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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-10 · Heft 3 (10.1.1848) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 3 (10.1.1848)
Date
1848-01-10
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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40 von jeher die jüdischen Angelegenheiten betrachtet und gerade aus Achtung für die Gewissensfreiheit der Israeliten sich in religiöse Fragen derselben nie gemischt. Er zweifle nicht, daß die Supplikanten bei nochmaliger ruhiger Erwägung dieser Sachlage sich überzeugen würden, daß der vorliegende Fall eine andere Auffassung von Seiten der Staatsbehörde ohne sonstige erhebliche Inkonvenienzen gar nicht zulasse." Wie leicht zu erachten geht die konservative Partei nun damit um, auf dem rein religiösen Gebiet allerlei Barrieren gegen die unbeschnittenen Juden zu errichten, aber worin sollen diese bestehen? Jeziw Pisgam vorzusingen wird wol selten ein Solcher begehren, zu Kopulationen werden sich immer Assistenten finden lassen, und beerdigt muß eine Leiche am Ende doch werden! -7 — Die widrige Meziza-Angelegenheit ist hier noch immer nicht geordnet. Der Senat, getreu seiner ausgesprochenen Ansicht, sich nicht in Angelegenheiten der jüdischen Religion zu mischen, hat dekretirt, da es, eingezogenen Berichten nach, scheine, daß es nicht an Beschneidern mangele, die ohne Aussaugen operirten, die Eltern mithin immer die Wahl hätten, so wolle er die Sache auf sich beruhen lassen. Nun aber ist jene Angabe irrthümlich, denn es giebt jetzt hier keinen nichtsaugenden Mohel, insbesondere da die sämmtlichen Mohelim sich neulich auf diesen Modus verschworen haben, worüber unsere orthodoxen Maulwürfe jubiliren, vermuthlich weil die Beschneidung dadurch überhaupt mehr abnehmen wird und sie dann wegen der verminderten Konkurrenz ein größeres Stück Leviathan zu erwarten haben. Die Verhandlung wird demnach wieder ausgenommen werden müssen. Am zweiten Weihnachtstage hielt unser „Verein zur Beförderung nützlicher Gewerbe unter den Israeliten" seine 25jährige Stiftungsfeier. Es ward der Bericht verlesen und gedruckt, dessen Inhalt nächstens in d. Bl. Nachfolgen wird. Nachher war Diner von etwa 100 Personen (inklusive Damen) im Viktoria- Hotel, wo die größte Heiterkeit herrschte und jeder offizielle Toast von einem dazu verfaßten Liede begleitet war. Abermals ist der Vorschlag, die jüdischen Kaufleute in den Versammlungen der Kaufmannschaft zuzulassen, mit großer Majorität abgelehnt worden. Es sind freilich noch mehrere Gründe als diese Zulassung, welche Schuld sind, daß diese „neue Börsensaals-Ordnung" durchfiel, und Mehrere von der Majorität erklärten ausdrücklich, es sei nicht ihre Absicht, hierin einen Schritt gegen die Juden zu thun, deren Emanzipation sie im Uebrigen geneigt wären; allein die Sache steht doch nun einmal so und die großen Wortführer Hamburgs sind nicht übel beschämt, zumal jetzt, wo Hamburg sich an die Spitze der deutschen Handelsfreiheit gestellt hat. Es giebt so ein Seitenstück zu dem in Abwesenheit der Juden für Mergeland in Christiania aufgestellten Denkmal, oder zu dem liberalen Bravorufen der Zeitungen der freien Stadt Bremen (der Erfinderin der Eskamotage des „von" statt des „in" im Art. XVI. der D. B. A.), wo kein Jude übernachten darf, was jene Zeitungen freilich wohlweislich unberührt lassen. Oesterreich. Wien, 20. Dezember. Die vereinigte Hofkanzlei ist gegenwärtig mit der Ausarbeitung eines neuen zeitgemäßen Judengesetzes für die Provinzen Böhmen und Mähren beschäftigt, wo dasselbe wegen der zahlreichen Einwohnerschaft dieser Religionsgenossen dringend nothwendig erscheint. Preßburg, 14. Dezember. (Bresl. Z.) Das Gesetz über die Einwanderung und Einbürgerung in Ungarn ist der Gegenstand der Berathungen in den letzten Sitzungen der Ständetafel gewesen. Die Bedingung, nach welcher die Einbürgerung an das Bekenntniß einer der drei rezipirten Religionen geknüpft, und somit nicht nur Juden, sondern auch Deutschkatholiken u. s. w. ausgeschlossen sein würden, ward mit Stimmenmehrheit verworfen, gleich wie das Erforderniß, daß jeder Einwanderer die Kenntniß der ungarischen Sprache sich angeeignet habe. Wien, im Dezember. (Privatmitth. Verschiedenes.) Vor einiger Zeit war der Vorstand der prag er Gemeinde hier anwesend, um eine Petition wegen Aushebung oder Erweiterung des für die jüdische Bevölkerung so drückenden Ghetto's persönlich anzubringen. — Ebenso war der Rabbiner Dr. Kohn aus Lemberg hier, um in einer Privataudienz die Lage der galizischen Juden zu schildern. Ein sehr gut geschriebenes Gesuch weist insonders das Demoralisirende der bestehenden Heirarhsverordnungen und der Lichtsteuer nach. — In Galizien melden sich sehr viele

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