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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-12-22 · Heft 52 (22.12.1845) · p. Seite 767

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 52 (22.12.1845)
Date
1845-12-22
Page
Seite 767 (sequence 11)
Language
German
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767 Bedeutsamkeit der Offenbarung gänzlich übersehen zu sein, wenigstens sieht man nicht ein, wann und wo dieselbe ihre Stelle haben könnte. Dem ist aber nicht also; wir lassen vielmehr dem hohe» Gedanken der Offenbarung vollkommene Gerechtigkeit widerfahren, nur muß derselbe richtig aufgefaßt werden. Des Menschen Herz ist der Thron, auf welchem Gott niedersitzet, um der Welt Heil zu verkünden; die Hervorbringungen des Menschcngeistes sind der Strom, in welchen der göttliche Geist sich ergießt; so wir die Wahrheit erkennen, offenbaret sich Gott als Wahrheit in uns. Nur eine solche Offenbarung erkennen wir im Leben des einzelnen Menschen, wie in der Entwickelung der Menschheit an. Wenn der Blitz des Gedankens aus den Wolken herniederfährt, da wird das Ohr von Tausenden nur betäubt von seinen Donnerworten, ihr Auge geblendet vom Souuenlicht der Wahrheit. Aber ein Einziger ist es, in welchem der Funke zündet und in welchem die Fackel der Begeisterung auflodert, die Jahrhunderte lang den Erdkreis weithin erleuchtet, erhellet. Jede andere Offenbarung aber, sei es durch Worte oder sonstige Zeichen, jede andere Offenbarung, welche den gesetzlichen Verlauf der Naturerscheiuungen umkehrt, müssen wir auf's Entschiedenste zurückweisen; denn diese zieht das Erhabenste in den Staub der Sinnlichkeit hernieder, während sie uns in Wahrheit aus dem Bereich irdischer Beschränktheit zu Gott emporheben soll *). Berlin, 19. Dezember. HI. Unsere bisherige Betrachtung hat die Menschennatur als den Boden ergeben, aus welchem die Religion erwächst; diese hatte drei Entwickelungsphasen: 1) Die Naturreligion, welche, da sie Gott als die Macht setzte, für den Menschen die Religion der Knechtschaft war; sie sollte daher ihre Vergeistigung in der Allmacht des Muhamedanismus erhalten. 2) Die Vorstellung einer Welt von guten und bösen Göttern mit menschlichen Schwächen und Fehlern; diese Anschauung sollte ihre Verklärung in der allwaltenden Liebe des Christenthums finden, und *) Wir geben die Skizzen der Vorlesungen des Herrn vr. S. Stern, so wie sie uns aus gewandter Feder übersendet werden. Allerdings stimmen wir in wesentlichen Punkten mit dem, was uns hier als vom verehrten Redner ausgesprochen gegeben wird, nicht überein. Redaktion. 3) das Judenthum, welches Gott als das einige, unendliche und unkörperliche Wesen erkannte und für den Menschen die Religion des Gedankens ist. Endlich ergab sich uns als die fernere Bestimmung dieser Religionen, daß sich das Christenthum und der Islam zum Gottesbegriff' des Judeuthums erhebe und dieses wiederum die seinem eigenen Schooße entsprungenen Prinzipien jener: die Liebe und die Allmacht Gottes nicht fowol erst in sich aufuehme, als vielmehr zur geistigen Höhe seiner Gottesidee hinauführe und durchbilde. Wir haben demnach wohl zu unterscheiden 1) das Judenthum in seiner ursprünglichen Stellung dem Heidenthum gegenüber und 2) in seiner Stellung zum Christenthum und Islam. 1) Zur Zeit als die Welt in den dunkeln Schleien der Nacht gehüllt noch im tiefsten Schlaf darnieder lag, als der Menschengeist noch von den schwarzen Schatten der Finstcrniß nmdüstert den Weg des Irrwahns und Lasters wandelte, da ging die Sonne des Judenthums auf, und verscheuchte die dicken Nebel des Jrrlhums und erleuchtete den Erdball mit dem Lichte der Wahrheit. Die Einheit, Unendlichkeit und Unkörperlichkeit Gottes, das ist der große Gedanke, durch welchen das Judenthum einen Wendepunkt in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit bildet, das der erhabene Gedanke, über welchen der Menschen Geist nun und nimmermehr hinauskommen kann. Er ist daher das Bleibende und Ewige im Judenthum. 2) Allein das Judenthum hat auch so manche niedere Begriffe der untergeordneten Religionsstufen in seine bereits vorhandene Religionsanschauung hineingetragen, wodurch jenes Mißverhältuiß entstand, welches die offene Seite des Judenthums gegen das Christenthum und den Islam bildet. Diese der GotteSidee des Judenthuws nnangewcssen aus dem Heidenthum hrrübergekommenen Vorstellungen sind nun das Vergängliche im Judenthum und machen eine fortschreitende Entwickelung desselben möglich und nothwendig. Hier entsteht aber nun die Frage: wo sind die Belege für unsere Ansicht von dem Inhalt und Wesen des Judenthums zu finden? oder welches muß die Quelle fein, ans welcher wir das Judenthum schöpfen, wenn wir einerseits den geschichtlichen Faden nicht gänzlich durchschneiden, andererseits auch der ungehemmten Zeitentwickelung ihr Recht nicht verkürzen wollen? 1) Man ist gewohnt, das Judenthum in einem Buche zu suchen, die heilige Schrift soll der alleinige Kanon der jüdischen Religion fein. Allein urit dieser Ansicht kann eine Religionsgcschichte un- 52**

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