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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-24 · Heft 5 (24.1.1848) · p. Seite 63

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 5 (24.1.1848)
Date
1848-01-24
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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63 bie t)$ct das zum klaren Bewußtsein erwachte Kind schon auf der Kinderstube; die begegnen ihm, noch verwundender, in der Schule. — Ach, könnte ich schildern, wie es dem armen, israelitischen Mädchen — denn nur von diesem will ich reden — bei dem kalten mißtrauischen Blicke zu Muthe ist, der es von allen Seiten trifft! Es fühlet, wie schwer es ihm werden wird, sich Gerechtigkeit zu verschaffen; es erkennt, wie es doppelt fleißig sein müsse, wenn der treue Lehrer, bei irgend einer Anerkennung, die er ihm zu Theil werden läßt, von den kaltgesinnten Mitschülerinnen nicht bespöttelt werden soll. — Daher die intellektuelle Bevorzugung. Früh schon fühlen wir es, daß wir selbst die geringste Anerkennung nur durch ungewöhnliche Leistungen abgewinnen können, und dies spornt uns zu festem, ausdauerndem Fleiße. Ich will Dir hier nur die Schattenseite des weiblichen Lebens heute zeigen, denn gerade von diesem Gesichtspunkte aus ist selten der Schleier gelüftet worden, der die vielen Wundmaale unserer Leiden dem Auge der lieblosen Welt verhüllt. Schon in der Schule zeigen sich die Parteien im gehässigen Lichte; denn ein Kind, das einen festen, geraden Weg geht, und seinen christlichen Mitschülerinnen am Ende dennoch durch Fleiß und gutes Betragen einige Achtung abgewinnt, hat einen noch viel schwierigecn Kampf mit den Kindern der sogenannten Getauften zu bestehen. Diese neugebackenen Christen glauben das, was ihnen an altem- Adel abgeht, durch ^vie schnödeste Verleugnung ihrer früheren Genossen ersetzen zu können, und von diesen Ueberlauferinnen Haben namentlich die armen Jüdinnen am Meisten auszustehen. — So vergeht unser Mädchenalter; wir werden früh gegen das Unheil der Welt gestählt, und hat uns die Liebe des Allerbarmers mit geistigen Anlagen für dies Weh zu entschädigen gesucht, so pflegen wir Kunst und Wissenschaft, und treten mit einem reichen und dennoch resignirenden Innern in's Iungfrauenalter. — Das aber, theure Freundin! ist das Quälendste dieses Verhältnisses, daß wir immer zwischen Stolz und Demuth umhergeworfen werden; nähert sich uns eine Christin, so ist die alte Erfahrung da, und flüstert uns zu, dies Entgegenkommen abzuwarten, um nicht zu rasch wieder verlasien zu werden; dadurch machen wir oft zu große Ansprüche. Andrerseits fliegen Viele ihren christlichen Mitschwestern auf halbem Wege entgegen, und haben dann oft große Demüthigungen zu ertragen. Ich fühle bei all diesen und ähnlichen Erscheinungen viel weniger, als die Meisten meiner Glaubensschwestern, weil ich mich auf dem Standpunkte befinde, daß ich Demüthigungen, die aus den erbärmlichen Quellen eingesogener Vorurtheile entspringen, nur demüthigend für den Urheber derselben finde. Es wird mir diese Ansicht oft als ein Uebermaß von Stolz ausgelegt, ich glaube aber, Du, meine theure Amalia, wirst mit mir fühlen, daß ich mich nicht gekränkt fühlen kann, wenn Menschen, die mich und mein Wesen gar nicht kennen, mich nur deshalb von sich weisen, weil sie in meinem Glauben ein Hinderniß finden. Dieser Glaube in feiner Reinheit ist das Heiligste, Ehrwürdigste für mich; soll ich denn da nicht über die Kurzsichtigkeit lächeln, die etwas angreifen, das sie gar nicht kennen? — Sieh, meine Theure! daß ein solches Leben in seiner äußern Erscheinung ein sehr unerquickliches ist, daran haben die traurigen, verjährten Vorurtheile Schuld, und manche frische Blüte unsres Geistes wird dadurch geknickt; denn gerade der Kern der Gebildeteren unter uns beharrt in seinem Glauben, und laßt sich nicht durch äußere Vorurtheile ein Aufgeben desselben abzwingen; deshalb sollten die Christen zu ihrem eigenen Vortheile die Glaubensfesten eher aufsuchen, als die Ueberläufer; sie würden mehr Wahrheit und Treue unter ihnen finden." — Der Freund ihrer Jugend hat den trefflichen Sohn Rebekka'sder auf dem Gymnasium exzellirt, kennen gelernt, will ihn adoptiren, wenn er Iura studirt, aber — dann muß er sich raufen lassen. Rebekka weist dies von sich. Sie spricht sich in Folgendem aus: „Wir ehren und schätzen den christlichen Glauben, wir halten aber den angestammten höher, und erziehen unsere Kinder in diesen Grundsätzen. Ich glaube fest, daß die Vorsehung jedem Menschen seinen Platz auf Erden angewiesen hat, und nicht ohne innern Beruf sollen wir eigenmächtig diese Stellung verlassen. Ist unser Rudolph tüchtiger als viele andere Knaben, so verdankt er diese Tüchtigkeit zum Theil gerade seinem geschmähten Glauben, und ich würde es von meinen Söhnen für eine, ihrer unwürdige Feigheit halten, dem Kampfe mit dem Vorurtheile der Welt nicht muthig entgegen zu treten. Die reinen Lehren unsres Glaubens, entfernt von veralteten Gebräuchen, rüsten das Herz mit Kraft und Begeisterung zum Kampfe aus, und ist es uns gelungen, trotz Kälte und Zurückhaltung der Menschen, uns dennoch so manches edle Herz gewonnen zu haben, so lohnt uns das erhöhte Bewußtsein den mühsam errungenen Preis zehnfach." — Ueber das vor einiger Zeit häufig vorgekommene Taufenlassen der Kinder heißt es: „Ich

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