Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-01 · Heft 1 (1.1.1848) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 1 (1.1.1848)
Date
1848-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225551-3225553--09079-3237315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14 6) Blumenau beantragte die Anlegung eines Konferenzbuches, welches zur Eintragung von pädagogischen Ansichten, Erfahrungen aus dem Schulleben rc. unter den Mitgliedern zirkulkren müsse. 7) Endlich theilte Cahn einigen Konferenzmitgliedern seine Methode der Bruchrechnung mit, welche beifällig ausgenommen wurde. Nachmittags 44/2 Uhr schloß die Konferenz ihre Arbeit. Hierauf begab man sich in die Synagoge. Der Gottesdienst an Freitag Abend, wie am folgenden Morgen fand unter theilweiser Mitwirkung der Konferenz statt. Der Lehrer Badt hielt einen Vortrag über die erforderlichen Eigenschaften eines Lehrers. Der KVst. hielt eine Ansprache an die Gemeinde über Synagoge und Schule, als diejenigen Anstalten, welche die höchsten Interessen der Gemeinde vertreten und verbreitete sich über die großen Verdienste der Gemeinde Petershagens um Förderung dieser hochwichtigen Anstalten in vielen Gemeinden Westphalens durch die höchst uneigennützige und aufopfernde Unterhaltung von jüdischen Schulaspiranten seit fast zwei Iahrzehenden. Nachmittags machten fämmtliche Lehrer einen gemeinschaftlichen Spaziergang nach dem benachbarten Ofenstedt, wo man sich der traulichen und gemüthlichen Unterhaltung hingab bis zum Ausgange des Sabbats. Alsdann wurde eine kurze Diskussion über den Kultus zu P. eröffnet. Man war über die Würde des Gottesdienstes, so wie über die Theilnahme der ganzen Gemeinde an demselben sehr erfreut, indeß fand man denselben doch etwas überladen. Auch schien es der Konferenz wünschenswerth, die Haphtoras aus dem wohlbekannten Grunde unübersetzt zu lassen. Hierauf fand die Wahl des Vorstandes statt; es wurden gewählt: 1) als Vorsteher: Wolff aus Lübbecke, 2) als Stellvertreter: Cahn aus Oestinghausen. 3) als Gesangmeister: Blumenau aus Hovestadt, 4) als Stellvertreter: Kaufmann aus Bünde. Der Gesangmeister übernahm das Arrangement einer Anzahl passender Lieder und versprach spätestens binnen 6 Wochen von der getroffenen Wahl, so wie von der regelmäßigen Vertheilung der Stimmen den KVst. in Kenntniß zu setzen. Die neu eingetretenen Mitglieder zahlten nun ihren Beitrag zum Lesezirkel und wurde über die Anschaffung neuer Schriften ein gemeinsamer Beschluß gefaßt. Für die 7. Konferenz, welche am 27., 28. und 29. Avril k. I. in Hovestadt abgehalten werden soll, sind folgende Arbeiten übernommen: 1) Von Cosmann, die Uebersetzung der ersten Bogen des in der A. Z. d. I. sehr günstig beurtheilten französischen Weckes von Crehange: La Semaine israelite. 2) Von Cahn und Schneidacher I., die Ausarbeitung der vom KVst. vorgeschlagenen hebräischen Fibel. 3) Von Blumenthal ein Referat über Dinter's Sittenlehce. Hierauf erklärte der KVst. die 6. Konferenz für geschlossen. Die Lehrer verweilten noch einige Stunden in Ofenstedt, trafen erst gegen 19^2 Uhr inP. wieder ein und traten am folgenden Morgen 8 Uhr ihre Rückreise an. Ueberschauen wir nun die Resultate der 6. Konferenz, so dürfen wir sie wol mit Recht unter allen bisherigen als die bedeutendste bezeichnen. Wir rechnen demnach um so mehr auf den Beifall unserer Gemeinden, als wir nun auch begonnen haben, den Kultus in den Kreis unserer Besprechungen zu ziehen, von dem Grundsätze ausgehend, Schule und Synagoge müssen sich gegenseitig unterstützen und ergänzen. Das Bedürfniß einer Kultusreform ist bereits von der Majorität der unbedeutendsten Dorfgemeinden anerkannt, aber nur bei intellektueller und moralischer Hebung der Schulen kann ein geläutertes Religionsbewußtsein, folglich auch ein veredelter und veredelnder Kultus denkbar sein. Eine auf diesem Wege sich entwickelnde Reform ist eine organische, naturgemäße, also die einzig wahre und richtige; jede andere aber ist naturwidrig, eine Abnormität und deshalb verwerflich. Mit einer solchen Reform wird die Konferenz sich nimmermehr befreunden. Ich kann diesen Bericht nicht schließen, ohne den echt kollegialischen Geist der Konferenz rühmend zu erwähnen. Dieser hatte sich dadurch bethätigt, daß mehrere Lehrer interessante Werke ihrer Bibliothek zur Disposition der Konferenz gestellt, andere sehr werthvolle Bücher zu einem äußerst billigen Preise osserirt haben b'D turte int üssb tt'hi ‘jrp Auch verdient die wahrhaft patriarchalische Gastfreundschaft der jüdischen Gemeinde zu Petershagen unsere dankbarste Anerkennung. Endlich noch ein Wort an diejenigen, welche aus irgend einem unlauter» Grunde unser schönes junges Institut verunglimpfen und mit ihrem ekelhaften Geifer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.