Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1848)
- Date
- 1848-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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io Aub zu Baireuth für die wahrhafte Aufllärung im Judenthume sehr belobt und anderen Rabbinern des Landes zur Nacheiferung empfohlen wurde. An der Spitze des Ministeriums d. I. steht v. Wertes, ein Mann von liberaler Gesinnung, welcher um dieser Gesinnung willen unter dem Regimente des Ministers Abel aus dem Ministerium zu einer Kreisregierung versetzt wurde. Ueberhaupt. dürfen wir baierische Israeliten die Erwartung hegen, daß nicht leicht noch ein Minister, wie Abel, so sehr gegen die Stimme der Zeit kämpfen und die gerechten Wünsche der Juden kalt zurückweisen werde. — Daß übrigens diese Recherchen und Gutachten, welche von den obersten Verwaltungsstellen gewünscht werden und welchen die Tendenz zu Grunde liegt, unserer Stellung im Staate eine bessere Gestaltung zu geben, in Folge der ständischen Anträge verlangt werden, unterliegt keinem Zweifel. Nachdem die diesjährige Kammer ihren frühern Antrag auf eine Revision des Ediktes vom Jahre J813 erneuert hatte, konnte die Staatsverwaltung nicht fortan ihr Ohr verschließen und die Stimme der Abgeordneten unbeachtet lassen. Wenn daher bisher so Manche in ihrer Superklugheit ausriefen: „wozu dieses Petitioniren bei der Abgeordnetenkammer, das doch Nichts hilft!" — so mögen sie aus der Erfahrung die Belehrung schöpfen, daß der Mensch an seiner gerechten Sache nie verzweifeln soll, indem das Gute, wie lange auch sein Kampf gegen das Böse dauere, am Ende den Sieg erlangen müsse. Auch unseren baierischen Gemeinden, welche bis jetzt gar zu lau und saumselig in dem Streben nach einer bessern bürgerlichen Stellung sich zeigten, darf diese Wahrheit an das Herz gelegt werden, nie zu verzweifeln und nie zu rasten in diesem edeln Streben nach vollkommener Emanzipation, sondern bei jeder Ständeversammlung von Neuem stets anzuklopfen und mit ihren Bitten nicht zu schweigen, bis ihnen Gewährung geworden. Wir haben unsere Kritik des Ediktes schon in unserm vorigen Schreiben versprochen, wollen jedoch für heute die Geduld des Lesers nicht länger in Anspruch nehmen. Nur auf das Eine machen wir aufmerksam, daß während in dem den Kultus betreffenden Edikte die Zuziehung und das Gutachten intelligenter Israeliten gewünscht wird, in dem die bürgerlichen Verhältnisse betreffenden Edikte der Beirath sachverständiger Israeliten nicht verlangt wird. Wir wollen indessen diesen Unterschied nicht als ein böses Omen nehmen, sondern annehmen, daß in Beziehung auf den Kultus der Rath einsichtsvoller Israeliten unentbehrlich erschien, bezüglich der bürgerlichen Verhältnisse jedoch die Wünsche der Israeliten bekannt sind und die Regierung hier keiner weitern Berathung bedurfte. — Unser nächster Bericht wird hoffentlich schon über manches eingegangene Gutachten Mittheilungen zu machen im Stande sein. Das Reskript lautet: : „Gemäß höchstem Reskripte des königl. Ministeriums des Innern dd. 17. praes. 23. November l. I. betreffend die Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen im Königreiche, erhalten die Distriktspolizeibehörden von Oberfranken den Auftrag über die in der anruhenden exemplifizirten Ueberflcht enthaltenen Fragpunkte die geeigneten Erhebungen zu pflegest und deren Ergebniß in der vorgeschriebenen tabellarischen Form bis 1. Februar 1848 unfehlbar zum Einlauf der unterfertigten Stelle zu bringen, zugleich aber auch sich darüber gutachtlich zu äußern: a) ob und inwieweit hiernach die auf die bürgerlichen und Gemeindeverhältnisse der Juden bezüglichen Bestimmungen der §§. 1 bis 22 inkl. des Edikts vom 10. Juni 1813 außer Wirksamkeit zu setzen oder durch welche andere Bestimmungen zu ergänzen oder zu ersetzen wären? b) in welchen Beziehungen von den Juden ünd gegen dieselben gegründete Beschwerden vorliegen und auf welche Weife denselben nachhaltig abzuhelfen sei; dann c) welche Erleichterungen den Juden etwa hinsichtlich der ihnen lediglich als Juden obliegenden Leistungen und Abgaben zu gewähren wären? endlich d) ob und in welchem Maaße in den letzten 5 Jahren Auswanderungen der Juden stattgefunden haben? Königl. Regierung von Oberfranken, Kammer des Innern. Stenglein, Präsident." Die Uebersicht fordert eine Angabe der Familienzahl und zwar der in der Grenze der Matrikelzahl, der über die ordentliche Matrikelzahl und der ohne Eintrag in die Matrikel ansässigen Juden, dann der der Seelenzahl mit Inbegriff der auch auswärts dienenden Familienglieder, ferner der Gewerbe Und sonstigen Berufsarten, auf welche die Familien ansässig sind, endlich des Verhältnisses der Israeliten zu den christlichen Gemeindegliedern hinsichtlich der Familien-