Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1845)
- Date
- 1845-12-22
- Page
- Seite 763 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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76a scheiden. Bei den Mezania, vom Setif bis..Geboa einer-, und Biskara andrerseits giebt es viele beduinische Juden. Mehr als 140 Zelte finden sich in einem sehr engcn^ Kreise. Ihre Häupter haben an Herrn Albert Cohn Abgeordnete geschickt, um ihn zu bitten, für sie von der französischen Regierung die Ebene Sidi-Maubouk zu erlangen, in der Umgegend von Konstantine, um. sich anbauen zu können." (Die Broschüre des Herrn A. Cohn wird uns. Näheres über diesen anziehenden Gegenstand bringen.) (Arch, isr. de Fr.) Nordamerika. New-Uork, 19. Oktober. (Privatmitth). Der Professor LLines, der im vorigen Jahre Vorlesungen über die mosaischen Alterthümer, in diesem über jüdische Alterthümer in Clinton-Hall hielt, schloß in diesen Tagen dieselben, und ich theile Ihnen anbei die Schlußworte mit. Er sprach: „Nachdem, ich jetzt, meine Damen und Herren, meine Vorlesung für heute Abend geschlossen habe, erlauben Sie mir auch ein Wort im Interesse der jetzigen Repräsentanten des berühmten Stammes hinzuzusügen, dessen Gesetze und Institutionen wir jetzt betrachten. Ich habe es nicht im Manuskript vor mir, well es nicht eigentlich zu unserm Thema gehört; doch bitte ich Sie, einen Augenblick Geduld mit mir zu haben, während ich der tiefen Bewegung meines Herzens einen Ausdruck gebe. Was ich zu sagen wünsche ist diesesLassen Sie uns nicht zu der Zahl jener engherzigen und niedrigen Geister gehören, zu jenen bigotten Ausschließungsmännern, die, obgleich von dem Erbe Israels lebend, dennoch das Volk verachten und bedrücken, von dem sie ihr Erbe empfangen haben, In den meisten Ländern Europa's ist der Jude nur geduldet; in vielen werden ihm die gewöhnlichen, bürgerlichen Rechte .vorenthalten. Es werden ihm die Rechte entzogen, auf die er durch seine Geburt schon, als Mensch Anspruch hat; er wird behandelt, als ob er weder menschliche Rechte, noch menschliche Gefühle hätte. Unwissenheit, Vorurtheil und Aber-, glauben umgeben ihn noch immer mit einem diamantenen Wall bürgerlicher Beschränkung und seine Emanzipation ist noch im Schooße einer dunkeln und-entfernten Zukunft verborgen. Habe ich-doch selbst in Europa,- Asien und Afrika gesehen, wie er mißhandelt und beleidigt wurde und zwar auf solche Weise, daß mehr ,als einmal das Blut in meinen Adern-Pochte, daß ich mich abwenden mußte um zu weinen bei der Erinnerung an das, was er war, und bei dem Anblicke dessen, was er jetzt ist. Aus tiefster'Seele danke ich dem Gotte Israels, daß es unter uns stets anders gewesen ist und heute noch ist. Hier stehen Jude und Christ auf derselben Höhe politischer Rechte und bürgerlichen Ansehens. In diesem Augenblicke habe ich ja einen unserer Bürger vor Augen, einen Israeliten, der als Richter über eine christliche Gemeinde fungirt hat: das erste Schauspiel der. Art, welchesdie Welt je gesehen hat. (?) Ich bekenne, daß ich den Wunsch-gehegt, daß der Posten eines Gesandten in Konstantinopel, der durch den Tod des Kommodore Porter kürzlich erledigt ist, ihm.möchte übertragen werden; weniger indeß, er wird mir verzeihen, daß ich es frei heraus sage — aus Rücksicht auf ihn, als um dadurch den engherzigen Negierungen Europa's und Asiens einen Beweis von der Frecsinnigkeit der unsrigen zu geben. Der Ehrenmann in Baltimore, dessen Dienste vielleicht am Meisten in Anspruch genommen werden, wo es die Vertheilung und Verwaltung der Güter von Wittwen und. Waisen gilt, ist ebenfalls ein Jude — der ehrwürdige Salomon Etting, ein Patriarch von mehr als 80 Jahren, dem bei seinem Tode einst die Bevölkerung einer ganzen, großen Stadt als Leidtragende folgen werden. — Ich bin stolz auf den Katholizismus (d. h. den alle Religionen achtenden Geist) und die Freisinnigkeit meiner Landsleute. Ich fühle mich glücklich, daß in diesem Lande gleiche Rechte, die Nachkommen der Erzväter niemals durch Verfolgung in der friedlichen Stille ihres Heerdes ^gestört sind, und daß Ausschließung von politischen und sozialen Privilegien um der Meinung willen niemals gegen sie angewendet worden ist. - Und ich hoffe, daß wenn Jehovah die Nationen richten wird, er. in Gnade des Landes gedenken werde, welches den Söhnen Abrahams eine Heimat und einen Zufluchtsort gewährt hat. Preußen. Berlin, 14. Dezember. Die Generalversammlung des jüdischen KulturVereins, welche gestern zur Berathung der veränderten Statuten stattfand, hat ein sehr erfreuliches Ergebniß ge-