Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 4 (17.1.1848)
- Date
- 1848-01-17
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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'58 Zeilen der Oeffentlichkeit, hoffend, daß sie von den geehrten Lesern mit Nachsicht beurtheilt werden. Seit meinem Aufenthalte im heiligen Lande, ein Zeitraum von 15 Jahren, wo so viel des Merkwürdigen sich zutrug, war es mein eifrigstes Bestreben, mir von diesem merkwürdigsten aller Lander eine möglichst vollständige Kenntniß zu verschaffen, um vielleicht dereinst meinen im Okzidente lebenden Brüdern, die für diese Sache Interesse fühlen, dasjenige mitzutheilen, was ich mit Mühe, Anstrengung, ja sogar mit Gefahr von dem Zustande Palästinas inne werden konnte. Denn nicht ohne diese Opfer ist es möglich, ein Land zu durchreisen, das der Beschwerden so unzählige darbietet. Angefacht von dem innigsten Wunsche, zum allgemeinen Nutzen nach Kräften mein Möglichstes beizutragen, entschloß ich mich, nun die von mir gesammelten, historischen, geographischen und naturgeschichtlichen Notizen über Palästina durch den Druck zu veröffentlichen, ein Wunsch, der um so reger ward, als bisher noch kein richtiges Werk erschien, dessen Verfasser, der hebräischen und arabischen Sprache kundig, Palästina vollkommen kannte, und mit eigenen Augen sich vom gegenwärtigen Zustande desselben überzeugte. — Diesem Wunsche verdankt das nun erschienene hebräische Werk, (das von meinem Bruder H. Schwarz, Rabbiner in Hürden sBaiern) in's Deutsche übersetzt und bald dem Drucke übergeben wird) sein Entstehen. Um die Bescheidenheit nicht zu verletzen, enthalte ich mich der Schilderung aller Vorzüge meines Werkes vor ähnlichen, und erwähne blos, daß es mit des Herrn Hilfe mir gelungen, mehr als 100 neue Ortsnamen zu entdecken, die in den bisherigen Reisebeschreibungen Palästinas vermißt werden. Mein vorgestecktes Ziel zu erreichen, scheute ich kein Opfer, wenn es der guten Sache galt. Ich hatte, in einem Lande wie Palästina, wo die Presse auf einer sehr nidrigen Stufe der Vollkommenheit steht, um nur die Druckkosten zu bestreiten, Ausgaben, die jeden Andern muthlos gemacht hätten. Ein Kapital, das landesgebräuchlich noch zu 10°/o verzinst werden muß, und jetzt schon zu einer Summe von 1206 fl. angewachsen ist, war nöthig, das begonnene Werk nicht in Stockung gerathen zu lassen. Ich konnte jedoch durch Nichts mehr zurückgeschreckt werden, die Vollendung eines Werkes, das gewiß viel des Guten und Nützlichen verbreiten, und dadurch den Verfasser reichlich lohnen wird, zu beschleunigen. In dieser meiner bedrängten Lage stelle ich nun an Freunde jüdischer Literatur und besonders an Solche, denen Kenntniß des heiligen Landes nicht gleichgiltig ist, die Bitte, die Verbreitung eines Werkes, das gewiß. Vielen willkommen erscheinen wird, möglichst befördern zu wollen, und, so viel es in ihren Kräften steht, den Absatz desselben zu begünstigen. Joseph Schwarz. Ein Charakterzug des Erzherzogs Karl, k. H., der Wahrheit getreu nacherzählt von Eph. Potlak. Im Juli 18.. sah man unter den dichtbelaubten Lindenbäumen des Parkes in Baden fast täglich unter der zahllosen Menge der Lustwandelnden einen rüstigen Jüngling jüdischer Abkunft auf seinen Armen einen krüppelhaften Mann einhertragen, und sanft auf eine Bank unter einem Baume nkederlassen, um der frischen Luft zu genießen und an den lieblichen Weisen der Musik sich zu erfreuen. Der Mann schien mehr von Schmerz und Kummer als von Jahren gealtert. Sein Aussehen verrieth übrigens, daß er außer dem Siechthum noch schwere Sorge und Mangel erleide. Denn das . Geld sing bereits an zu fehlen, und doch knüpften die Aerzte die Aussicht, je wieder seiner Beine mächtig zu werden, an die Bedingung einer noch mehrwöchentlichen Benutzung der Bäder. Der junge Mann war der Sohn des kranken Mannes, und theilte in kindlicher Hingebung die Noth und Leiden seines Vaters. Aber dieser Jüngling hatte sich schon früher bewährt. Der Vater wohnte als Pächter auf einem Dorfe im Norden Ungarns. Da gerieth unglücklicher Weise das Haus des Pächters in Flammen. Zu den Gefahren der Feuersbrunst gesellte sich ein wüthender Pöbel, der den durch das Feuer zu Grunde gerichteten Juden im Feuer umkommen lassen wollte. Der Sohn hörte das Geschrei des Pöbels, und während der Vater in den Stallungen sich bemühte, das Vieh in Freiheit zu bringen, eilte er in den Hof, riß Vater, Mutter und Geschwister mit sich fort, um, wenn Alles verloren, doch das Leben zu retten. Aber der Vater stürzte noch einmal zurück, um aus einer Kammer einekleine baare Summe zu retten. Es gelang ihm, aber wie theuer bezahlte er sie! Verbrannt an den Füßen zog ihn der Sohn, der ihm nachgeeilt, halb leblos aus^