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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-03 · Heft 2 (3.1.1848) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 2 (3.1.1848)
Date
1848-01-03
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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schild bis stetzt seinen Sitz im Unterhaust nicht einnehmen kann.) Denn Lotd Äshley hängt an den alten Satzungen in Kirche und Staat. Kirche und Staat sind für ihn und seine politische Partei unauflöslich verbunden. Er erklärte sich mit Heftigkeit gegen den geistreichen Macaulay, welcher gesagt, es fei eben so thöricht, von einer christlichen Regierung als von einer protestantischen Kochkunst zu sprechen. Dieses, erwiderte er, wären zwei Dinge, welche sich eben so wenig vergleichen ließen, wie der Kirchthurm von Bowchurch und der erste Juli. Das Christenthum müßte seinen Einfluß so gut auf den Staat, wie auf die Familien ausüben. So weit Lord Ashley; doch daß er in seiner Rede erklärte: „Wenn die Juden bereits im Parlamente säßen, so würde ich nicht versuchen, sie zu verdrängen," zeigt am Besten, einen wie schweren Kampf auch in seinem tiefen Gemüthe die alten Satzungen Mit dem neuen Bewußtsein der Zeit zu bestehen haben. Nach Lord Ashley erhob sich, um dessen Einwürfe zu widerlegen, Hr. Gladstone (Minister unter Peel) wie jener Einer der eifrigsten Anhänger der Hochkirche und ein Mann von den größten Kenntnissen als Staatsmann und Theologe. Er bestritt, daß man sagen könne, das Parlament höre auf ein christliches zu sein, weil einige Juden darin säßen. Ebenso gut könne man sagen, die Engländer wären kein christliches Volk, weil einige Juden unter ihnen wären. Man könne auch nicht sagen, man räume den Juden dadurch, daß man sie in's Parlament berufe, das Recht ein, über Christen Gesetze zu geben. Sie hätten bereits Theil an der Gesetzgebung; denn sie geben ja ihre Stimmen ab bei den Parlamentswahlen. Herr -'Israeli sagte, er stimme für die Maaßregel, weil die Juden denselben Gott anerkennen, wie die Christen, dieselbe Offenbarung haben, wie die Christen, und menschlich sprechend., die Urheber der christlichen Religion und größtentheils auch der modernen Gesittung seien; überdies seien die Juden loyal, und religiös, seien nicht proselytensüchtig und denken nie daran, dem Christenthume feindlich entgegenzutreten, worin sie sich wesentlich von Heiden und Mohammedanern unterschieden. In der Sitzung vom 17. wurde die Debatte fortgesetzt. Fast das ganze Haus besteht aus gläubigen Christen; nichtsdestoweniger wurden alle diejenigen, welche für die Zulassung der Juden ins Parlament sich erklärten, mit anderen Worten, diejenigen, welche glauben, daß man die Religion nicht einmischen dürfe, wo es sich um bürgerliche Rechte und Staatsangelegenheiten handle, von den Gegnern der vorgeschlagegeNen Maaßregel Ungläubige, Deisten und Atheisten u. 's. w. genannt. Hr. Law hielt eine lange Rede, in welcher er die Stimmung des Volkes als drohend darstellte. Der Graf.v. Arundel und Surrey, der Sohn des katholischen Herzogs von Norfolk, welcher der gcborne erste Peer des Reichs ist, sagte, er sei nicht alt genug, um selbst unter den Beschränkungen gelitten zu haben, welche (bis 1829) die Katholiken drückten. Aber er erinnere sich wohl an die tiefe Entrüstung seines Vaters und Großvaters über deren Ausschließung vom Parlamente. Es wäre daher natürlich, daß er Mitgefühl hätte für die Juden, welche jetzt eine ähnliche Erbitterung empfinden müßten. Er sprach am Schluffe seiner Rede die Hoffnung aus, daß ganz England zum Glauben feiner Väter zurückkehren werde. Lord Morpeth erinnerte daran, daß kürzlich der englische Minister den türkischen Sultan aufgefordert hätte, allen seinen Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens dieselben bürgerlichen Rechte zuzugestehen. Er hoffe, daß die heutige Abstimmung dem Sultan die Gelegenheit nehmen würde, zu antworten: „Thut erst selbst nach Euren Worten." Lord G. Bentinck erklärte sich ebenfalls für die Maaßregel und drang auf Herrn Goulbourn ein, der sich früher der Zulassung der Katholiken widersetzt und doch als Minister, da O'Connell, mit einigen Millionen Katholiken hinter sich, an die Thür des Unterhauses geklopft, sich nicht zu widersetzen gewagt hätte. Und wie könne Goulbourn gegen die Zulassung der Juden in das englische Parlament sprechen, da er nicht blos als Minister, sondern auch als Pflanzer von Jamaika für die Zulassung der Juden in das Parlament von Jamaika gestimmt hätte? Lord John Russell gab zum Schluffe den Wortlaut feines Antrages: „Daß es wünschenswerth sei, alle bürgerlichen Unfähigkeiten abzuschaffen, welchen die jüdischen Unterthanen Ihrer Majestät bis jetzt unterworfen waren, mit denselben Ausnahmen, welche für die römischkatholischen Unterthanen Ihrer Majestät gestimmt sind." Der Antrag wurde mit 253Stimmen geg en 186 ang enomm en. Das Haus konstituirte sich darauf zum Generalcomito und adoptirte die von Lord John Russell beantragten Resolutionen, auf

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