Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 2 (3.1.1848)
- Date
- 1848-01-03
- Page
- Seite 35 (sequence 19)
- Language
- German
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35 gen?" — „Zu irgend einer natürlichen Zufluchtsstätte. Folgen wir ihm dreist. Er ist, wie ich es bei der Flamme gesehen, von dem Stamme der Chippewaier, und dieser bedient sich nur der List, wenn er die Axt des Krieges ausgegraben hat. Wir sind ja auch zu zweien, und es bleibt uns wirklich nichts weiter übrig, wollen wir nicht hier umkommen." Der Indianer hatte schon den Rand des Waldes erreicht, und drohte schnell verschwunden zu sein. Eiligst folgte ihm daher der Krämer, und dazu entschloß sich auch der Europäer. Zum Glück zögerte der Indianer noch eine kurze' Zeit, wie um sich noch einmal zu orientiren, und so erreichten sie ihn wieder, bevor er sich in die Schatten des Waldes verloren. 3. Eine Viertelstunde waren die Drei mühselig durch das Dickicht gedrungen; jeder Schritt mußte dem schlüpfrigen Boden und dem dornigen Gesträuch abgerungen werden; jetzt standen sie am Fuße eines Hügels; aber der Indianer wandte sich um denselben herum in die Rinne eines kleinen Baches. Einige fünfzig Schritte watete ec in derselben weiter; dann blieb er stehen, und sein „Hug!" gab seinen Gefährten zu erkennen, daß sie an Ort und Stelle seien. Mit seinem Tomahawk hatte er bald einige Straucher weggeräumt, und nun zeigte sich ihnen der bequeme Eingang zu einer geräumigen Höhle. Nachdem sie eingetreten, hatte der Indianer bald Feuer angezündet, einige Holzstücke aus dem Walde geholt, und bei dem Scheine der Flamme konnten sie ihre neue Herberge leicht überschauen. Es war eine hohe, trockne Höhle, die schon früher zu gleichem Zwecke benutzt worden sein mußte. Denn außerdem daß sich noch einige Ueberreste von Asche und Kohlen, ja von Knochen, den Zeugen früherer, hier gehaltener Mahlzeiten, vorfanden, sah man, daß in der Höhle der Natur durch Menschenhände machgeholfen worden, so daß sie geräumiger geworden. Die drei Pilger machten es sich bequem. Der Krämer holte aus seinem Bündel einige Matten, die er für sich und seine Gefährten ausbreitete. Auch zeigte es sich, daß er außer seinem Bündel auch noch einen Quersack mit sich führe, der einige Speisevorräthe und eine Flasche guten Jamaikarums enthielt; gastfreundlich theilte er mit von dem, was er hatte, seine Genoffen langten zu, die Flasche kreiste, und — man befand sich bald ganz behaglich. Es war noch zu früh am Tage, um schon der Ruhe zu pflegen, und die drei Männer, die sich hier seit kaum einer Stunde zusammengefunden und sich so bereitwillig bekgestanden, fühlten in sich das Verlangen — näher zu erfahren, wer die Theilnehmer ihres Schicksals und dieser stürmischen, nächtlichen Stunde seien. Der Indianer und Europäer standen sich zu fern; aber unser Krämer war ein bequemes Mittelglied zwischen ihnen, der von beiden Naturen genügende Kenntniß hatte. Ec wandte sich zu dem Indianer, und sprach: „Ich habe wol richtig gesehen, als ich in meinem Bruder bei dem Lichte des brennenden Baums einen Häuptling des edeln Stammes der Chippewaier erkannte?" — „Mein Bruder hat richtig gesehen ..." war die Antwort. „Und darf ich fragen, wer Sie sind, mein Herr? Gott hat uns auf so eigenthümliche Weise hier zusamm'engeführt, als daß wir versäumen sollten, uns näher kennen zu lernen." — „Ich, mein Herr, bin — ein Pole, der seit mehren Monaten Europa verlassen, weil er daselbst kein Vaterland mehr zu finden.... Und Sie?" — „Auch ich bin in Europa geboren, aber wandere schon seit fünfzehn Jahren durch die Wälder Amerika's. Ich stamme aus Deutschland, bin ein Baier, und noch mehr, ich bin ein Jude — und, wie Sie sehen, ein hausirender Krämer...." Die Drei schwiegen; der Indianer, denn er hatte Nichts davon verstanden, und das Fragen ist nicht Sache jener wilden Naturkinder; die beiden Anderen, denn sie fühlten sich von einer seltsamen Wehmuth ergriffen, da sie nun wußten, weß Stammes sie wären. Der Krämer begann: „Der Sturm ist noch zu stark, als daß er uns schon zu schlafen gestatte. Erzählen wir uns, was uns hier zusammengeführt. Das Herz des Menschen wird leichter, wenn es sich seines Gefühls durch das Wort entledigt hat...." — „Hug!" antwortete der Indianer. — „Es sei!" erwiderte der Pole. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen iViNgr. (J gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Erledigung der israelitischen Schulstelte zu Obermoschel in der Pfalz, Königreich Barem. Durch die heimliche Entfernung des Lehrers Löb ist die israelitische Schulstelle zu Obermoschel in Erledigung gekommen und sott demnächst wieder besetzt werden. Bewerber um diese Stelle haben ihre Gesuche mit beigefügten