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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-17 · Heft 4 (17.1.1848) · p. Seite 51

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 4 (17.1.1848)
Date
1848-01-17
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 Die Himmelskörper geben.diesem Naturbilde seine Vollendung. „Der Herr schuf denn Mond, die Zeiten einzutheilen, die Sonne, die das. Zielkennt ihrer Bahn: Es wird Nacht, da schwärmt Gewild umher. Nach Raube brüllen junge Löwen und verlangen Speise von Gott. Erscheint die Sonne, so heben sie sich davon und lagern sich in ihre Höhlen: dann, geht der Mensch zu seiner Arbeit, zu seinem Tagewerk bis Abend." Man erstaunt, in einer lyrischen Dichtung von so geringem Umfange, mit wenigen großen Zügen, das Universum- Himmel und Erde geschildert zu sehen. Dem bewegten Elementarleben, der Natur ist hier des Menschen stilles, mühevolles Treiben vom Aufgang der Sonne bis zum Schluß des Tagewerks am Abend entgegengestellt. Dieser Kontrast, diese Allgemeinheit der Auffassung in der Wechselwirkung der Erscheinungen, dieser Rückblick auf die allgegenwärtige unsichtbare Macht, welche „die Erde verjüngen" oder in Staub zertrümmern kann, begründen das Feierliche einer minder lebenswarmen und gemüthlichen als erhabenen poetischen Dichtung. Aehnliche Ansichten des Kosmos kehren mehrmals wieder (Psalm 65, 7—14. und 74, 15—17 ), am Vollendetsten vielleicht kn dem 37sten Kapitel des alten, wenn auch nicht vormosaischen Buches Hiob. , Die meteorologischen Prozesse, welche in der Wolkendecke Vorgehen, die Formbildung und Auflösung der Dünste bei verschiedener Windrichtung, ihr Farbenspiel, die Erzeugung des Hagels und des rollenden Donners werden mit individueller Anschaulichkeit beschrieben; auch viele Fragen vorgelegt, die unsre heutige Physik in wissenschaftlicheren Ausdrücken zu formuliren, aber nicht befriedigend zu lösen vermag. Das Buch Hiob wird allgemein für die vollendetste Dichtung gehalten , welche' die hebräische. Poesie hervorgebracht hat. Es ist so malerisch in der Darstellung einzelner Erscheinungen als kunstreich in der Anlage der ganzen didaktischen Komposition. In allen modernen Sprachen, in welche das Buch Hiob übertragen worden ist, lassen seine Naturbilder des Orients einen tiefen Eindruck. „Der Herr wandelt auf des Meeres Höhen, auf dem Rücken der vom Sturme aufgethürmten Wellen. — Die Morgenröthe erfaßt der Erde. Säume und gestaltet mannigfach die Wolkenhülle, wie des Menschen Hand den bildsamen Thon." — Es werden die Sitten , der Thiece geschildert, des Waldesels und der Rosse, des Büffels, des Nilpferds und der Krokodile, des Adlers und des Straußen. — Wir sehen „den reinen Aether in der Schwüle des Südwindes wie einen , gegossenen Spiegel über die dürstende Wüste hingedehnt." Wo die Natur kärglich ihre Gaben^spendet, schärft sie den Sittn des Menschen, daß er auf jeden Wechsel im bewegten Lüftkreise wie in den Wolkenschichten lauschtdaß er in der Einsamkeit der starren Wüste wie kn der des wellenschlagenden Ozeans jedem Wechsel der Erscheinungen bis zu seinen Vorboten machspürte7 Das Klima ist besonders in dem dürren und felsigen Theile von Palästina geeignet solche Betrachtungen anzuregen. Auch an Mannigfaltigkeit der Form fehlt es der dichterischen Literatur der Hebräer nicht. Während von Josua bis Samuel die Poesie eine kriegerische Begeisterung athmet, bietet das kleine Buch der ährenlesenden Rut ein Naturgemälde dar von der naivsten Einfachheit und von unaussprechlichem Reize. Göthe in der Epoche seines Enthusiasmus für das Morgenland nennt es „das lieblichste, das uns episch und idyllisch überliefert worden ist." Nach den Hebräern bespricht Humboldt noch die Araber, um dann zu Italien und denübrigen modernen Völkern überzugehen. Du erlaubest mir nun eknigeBeMerkungen über diese Betrachtung zu machen, so schön diese an sich auch ist. Zuerst hat Humboldt nicht genug gesagt, und dann hat er es nicht an der rechten Stelle gesagt. Humboldt hätte bemerken müssen, daß die ganze Poesie der Hebräer Natur poesie und Nichts als Naturpoesie ist. Wahrend die Hellenen den Menschen zum eigentlichen Gegenstand und die Menschenseele zum ganzen Hintergründe ihrer Poesie machen, haben die Hebräer bei der einfachen Entwickelung der Volkszustände die Natur allein zur Staffage ihrer Poesie gehabt. Wenn also'die Schrift mit dem erhabensten' Bilde der Weltschöpfung beginnt, und diese von dem Gedanken, daß Gott diese Welt vollkommen geschaffen, durchweht ist, so hat sie auch der hebräischen Poesie damit den Stempel aufgedrückt. Ja, Vas erste, wirklich poetische Stück der Schrift, das Testament Jakobs (I M. 49.) besteht lediglich in der Charakterksirung von Menschen durch Naturgebilde: leichtfahrendes Gewässer, der Löwe, der nach vollbrachtem Raub sich .lagert, der zwischen den Hürden ruhende Efel, die Schlange am Wegedie schlanke Hindinder Fruchtbaum, der seine Zweige über die Mauer streckt, diese alle dienen, um die .charakteristischen Züge der Söhne Jakobs und ihrer Stamme zu zeichnen. Und so reicht dies durch die ganze Schrift. .-Der Psalmist beginnt, und der Gerechte ist ihm ein Fruchtbaum am Quell, der Frevler Spreu, die der Wind verweht. Selbst die körnigen,

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