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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-01-01 · Heft 1 (1.1.1848) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 1 (1.1.1848)
Date
1848-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 dahin bringen, daß die Wohlthaten der christlich-geistlichen Wittwenkaffen auch auf sie ausgedehnt werden. Allein wer das noch > bestehende Verhältniß des Rabbiners zum Staate kennt, wird den Rath zu solch einem vergeblichen Bemühen nicht geben; zumal da die abschlägige Antwort noch dadurch juridisch motivirt werden kann, daß dergleichen Fonds Legate und Schenkungen umschließen, welche nur für Christen gegeben wurden, demnach rechtlich auch nur für diese verwendet werden können. — Wir sind demnach nur auf unsere eigenen Kräfte hingewiesen, welche aber auch, weise und gewissenhaft angewandt, genügen, um den drückenden Alp vom Herzen zu entfernen, mit welchem der Gedanke: auch deine Frau und deine Kinder können in die Lage kommen, daß für sie gebettelt werden muß, uns fürchterlich bewegt und. quält. — Ja, meine theuecen Amtsbrüder! lasset uns in Liebe und mit Aufopferung unsere Kräfte vereinen; lasset uns besonders da, wo es gilt für Wittwen und Waisen zu sorgen, zeigen, daß jede sonstige Trennung in religiösen Ansichten schwindet, daß bei einem solchen reinen Streben nach wahrer Wohlthätigkeit die himmlische Liebe jene Kluft ausfüllt, welche das oft kleinliche Erdentreiben zwischen den Gliedern eines Standes gehässig schafft. Fern bleibe von diesem geweihten Boden jeder Dämon, welcher Israel in zwei feindliche Lager splittert! Hier wollen wir aufstehen wie ein Mann, denn es gilt einer wahrhaft edeln Sache! — Lasset uns aber auch an dem Gelingen nicht verzweifeln! Der Geist der freien Assoziation hat schon Riesenwerke geschaffen. Vordersamst wollen wir die Erklärung abgeben: wir sind bereit nach Kräften an der Begründung einer solchen Unterstützungskasse mitzuarbeiten. Ist der erste Grundstein gelegt, dann wird es an rüstigen Bauleuten nicht fehlen; haben wir durch jährliche Beiträge den Grundstock zu einer solchen Kasse gebildet, können wir den Gemeinden zurufen: sehet dieses haben wir mit unseren schwachen Mitteln zusammengebracht! dann finden sich in der Mitte einer jeden israelitischen Gemeinde gewiß wohlthätige Herzen, welche mit Freude ihre Gaben zum Aufbau eines solchen Heiligthums spenden. Noch ist Israel nicht verwaist! Auch wir dürfen hoffen durch Schenkungen, Kollekten und Legate einen eisernen Fonds zu begründen, auf welchen noch unsere spätesten Nachkommen, die Vorfahren segnend, ihre beruhigenden Hoffnungen bauen. — Vor Allem geht nun meine ergebenste Bitte an diejenigen Amtsbrüder, welche an der Verwirklichung dieses Vorschlages sich betheiligen wollen— und welcher gewkffeühafte Ehegatte unseres Standes wird eine solche Betheiligung muthwillig äblehnen! — der verehrt. Redaktion dieser .Blätter ihren Namen und, ihre etwa zu stellenden Vorschläge franko 'einzusenden, die .verehrt. Redaktion wird diese Einsendungen im Interesse der Sache gütigst veröffentlichen, und sind wir dann hierdurch von einer hinlänglichen Theilnahme an dem Unternehmen . überzeugt, so bestimmen wir entweder für sämmtliche Theilnehmer, oder, was noch zweckmäßiger wäre, für ein in diesen,Blättern noch zu bezeichnendes Konnte eine Zusammenkunft in Frankfurt am Main, als demjenigen Orte, wohin die Verbindungswege am Leichtesten führen, wo dann zur Berathung des Gegenstandes und zur Entwerfung der Statuten einige edle, einsichtsvolle Geschaftsmänner zugezogen und gebeten werden, uns bei Regulirung, Anlegung, Vertheilung u. s. w. der Finanzen mit ihrem umsichtigen Rache zu unterstützen. Und der Allmächtige, der gütige Vater der Wittwen und Waisen wird uns die Freude gewähren, recht bald ausrufen zu können: rrm (Jes. 60, 22.) Sind wir von der Nothwendigkeit einer solchen Anstalt überzeugt, dann lasset uns nicht saumen, sie sobald wie möglich in's Leben zu rufen, dabei uns aber sorgfältig hüten, wie dieses leider mit der Rabbinerversammlung geschah, sie zur Parteisache einer religiösen Faktion zu machen. Wir haben verlassene Wittwen und unmündige Waisen im Auge und diese sind unschuldig bei allen religiösen Wirren und Streitigkeiten. — Auf, Brüder! lasset in Liebe die Hände uns bieten „und das Werk unserer Hände wird uns gelingen, denn das Werk unserer Hände gelingt ja durch Ihn." Dr. S. Formstecher, Rabbiner. Nachschrift des Redakteurs. Unser verehrter Kollege hat sowol in dieser Aufforderung, als auch in seinem Begleitschreiben uns ersucht, die Sache in unsre Hand zu nehmen, und möglichst zur Verwirklichung beizutragen. Nun hat uns zwar eine mannigfache Erfahrung belehrt, daß Nichts schwieriger ist, als unter unseren Glaubensgenossen ein gemeinsames Werk zu Stande zu bringen, ja, die Hoffnung für ein Solches kann von vorn herein eine nur schwache sein; unsere Glaubensgenossen sind noch immer durch die fast zweitausendjährige Zerstörung zu sehr an einen blos lokalen Gesichtskreis gewöhnt; allein der Beruf der Journalistik ist es eben, die Ideen der Zeit rastlos aufzu-

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