Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-10 · Heft 3 (10.1.1848) · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 3 (10.1.1848)
Date
1848-01-10
Page
Seite 43 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225551-3225555--09110-3237348
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

43 nach Preßburg, wo gegenwärtig der Landtag gehalten' wird, abgeschickt haben, um gegen die Juden zu agitiren, wenn etwa ihre Angelegenheit auf's Tapet gebracht würde. — In Kaschau erging an einen hier schon seit einiger Zeit mit gutem Erfolge praktizirenden Arzt Dr. A. von der Behörde (natürlich durch den Einfluß des dast'gen Stadtphysikus) die Weisung, er müsse, wie jeder andere jüdische Einwohner, sich das Jnkolat verschaffen, was doch sonst von einem Doktor nie gefordert ward. Dr. A., der sich in seinem Rechte glaubte, legte auf diese Mahnung wenig Gewicht, und ließ sich in seiner Praxis nicht stören, bis endlich der Physikus dem Apotheker verbot, auf dessen Rezepte Arzneien zu verabfolgen; nun sah sich vr. A. gezwungen nach Pesth zu gehen, und hier seine Sache zu suchen, und wenn ihm auch ein günstiger Bescheid wird, woran wir gar nicht zweifeln, hat dieser Herr Doktor allenfalls durch Versäumniß in seiner Praxis viel Schaden erlitten. Einen Kommentar zu solchen und ähnlichen Geschichten können wir uns leicht machen. — Diesem Treiben setzt aber ein vor Kurzem in der Pesther Zeitung abgedrucktes Pamphlet allerdings die Krone auf. Wie Sie wissen hat dieses Blatt seit seinem Erscheinen jedem judenfeindlichen Angriff seine Spalten bereitwillig geöffnet,und sich so zu sagen zum Ableitungskanal für allen Schmutz judenfeindlicher Gesinnungen gebrauchen lassen. Seitdem haben die Judenfeinde, die sonst nur in kleinen vertraulichen Zirkeln oder höchstens bei Biergelagen und ähnlichen Plätzen ihre groben Witze und gehässigen Aeußerungen einander mitzutheilen Gelegenheit hatten, einen weit freiern Spielraum. Sie haben nun ein eigenes Organ, alles das der Oeffentlichkeit zu übergeben, und hiemit allen Gleichgesinnten mitzutheilen. Es wird auch ein wahres Sündenregister über alle Vergehen vom kleinsten bis zum größten, deren sich Individuen jüdischen Glaubens schuldig machen, mit der größten Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit (?) geführt. Dieses Blatt läßt also einen greisen Silberarbeiter seine Stimme über das Zunftwesen erheben, der zugleich die Gelegenheit benützt, seine wahrhaft mittelalterlichen Vorurtheile, seinen unverholenen Judenhaß in den schändlichsten Ausdrücken der Oeffentlichkeit zu übergeben. Nachdem er die jüdischen Silberarbeiter beschuldigt, daß sie selbst auf Packfong die Silberprobe drücken, ertheilt er den Großen des Landes folgenden Rath: „Das Nützlichste," meint er, „was unsere Großen thun könnten, wäre, daß sie, gleichwie den Israeliten das Wohnen in Bergstädten schon seit alten Zeiten verboten ist, ihnen auch der Handel mit Gold und Silber und die Verarbeitung desselben verbieten würden. Denn es ist eine bekannte Sache, daß alles im Lande gestohlene Gold und Silber, das nicht mehr zum Vorschein kommt, von Juden eingeschmolzen wird u. s. w." Dergleichen schändlichen Lügen und niederträchtigen Verleumdungen sucht dieser greise Stimmführer gerade durch sein Alter mehr Glaubwürdigkeit zu verschaffen, indem er versichert, keineswegs aus Interesse zu sprechen, da er bereits am Rande des Grabes stehe und kinderlos sei, nur könnte er nicht ohne Schmerz daran denken, daß ein von der Nation so abgeschiedener Theil, dem das Ehrlichkeitsgefühl so wenig in der Natur zu liegen scheint, wie gewissen Geschöpfen die Reinlichkeit, mit seinen betrügerischen und ungeschickten Händen dieses edle Handwerk usurpiren soll. Dies beiläufig seine Worte. Was sagen Sie zu diesem sentimentalen Lügner und alten Schwätzer? Alles hat man dem Juden schon vorgeworfen, aber daß er ungeschickte Hände hätte, hat noch kein Judenfeind behauptet. Im In- und Auslande, im Osten und Westen, dies- oder jenseits des Ozeans, haben die Juden, so sie sich einem Handwerke oder einer Kunst mit Fleiß gewidmet, noch immer mit ihren nichtjüdischen Mitbrüdern gewetteifert, und davon könnte selbst unsere Stadt Zeugniß geben; so gehören, um nur Eines zu erwähnen, die jüdischen Lithographen zu den Geschicktesten dieser Stadt; allein da Herr Szentpötery sich auf Geistesfahigkeiten wenig versteht, so muß er den Juden doch wenigstens ungeschickte Hände aufbürden. Nun erschöpft er sich fast an Schimpf und Schmähworte und schließt ungefähr mit folgenden Worten: „Ich habe Bemerkungen hinsichtlich der traurigen und gefährdeten Lage, in der sich die Bürgerschaft gegenüber diesem Diebsgesindel befindet, denverdienstvollen Vorstehern des löbl. pesther Komitats vorgelegt, so zwar, daß sie dieselben dem gegenwärtigen Reichstage unterbreiten möchten, — ob mit Erfolg, weiß ich nicht u. s. w." Welche Bescheidenheit! Herr Sz. scheint denn doch zu zweifeln, ob unsere Großen seinen gutgemeinten Rath befolgen werden, wiewol er diesen schmählichen Artikel auch in ungarischer Sprache in einem sonst harmlosen ungarischen Winkelblatte abdrucken ließ, und er thut Recht daran, denn unsere

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.