Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 4 (17.1.1848)
- Date
- 1848-01-17
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 H Gefühl für dke Schönheiten der Natur gehabt, und dies in Schrift und Malerei kund getHan. Er mustert-hier zuerst die Griechen und ^röMr;^dtVnsagt erMEs verbreitete sich allmälig das' C h^i i0ntHum ünd dieses erweiterte auch den Blick in die freie Natur." „Die christliche Richtung des Gemüthes war die, aus der Weltordnung und aus der Schönheit der Natur die Größe und die Güte des Schöpfers zu beweisen." Ec führt nun Einiges aus -den griechischen Kirchenvätern an. Freilich hörte' dies alsbald auf, als das'Christenthum sich unter germanische und Keltische Volksstämme verbreitete. Er richtet hierauf sein Augenmerk auf die Dichter des Mittelalters, betrachtet dann die indische und persisch e Literatur, und kommt nun zu den semitischen Nationen. Hier gestattest Du mir, da Dir dieses Werk vielleicht nicht vorliegt, die ganze Stelle über die Hebräer niederzuschreiben: „Die semitischen und aramäischen Nationen zeigen uns in den ältesten und ehrwürdigsten Denkmälern ihrer dichterischen Gemüthsart und schaffenden Phantasie Beweise eines tiefen Naturgefühls. Der Ausdruck desselben offenbart, sich großartig und belebend in Hirtensagen, in Tempel- und Chorgesängen, in dem Glanz der lyrischen Poesie unter David, in der Seher- und Prophetenschule, deren hohe Begeisterung, der Vergangenheit fast entfremdet, ahndungsvoll auf die Zukunft gerichtet ist." . , . „Die hebräische Dichtungsweise bietet den Bewohnern des Abendlandes bei ihrer innern, erhabenen Größe noch den besondern Reiz, daß sie mit den lokalen Glaubenserinnerüngen der Anhänger von drei weitverbreiteten Religionen, der mosaischen, christlichen und mohammedanischen vielfach verwebt ist. Durch Missionen,, welche der Handelsgeist und die Eroberungssucht schifffahrender Nationen begünstigen, sind geographische Namen und Naturschilderungen des Morgenlandes, wie sie die Schriften des alten Bundes uns aufbewahrt, tief in die Wälder der neuen Welt und in die Inseln der Südsee eingedrungen." „Es ist ein charakteristisches Kennzeichen der Natucpoesie der Hebräer, daß, als Reflex des Monotheismus, sie stets das Ganze des Weltalls in seiner Einheit umfaßt, sowol das Erdenleben als die leuchtenden Himmelsräume. Sie weilt seltener bei dem Einzelnen der Erscheinung, sondern erfreut sich der Anschauung großer Massen. .Die Natur wird nicht geschildert als ein für sich Bestehendes, durch eigene Schönheit Verherrlichtes; dem hebräischen Sänger erscheint sie immer in Beziehung auf eine höher waltende geistige Macht. DieWatur ist .ihm ein Gescha ffe n e s, A n g e o r d net e s>..der lebendige Ausdruck der Ällgegenwart Gottes in den Werken der Sonnenwelt. Deshalb ist die lyrische Dichtung der Hebräer schon ihrem Inhalte nach großartig und von feierlichem Ernst, sie ist trübe und. sehnsuchtsvoll, wenn sie die irdischen Zustände der Menschheit berührt. Bemerkenswerth ist auch noch,. daß diese Poesie trotz ihrer Größe, selbst im Schwünge depc,höchsten, .durch den Zauber der Musik hervorgerufenen Begeisterung fast nie maaßlos wie die indische Dichtung wird. Der reinen Anschauung des Göttlichen hingegeben, sinnbildlich in der Sprache, aber klar und einfach in dem Gedanken, gefällt sie sich in Gleichnissen, die fast rhythmisch, immer dieselben wiederkehren." „Als Naturbeschreibungen sind die Schriften des alten Bundes eine treue Abspiegelung der Beschaffenheit des Landes, in welchem das Volk sich bewegte, der Abwechslung von Oede, Fruchtbarkeit und libanotischer Waldbedeckung, die der Boden von Palästina darbietet. Sie schildern die Verhältnisse des Klimas in geregelter Zeitfolge, die Sitten der Hirtenvölker Und deren angestammte Abneigung gegen den Feldbau. Die epischen oder historischen Darstellungen sind von naiver Einfachheit, fast noch schmuckloser als Herodot, naturwahr, wiebei so geringer Umwandelung der Sitten und aller Verhältnisse des Nomadenlebens, die neueren Reisenden einstimmig es bezeugen. Geschmückter aber und ein reiches Naturleben entfaltend ist die söyrik der Hebräer. / Wan möchte sagen, daß in dem einzigen 1v4ten Psalm das Bild des ganzen Kosmos dargelegt ist: „Der Herr, mit Licht umhüllet, hat den. Himmel wie einen Teppich ausgespannt. Er hat den Erdball auf sich ftlbst^gegründet, daß er in Ewigkeit nicht wanke. Die Gewässer quellen von den Bergen herab in die Thäler, zu den Orten, die ihnen beschieden: daß sie nie überschreiten die ihnen gesetzten Grenzen, aber tränken alles"Wild des Feldes. Der Lüfte Vögel singen, unter dem Laube hervor. Saftvoll stehen des Ewigen Bäume, Libanons Zedern, die der Herr selbst, gepflanzt, daß sich das Federwild. dort niste, und auf Tannen, sein Gehäus der Habicht baue." Es wird beschrieben „das Weltmeerin dem es wimmelt, .von Lehen ohne Zahl. Da wandeln die Schiffe,, und es regt sich das Ungeheuer, das du schufest darin zu scherzen." Es wird „die Saat der Felder, durch Wenschenarbeit bestellt;, der fröhliche Weinbau uyd die Pflege der O e l g ä rt e n" geschildert,