Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 4 (17.1.1848)
- Date
- 1848-01-17
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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52 aber trockenen Aussprüche der Lebenserfahrung, die Sprüche Salomonls,..sind mit köstlichen Nqturbildern durchzogen. Da ist „der.Pfad des Gerechten wie das Licht des Sonnenglanzes, es wird immer Heller bis zur Tageshelle" (4, 18.). , Da soll man „Wasser trinken aus seiner Quelle, Rieselndes, aus seinem Brunnen, so werden seine Quellen überfließen, auf die Straße die Wasserbäche." Und so fort.. Die. zweite, wichtige Bemerkung, die Humboldt hier hätte machen, müssen, um die Poesie der Hebräer zu charaktecisiren, wäre gewesen: wenn also, die Hebräer ihre ganze Poesie von der Natur entlehnen, und die menschlichen,Zustände durch die Naturgebilde versinnbildlichen, so. übertragen sie auch umgekehrt die menschlichen Zustände in die Natur hinein, und veranschaulichen die Natur, indem sie. deren Schöpfungen zu menschlichen machen. Da wird die ganze-Natur zu einem Zelte des Menschen, der Himmel ist der.ausgebreitete Zeltteppich, die Zeltdecke, , die Wolken das obere Sparrenwerk des Zeltes, die Sonne tritt wie ein Bräutigam aus seiner Kammer, der Schnee wird zur Wolle, der Reif zu Asche, der Bsttz zum Pfeil, eine große Vorrathskammer hat Gott, aus der er allen Geschöpfen reichet. Darum verschmelzen auch den Propheten Natur und Geschichte in Eines; wie schon Moses rufen sie Himmel, Erde und die uralten Berge zu Zeugen, nicht der göttlichen Schöpfungsmacht, sondern des göttlichen Gerichts über die Menschen an; wenn Gott ein Großes, über ein Volk bringt, dann nimmt die Natur daran Theil, Sonne und. Mond verfinstern sich, die Sterne leuchten nicht, die Erde bebt und so fort. —: Auffallend ist es, daß H. des hohen Liedes nicht gedenkt, welches; uv der Naturpoesie gerade den erhöhtesten Charakter hat. In diesem findet sich auch schon die den Hebräern sonst ganz fremde, bloße Naturbeschreibung, z. B. des wiederkehrenden Frühlings 2, II—13. in Blumen, Gesang und Duft, und die Gleichnisse aus der Natur werden im diesem Sange echt morgenländisch-grotesk.' Doch begnüge ich mich hiermit — sonst würde ich für diesen Brief gar kein Ende absehen. Aber in Einem habe ich noch mit Humboldt zu rechten, über die Stellung, die er den Hebräern anweiset. H. geht vom alten Westen, Griechen und Römern, aus, bespricht dann Christenthum und Mittelalter, geht zu den Indern und Persern über; hier erst gelangt er zu Hebräern und Arabern, von denen er sofort zu den modernen Nationen hinüberblickt. H. hat hiermit schwerlich den rechten Weg gewählt. Er hatte, wollte er der Entwickelung der Menschheit folgen, mit Indern und Persern beginnen, dann die Hebräer und Araber betrachten, den Einfluß der Hebräer durch das Christenthum auf das Mittelalter und die modernen Völker hervorheben, und dann zu Griechen und Römern kommen, oder wenigstens von den Hebräern erst auf Christenthum, Mittelalter und moderne Welt übergehen müssen. Denn, um es kurz zu sagen, was er gleich bei den Griechen und Römern vom Christenthume sagt, das gehört lediglich den Hebräern an; was er als die christliche Richtung des Gemüthes bezeichnet, „aus der Weltordnung und aus der Schönheit der Natur die Größe und Güte des Schöpfers zu beweisen", das ist die Richtung des Hebräers vom ersten Worte der Schrift an, und gesteht dies H. selbst mit anderen Worten den Hebräern zu. Das Christenthum hat das große Verdienst, diese hebräische Anschauung auf die Völker übertragen zu haben, aber den Inhalt selbst hat es von den Hebräern entlehnt. Lange bevor die klassischen Studien wieder erwachten und die Basis der modernen Bildung wurden, hatte der Hebräismus auf die Völker durch das alte Testament den tiefsten Einfluß gewonnen und ausgeübt, und wenn die modernen Völker ihre formale Bildung den Griechen und Römern verdanken, so flössen doch ihre.meisten Anschauungen selbst aus dem Hebräismus. Bei einem so vorurtheilslosen Geiste wie Humboldt wundert es uns, diese Einsicht nicht klar ausgesprochen zu sehen, um so mehr, da sie dennoch hie und da durchbricht. (Schluß von No. III. folgt.) Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, im Dezember. Die Freimaurerloge von S. Domingo hat an den Großmeister der französischen Logen, den Herzog von Decazes, ein Dankschreiben für seine kräftige Intervention zu Gunsten der jüdischen Freimaurer in Preußen erlassen. — Auch in Algier macht es sich bemerklich, daß die Sterblichkeit unter den israelitischen Kindern geringer ist, als unter denen der anderen Konfessionen. In einem Jahre starben bei 1470 europäischen Geburten 305 Kinder, also auf 100 — 20; bei den Muselmännern bei 246 Geburten 95 Kinder, also auf 100 — 40;