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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-17 · Heft 4 (17.1.1848) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 4 (17.1.1848)
Date
1848-01-17
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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59 den Flammen, nahm ihn auf die Arme und trug ihn mit außerordentlicher Geistesgegenwart durch die Nacht. Mit Tagesanbruch traf der Sohn mit seiner Last, die Mutter und zwei kleine Schwestern "am Ufer der Waag und miethete einige Holzflößer, die sie für einige Gulden nach Szeced brachten, wo sie vor den Nachsetzungen der Bauern sicher waren. Sie verbrachten den Winter zurückgezogen kn einem Dorfe, bis Vater und Sohn im Sommer nach Baden gingen. Das Hoffen und Streben des treuen Sohnes ging allein dahin, dem Vater wieder zur Gesundheit zu verhelfen; er ließ ihn keinen Schritt gehen, damit die Füße desto eher gesunden möchten; er ertrug Mangel und Sorge, ringend mit der nie gekannten Acmuth, um dem Vater alle Bedürfnisse zu verschaffen; trug ihn selbst in's Bad und in den Park; und nahm dabei die fröhlichste Miene an, um den Vater zu erheitern, obschon er im Herzen um die zurückgelaffenen Theueren bangte. Einst, an einem schönen Tage, erschien wie gewöhnlich der brave Sohn mit dem Vater auf den Armen im Parke, setzte ihn auf eine Bank, und sich neben ihn. Die Gaste promenrrten, wahrend der Sohn die bittere Stimmung seines Vaters durch heitere Erzählungen zu zerstreuen suchte. Plötzlich blieb ein alter ehrwürdiger Herr von hohem Aussehen vor ihnen stehen. „Wer ist dieser Mann," fragte ec sanft mir liebevollem Wohlwollen, „den Sie täglich hierher tragen?" „Es ist mein Vater," sprach der junge Mensch. Er sah Beide gerührt an. „Und was fehlt Euch, lieber Alter?" „Ich verbrannte meine Füße bei einer Feuersbrunst, die in meinem Hause in einer Mitternachtsstunde ausbrach." „Wo geschah das Unglück?" „In N. im T—r Komitate." . - „Ging Euer sämmtliches Vermögen in Flammen auf?" „Nein, mein. Herr! nur das was wir im und am Hause hatten, unsere Aktivschulden im Dorfe, die glücklicher Weise in den Händen des Verwalters sich befanden, würden hingereicht haben, mich im Pachte zu erhalten." „Und die Schulden?" „Edler Herr! da Ihr mich schon so viel fragt, so wiffet, ich bin entwichen, die Wuth des Pöbels schlug hoch auf, dem unbändigen Elemente gleich, und die meist im Kontobuche besollten Bauern wollten bei guter Gelegenheit mich in die Flammen werfen."- „Ihr möchtet also zurück?" „Wenn ich von einer Behörde unterstützt würde." „Warum wendet Ihr Euch nicht an eine solche?" „Mein Herr," sprach der Alte seufzend, „unser Geld ist kaum hinreichend, hier nur das Leben zu fristen!" „Wollt Ihr mir Euern Namen sagen? Vielleicht kann ich Etwas für Euch thun?" „Mein Name ist N. N." Der Herr schrieb sich diesen Namen auf, grüßte Vater und Sohn freundlich, und entfernte sich. Tages darauf erhielt der Kranke von dem wohlwollenden Herrn eine namhafte Summe Geldes. Zugleich erhielt er die tröstliche Weisung, nach vollbrachter Kur nach seinem Pachthofe zurückzukehren, wohin bereits ein Befehl Sr. Majestät des Kaisers Franz ergangen sein werde, ihn in Nichts zu behelligen, sondern seine gerechten Forderungen zu unterstützen. Der Bote des Herrn, eine unglückliche jüdische Familie vom Abgrunde zurückzuziehen, und den treuen Sohn im Glücke der Seinkgen zu belohnen — war Se. kaiserliche Hoheit, der Erzherzog Karl. Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuch. Die hiesige Gemeinde sucht zu Ostern 1848 einen Schächter und Vocbeter, der den Gottesdienst mit Chor zu leiten versteht. Das Einkommen beträgt bei freiem. Mittag- und Abendtisch, 180 bis 200 Thlr. Pr. Krt. inkl. der Schechita. Bewerber wollen sich baldigst portofrei wenden an den Vorstand der Lsraelitischen Gemeinde. Waren (in Mecklenburg). Der hiesige israelitische Brüderverein beabsichtigt einen Prediger mit einem fixen Iahrgehalt von 300 Thlr. anzustellen. Zur Konkurrenz werden jedoch nur solche Be-' Werber zugelassen, welche Zeugnisse über Absolvirung eines akademischen Lrienniums beidringen können. Hierauf Reflt-ktirende wollen sich in portofreien Briefen oder persönlich wenden an Das Konnte des Brüdervereins. Posen, den 19. Dezember 1847.

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