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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-03 · Heft 2 (3.1.1848) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 2 (3.1.1848)
Date
1848-01-03
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 um Zulassung von Juden zum Parlament, sei mehr eine prinzipielle als eine politische. Von dem Gesichtspunkt ausgehend, daß jeder Engländer, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, die Vortheile der britischen Konstitution in Anspruch nehmen dürfe, stellte er die Ansicht auf, daß Juden zu gleichen Rechten mit den Christen zugelassen werden müßten, wenn man nicht Nachweisen könne, daß sie sich als schlechte Bürger aufführten. Da er jedoch um keine eigentliche Gunst für.seine israelitischen Brüder nachsuchen wolle, so begnüge er sich damit, die aus christlichem Standpunkte erhobenen Einwendungen zu beleuchten. Zuvörderst verwahrte er sich gegen den Vorwurf der sogenannten Entchristlichung des Landes, durch Zulassung von Ungläubigen jeder Art zu öffentlichen Aemtern. Er bemerkte dagegen, daß die Unterschriften einer Glaubensformel noch keintsweges einen sichern Beweis für die wirklichen Glaubensmeinungen des Unterzeichners gebe. England werde ein christliches Land genannt, obgleich seine Bevölkerung aus Bekennern verschiedener Religionen bestehe; ebenso würde eine.Legislatur noch immer christlich heißen, wenn sie auch einige jüdische Mitglieder enthalte. Die Maaßregeln gegen die Juden stammten mehrentheils aus der finstersten Periode des Katholizismus. Er läugnete ferner, daß die Zulassung der Juden in's Parlament konstitutionswidrig sei,. weil das Christenthum einen integrirenden Theil der Landesgesetze bilde; es komme aber in der Legislation Nichts vor, wodurch die Juden ausdrücklich vom Parlamente ausgeschlossen werden. Er bestritt ferner, daß die Juden eine abgesonderte Bevölkerung bildeten; sie waren vielmehr in England wie in Frankreich ihrem Lande zugethan und mit der Gesellschaft vielfach verzweigt, und wenn sie vielleicht nicht dieselbe Vaterlandsliebe empfänden, wie die Christen, so sei das die Schuld der gegen sie ausgeübten Verfolgung. Wenn einige Zeloten sich auf die Prophezeihungen beriefen, wodurch die Zerstreuung der Juden in alle Welt ausgesprochen sei, so lasse sich daraus gar kein Beweis ziehen. In Frankreich würden die Juden bereits zu allen Aemtern zugelassen und in England selbst sei kürzlich ein Jude zum Alderman der City erwählt worden. Wer möchte es wagen, den Prophezeihungcn ein Ziel zu stecken und zu behaupten, daß der göttliche Wille es gestatte, einen Juden zum Alderman zu machen, aber nicht zu einem Parlamentsmitglieder Wie sehr übrigens das Vorurtheil geschwunden sei, beweise eben jene von 7000 Wählern ausgegangene Wähl. Schließlich forderte er das Haus im Namen der Konstitution auf, die letzte Spur barbarischer Vorurtheile zu beseitigen und beschwor dasselbe im Namen der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Christenthums, das eine Religion der Liebe und des allgemeinen Wohlwollens sei, seinen Antrag zu genehmigen. Lord John Rüssel setzte sich unter einem entschiedenen Beifall des Hauses. Ihm traten entgegen : Sir Robert Jnglis, Lord Ashley, Sir Thomas Aucland. Zuerst erhob sich gegen Lord I. Russell Hr. R. Jnglis, in welchem sich die Hochkirche gleichsam verkörpert hat. Es sei gegen alle Sitten und Ueberlieferungen, sagte er, daß Juden in das Parlament gewählt würden; eben sowol könnten Mohamedaner und Perser verlangen, in dasselbe einzutreten. So gut man von jedem, welcher im Hause feinen Sitz nehmen wolle, ein gewisses Vermögen fordere, ebensowol könne man von ihm einen gewissen Glauben verlangen. Wenn Juden im Hause saßen, so könne man ja nicht ferner, wie bisher, ehe man die Geschäfte vornehme, das Gebet verrichten, worin es heißt: Christus, erbarme Dich unser! England sei ein christliches Land und müsse es bleiben. Die bedeutendste Rede, schon in Betracht dessen, welcher sie hielt, war die von Lord Ashley. Die Juden haben keinen wärmern Freund, ja, nach seinen eigenen Worten, keinen großem Verehrer, als diesen edeln Menschenfreund. Lord Ashley ist der eifrigste Gönner der Gesellschaft zur Bekehrung der Juden, welche jährlich über 20,000 Pf. St. freiwilliger Beiträge in allen Theilen der Welt zu ihren Zwecken verwendet. Die Stiftung des Bisrhums Jerusalem ist, soviel England dazu gethan hat, seiner Hände Werk. Er erklärte in seiner Rede, er betrachte den ärmsten Israeliten mit Gefühlen, welche der Ehrfurcht nahe kämen. Er sagte, die Juden wären ein Volk von mächtigem Verstände, einem gebildeten Geiste und einem Eifer für die Wissenschaften, daß sie es mit dem unermüdlichsten Deutschen aufnähmen. Und trotz all dem erklärte er sich dagegen, daß ein Jude zu den hohen und feierlichen Rechten zugelassen würde, im britischen Parlamente Gesetze zu geben, da er sich nicht bekenne „zu dem wahren Glauben eines Christen." (Worte der Eidesformel, derentwegen Roth-

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