz in den Hintergrund treten, da regt sich später der Materialismus, indem er das Heilige ganz verdrängt. Eltern, die ihre Kinder taufen lassen, ohne selbst diesen Schritt zu thun, bringen sich ja selbst um jede religiöse Gemeinschaft mit diesen, und welch eine Quelle von gemüthlichem Zusammenleben geht da schon gleich verloren. Die Kinder wachsen nun heran, und sollen die Früchte ihres Uebertrittes zur herrschenden Kirche nicht für sie verloren sein, so muß mit Eifer danach gestrebt werden, ihren Umgang in einem andern Kreise zu suchen, als in dem, in welchem die Eltern sich bewegen; dies mißlingt nur zu oft, denn das Taufwasser hat leider weder die Kraft, die orientalischen Physiognomien wegzuwaschen, noch vermag es die Sprache der Täuflinge so zu verändern, daß sie ihre Abstammung nicht verrkethe, und so flattern denn diese armen Geschöpfe im geselligen Leben gleich Zwitterwesen zwischen beiden Parteien umher. Die tausend Konflikte aber sind gar nicht zu schildern, die bei herannahendcr Konfirmation, bei dem Abendmahl u. dgl. für ein israelitisches Elternpaar entstehen." — Erlaube mir nur noch folgende Stelle hknzuzufügen: „Was Du über die Ehrfurcht vor denen, die aus wirklicher religiöser Ueberzeugung übertreten, sagst, theile ich ganz; nur bin ich der Meinung, daß ihre Zahl viel geringer ist, als die Christen glauben, und in den meisten Fällen Heuchelei die weltlichen Gründe verschleiert. Es ist ganz eigen, daß so Wenige unter den Christen es mitfühlen, wie fast unmöglich es ist, an die Grundlehren des Christenthums zu glauben, wenn man ihre mystische Deutung nicht mit der Treue und Hingebung des Kindes schon in sich ausgenommen. — Die Christen vergessen ganz, daß man, um einen neuen Glauben in einem reifem Alter anzunehmen, Etwas prüfen und beeidigen muß, worauf man bei ihnen bis zu dem Tage ihrer Konfirmation zu diesem Zwecke hinarbeitet, und zwar in dem Alter, in dem der Glaube an. alles Wunderbare leicht Wurzel in dem erregbaren Herzen faßt. Hat doch selbst chie Physiognomie der Israelitin schon ein entschiedenes.festes Gepräge, das ihr durch den klaren bestimmten Glauben an die unbezweifelte Einheit Gottes eine große Verschiedenheit von den dämmernden, schwärmerischen Zügen der gläubigen Christin verleiht." — Man kann es nur freudig anerkennen, wenn so der weibliche Theil unserer Glaubensgenossen an seiner eigenen religiösen - Ueberzeugung arbeitet — die schärfere Weise, in welcher der Mann die religiöse Lehre auffaßt, sagt dem Weibe oft nicht zu, ist wenigstens nicht so geeignet, in das Heiligthum eines weiblichen Herzens tiefer einzudringen.- Zeituugsnachrichten. Großbritauieu. London, 5. Januar. Die jetzt veröffentlichte Bill wegen Emanzipation der Juden verfügt in der Hauptsache nur die nöthige Abänderung in der Formel des von den Parlamentsmitgliedern, Beamten u. s. w. zu leistenden Eides. Zugleich aber schließt sie die Juden von der Regentschaft des Reiches, von allen kirchlichen und Universitätsämtern und von denAemtern des Lordkanzlers, des Geheimen Siegelbewahrers, des Lordlieutenants von Irland und des Lord Kommissärs bei der schottischen Kirchenversammlung aus, so wie sie denn auch weder direkt noch indirekt die Krone in kirchlichen Angelegenheiten sollen berathen dürfen und die Ausübung ihrer kirchlichen Patronatsrechte dem Erzbischöfe von Canterbury überlassen müssen.*) *) Wir werden den Text nachliefern. Redakt.

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