Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1848)
- Date
- 1848-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 sicht nur noch ein mehr geregelter Leich enköndukt zu wünschen übrig. — Der zweite Verein, vom Herrn Lehrer Stenzel 1841 in's Leben gerufen, erfreut sich sowol der heilsamsten Wirksamkeit, als auch der Segnungen aller derer, die seiner Wohlthaten theilhast werden, und verdient es hier insbesondere Madame Markus Witkowska, die edle, thatkrästige, im Wohlthun unermüdliche Vorsteherin dieses Vereins — eine wahrhafte Mutter der Waisen — in Verehrung und Dankbarkeit öffentlich genannt zu werden. Ein Verein zur Unterstützung verschämter Armen war vor einigen Jahren hier aufgetaucht, hatte indeß leider nur ein sehr ephemeres Leben. Am meisten beklagenswerth ist aber der Mangel eines Krankenverpflegungsvereins, wie solcher in vielen anderen, selbst kleineren Gemeinden besteht und vor Kurzem auch in Rakel bei Bromberg sich konstituirt hat. Es müßte aber die Tendenz eines solchen Vereins nicht wie dort eine blos einseitige sein, d. h. nur auf Geldbeiträge fundirt und ausschließlich den Armenkranken zugute kommend; vielmehr wäre es wünschenswerth, daß seine Wirksamkeit eine umfassendere sei. Die Vereinsmitglieder unter einander müßten neben den zu steuernden Geldkräften für die Armenkrankenpflege, noch die Verpflichtung übernehmen, sich selbst in Krankheitsfällen wechselseitig mit ihren Körperkräften zu dienen. Denn es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß sogar bemittelte und reiche Kranke, besonders in chronischen Fällen, der nöthigen Wartung entrathen müssen, weil selbst für Geld nicht immer, oder doch nur solche Leute als Mischmorim für die Nachtzeit namentlich zu bekommen sind, welche nachlässig und verdrossen dem Patienten die nöthige Hilfeleistung angedeihen lassen. — Die Gemeinde hat zwar seit längerer Zeit für die ärztliche Behandlung der Armenkranken ein jährliches Honorar etatsmäßig stipulirt, wie sehr diese aber dessen ungeachtet vernachlässigt werden, beweisen zur Genüge die häufigen Klagen derselben und wie sie lieber zu jedem andern, als dem eigentlichen Armenärzte ihre Zuflucht nehmen. Um nicht ferner dieses Geld zwecklos zu verausgaben, sollte die Gemeinde das besagte Honorar noch erhöhen und dem jungen so talentvollen als gescheidten Arzte Dr. Krysteller zu Theil werden lassen, zumal derselbe ohnehin bisher unentgeldlich und lediglich in Rücksicht der großen Kalamität die Armenkranken behandelt und außerdem noch rühmliche Dienstfertigkeit im Interesse der Gemeinde mehrfach an den Tag gelegt hat. Möchten doch diese wohlmeinenden Worte nicht ganz überhört werden und in der Brust Vieler einen sympathetischen Wiederhall wecken, damit was hier als Wunsch ausgesprochen, in Bälde sich zur Thal gestalte!! —- - Zum Schluffe wollen Sie . mir, hochgeehrter Herr, noch, gestatten, mit wenigen. Worten einer Feier Erwähnung zu thun, welche am 15. v. Mts., als am Geburtstage Sr. Majestät unsers Königs hier stattgefunden. Mittels eines von Seiten des wohllöblichen Magistrats erlassenen Programs wurden die Feierlichkeiten, wie sie an dem erwähnten Tage vor sich gehen sollten, angekündigt. Darin hieß es denn unter Anderm auch: daß Vormittags in der Domkathedrale und evangelischen Kirche solenner Gottesdienst und Predigt, Nachmittags erhöhete Andacht im jüdischen Tempel sein werde. Es war an einem Freitag und die Andacht begann um 3 Uhr Nachmittags, bei ganz erleuchtetem und von zahlreichen Personen beiderlei Geschlechts aus allen Konfessionen und Ständen gefülltem Gotteshause. Zunächst wurden mehrere passende hebräische Gesänge von einem kräftigen Knaben- und Mädchenchor, unter Direktion und Mitwirkung des Kantors mit Drchesterbegleitung abgesungen. Darauf folgte eine der Bedeutung des Tages angemessene Predigt, welche mit einem schönen Gebete für König und Vaterland schloß, woran sich wieder einige Gesänge und endlich der Abendgottesdienst erhebend anreiheten. — Möge das vorstehende, unwillkürlich etwas breit ausgefallene Referat als Einleitung dienen zu denjenigen, die ich nun von Zeit zu Zeit bei Vorkommnissen in unsrer Gemeinde und deren Environs mit Ihrer gütigen Erlaubniß zu machen gedenke, x. Mühlhausen, 1. Dezember. (Privatmitth.) Seit langer Zeit haben Sie keine Nachricht über den Zustand unsrer Gemeinde erhalten, aber sein Sie versichert, daß wenn auch nicht alles Gute und Lobenswerthe, was in unsrer Mitte geschieht, der Deffentlichkeit übergeben wird, so schreiten wir nichtsdestoweniger auf dem einmal betretenen Pfad weiter und die Einigkeit, die bei uns herrscht, wirkt segensreich zum Gedeihen des zeitgemäßen Fortschrittes. Ein Verein zur Beförderung des Ackerbaues und der Handwerke unter den Juden wurde hier vor Kurzem begründet und hat allgemeine Theilnahme gefunden. . . ..