Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 4 (17.1.1848)
- Date
- 1848-01-17
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 erklärteder Geist seiner Religion verbiete ihm auch am Sabbat keine Lhätigkeit, die nicht seinen eigenen Nutzen, sondern das allgemeine Beste bezwecke. Deutschland. Magdeburg, 4. Januar. (Privatmitth.) Die mehrjährigen Leser dieser Zeitung wissen, daß wir von je abgesagte Gegner des Rothschild'schen Hauses waren, sowol aus den Prinzipien unsrer Religion heraus, welche dem Aüfhäufen von Reichthümern schon bei ihrem Beginn auf's Kräftigste entgegentrat, als auch aus den Faktis, weil das Haus Rothschild noch kein Herz für die Angelegenheiten der jüdischen Welt bewiesen, wol aber die Existenz eines solchen jüdischen Hauses schon oft genug, schwer aus uns gedrückt hat. Es war uns daher, offen gesagt, gar nicht angenehm, daß gerade ein Rothschild in das Unterhaus als erster Jude gewählt worden. Eine Frucht reifte hievon in den jüngsten Lagen. Durch alle deutschen Blätter ging das Gerücht, daß, da drei bedeutende Häuser in Karlsruhe und Frankfurt gefallen, und zwar, wie man sagt, weil Rothschild ihnen den Kredit aufgesagt, dies in Folge eines Versprechens des englischen Rothschilds an Lord John Russell geschehen sei, die deutsche Industrie durch Entziehung des Kredits zu.ruiniren, wofür Russell den Rothschild in's Parlament bringen wolle. Niemand mag wol an der Lüge, die in diesem Gerüchte ausgesprochen, zweifeln, aber alle deutschen Blatter wiederholen es mit der Bemerkung: „es sei ein bedeutsames Gerücht!" Ja wol, ein bedeutsames! Aber nicht für Lord John Russell, nicht für Rothschild, sondern allein für die deutschen Zeitungen! Denn um es mit einem Male zu sagen: es giebt wol in der Presse jedes Landes viel Gift, aber so niederträchtig sind die Blätter keines Volkes, um einem Manne wie Lord John Russell eine ebenso abgeschmackte, wie diabolische Gegenseitigkeit zuzutrauen. Soeben hat Lord John Russell die glänzendste Rede seines großen Talents — das räumen Alle ein — gehalten, und zwar — für die Aufnahme der Juden in's Parlament; eine Rede, in der Logik, Aufklärung und wahre Humanität um den Preis ringen — und siehe da! diese Rede soll Nichts als den nichtsnutzigsten Hintergrund haben, den Sturz der deutschen Industrie! Fürwahr so bösartig ist keine freie und keine halbfreie Presse. Und dazu so abgeschmackt. England hat wahrlich die deutsche Industrie noch nicht fürchten; und England weiß fürs wahr besser, wodurch eine Industrie zu heben und zu stürzen sei, als durch den Fäll von zwei'oder dre! faulen Bankhäusern. Solche Abgeschmacktheit spricht keine unterrichtete Presse aus, dazu gehört eine naive Unwissenheit. — Wir gestatten uns hierbei noch eine Bemerkung über die deutschen Zeitungen, die zwar, streng genommen, hier nicht her gehört, aber uns doch schon lange im Sinne liegt. Wenn man täglich die Räsonnements der deutschen Blätter über Frankreich und England liest, über Ludwig Philipp und Guizot, über Russell und Peel — fürwahr man kann' sich nichts Liberaleres denken, erzradikal, radikaler als der National und die Demokratie, als Punch und Chartistenblätter; wie wissen sie den greisen König und seinen Premierminister zu meistern und zu zerfleischen. Und nun wende man das Blatt um, und lese, was sie über ihr eigenes Vaterland zu sagen wissen — — fürwahr, es graut Einem, denn Nichts ist unmoralischer, als wenn die Bosheit auch feige ist. Wir Juden wissen Etwas davon zu erzählen. Aus Mecklenburg-Schwerin, 7. Januar. (Privatmitth.) Der Berichterstatter über die teterower Beschneidungsangelegenheit hätte sicherlich wohl daran gethan, sein voreiliges Urtheil: „Professor Delitzsch hat die Einhorn'sche Motivirung vom biblischen und talmudischen Standpunkte aus kräftig und wissenschaftlich widerlegt", wenigstens bis nach Erscheinung der Einhornschen Entgegnung in der Rostocker Zeitung hinauszuschieben. Er würde sich dann leicht von der Hohlheit und Unwissenschaftlichkeit jener vermeintlichen Widerlegung und insbesondere noch davon überzeugt haben, daß gerade die aus dem Aufsatze des Prof. D. zitirte Stelle dessen Unkenntniß des rabbinischen Zudenthums allein schon zur Genüge belegt. Dieses Machwerk voll Unwissenheit, und Fanatismus, das auf die Seligmachung der Juden durch Annahme des Christenthums hinausläuft, spricht dem unbeschnittenen Juden die Fähigkeit ab, irgend eine Pflicht oder ein Recht der israelitischen Gemeinde zu üben, und argumentirt die Unzulänglichkeit der jüdischen Abkunft für die Aufnahme in die jüdische Konfession aus der Unentbehrlichkeit der Beschneidung für die Aufnahme des Proselyten. Eine herrliche Logik und noch herrlichere Wissenschaftlichkeit! Nach diesem