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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-12-22 · Heft 52 (22.12.1845) · p. Seite 764

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 52 (22.12.1845)
Date
1845-12-22
Page
Seite 764 (sequence 8)
Language
German
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liefert. Nach beinahe vierstündigen mit dem lebhaftesten Interesse geführte Debatten wurde beschlossen, daß die Bestrebungen des Vereins sich fortan richten sollen-1) auf Hervorrufung, Belohnung und Verbreitung geeigneter Iugendschriften, 2) auf Heranbildung-, Empfehlung und Unterstützung tüchtiger Jugendlehrer, 3) auf Unterstützung der Gemeinden in ihren Bemühungen für geeigneten Schul- und Religionsunterricht der jüdischen Jugend, 4) auf Bemühungen zur Beseitigung herrschender oder aufkommender Vorurtheile gegen die Juden. 5) Auf Unterstützung und Hervorrufung tüchtiger wissenschaftlicher und künstlerischer Leistungen unter den Juden. - Die religiösen Bestrebungen wurden fast. einstimmig abgelehnt. Auch die Freunde der Reform stimmten gegen die Aufnahme derselben, um dem Vereine eine allseitige Theilnahrne zu sichern. Es wurde nicht für nvthig erachtet, die Förderung des Betriebes von Ge-, werbe und Ackerbau den Vereinszwecken beizugesellen, da Vereine zu ähnlichen Zwecken bereits in mehreren äLheilen des Landes bestehen. — Die Mitglieder der hiesigen Gemeinde, werden durch besondere Schreiben zum Beitritt aufgefordert werden und es wird binnen. Kurzem eine zweite Generalversammlung Behufs der Vorlesung und Annahme der vollständigen Statuten stattstnden. Nach erfolgter Genehmigung der Statuten von Seiten der Vorgesetzten Behörde wird der jetzige Vorstand zurücktreten und durch freie Wahl fammtlicher hiesiger Mitglieder gemäß den Statuten ein neuer Vorstand ernannt werden. —. Man sieht auch aus diesem Vorgänge, daß die Zeit vorüber ist, wo im Judenthume durch eine Reform ein Schisma mit allen seinen für das Gesammtwohl so nachtheiligen Folgen entstehen würde. Deutschland. Frankfurt am Main, 12. Dezember. Die gesetzgebende Versammlung hat gestern einen Beschluß gefaßt, die hiesige Judengemeinde betreffend. Schon seit Jahren war der Antrag gestellt worden, die Ehebeschränkungen, welche die hiesigen Juden betreffen, wenn diese mit fremden Juden sich verehelichen wollen-, aufzuheben. Es ist nun der Senat mit Stimmeneinhelligkeit (d. h. von 75 haben 74 dafür und 1 dagegen gestimmt) ersucht worden, ein Gesetz zu entwerfen, welches diese Beschränkungen äufhebt. Nun liegt es allein an dieser Behörde, dieser' Pharaonischen Maßregel ein Ende zu machen.; ' (D. A. Z.) Personal- und Lokalnachrichten. Fra nkfurt a. M. Ein Sohn des hiesigen Privatgelehrtenvr. I. Weil, Dr. Heinrich Weil, ist vom Minister des 'öffentlichen Unterrichts in Frankreich als Professor der alten Sprachen au der Universität zu Strasburg angestellt worden. Aus Sachs«n, 13. Dezember. Bekanntlich haben die Inden, noch immer in Sachsen von mancherlei Berufszweigen gesetzlich ausgeschlossen, auch das Recht nicht, zur Advokatur zu gelangen; doch ist dem Justizministerium die Befugniß ertheilt, ausnahmsweise im Dispeusationswege eine solche Zulassung auszusprechen, und jetzt eben hat sich der erste derartige Fall ereignet, indem das Justizministerium, dem Vernehmen nach unter vorheriger Berathung im Gesammtmiuisterinm und mit besonderer Genehmigung des Königs, dem auch als Schriftsteller (ganz neuerlich noch durch sein „Kirchenpatronatsrecht") bekannten Rechtskandidaten Isidor Ka i m aus Dresden die Dispensation zur künftigen Zulassung zur Advökatur ertheilt hat. (D. A. Z.) Korrespondenz. Berlin, 3. Dezember. Vorlesungen des Nr. S. Stern. II. Heute hielt Herr vr. Stern seine zweite Vorlesung über die geschichtliche Entwickelung der Religion und die Offenbarung. Nachdem er den Inhalt der ersten Vorlesung kurz resumirt und besonders den dort durchgeführten Gedanken hervorgehoben hatte, daß der Quell, der Religion wie des ReligionSbedürfnisses nirgends anders als im Wesen der menschlichen Natur selbst zu suchen sei, ging er zur Beantwortung der Frage über: Woher kommt es, daß bei. gleicherU Religionsbedürfniß doch das Religionsbewußtsein verschieden ist, daß bei dem in allen Menschen gleichen Ursprung der

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