Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1845)
- Date
- 1845-12-22
- Page
- Seite 762 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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762 Wir vertraue» der väterlichen Huld unseres erhabenen Monarchen u. f. w. u. s. w. Die treugehorsamsten israelitischen Gemeinden der Provinz Mähren. (Folgen die Unterschriften.) Die bei-en Matrosen. Von Ludwig Wihl. In Odessa, in Odessa an des schwarzen Meers Gestade Stand der Kaiser aller Reußen auf der hohen Balustrade, Sah, soweit fein: Auge reichte, wie die stolzen Kriegsfregatten Im Manövre ihm zu Ehren auf's Kommando Posto hatten; Sah die Schiffe kühn wie. Adler feindlich aufeinander fliegen, Sah, wie diese muthig siegen, sah, wie jene unterliegen. Welch' ein Schauspiel groß und prächtig für das Aug' des Autokraten! — Ha, wie wächst auf seinen Beifall stets bkk^Eifer der Soldaten! — Doch vor Allen sieht er staunend zwei Matrosen, die zusammen Heldenmüthig kämpfe» wie zwei große Wetterflammen. Beifall winkt des Kaisers Gnade und er grüßt sie froher Miene, Nennt belobend laut die Beiden Offiziere der Marine. Diese, sich in Ehrfurcht beugend, treten in die Vorderreihe, Doch der Admiral erschrocken rufet: „Czar, o Czar, verzeihe! : Weißt Du, Herr, denn nicht, daß Beide dem verhaßten Stamm entsprossen, Der das Blut des Weltenheilands Jesu, unsres Herrn, vergossen?" . „Inden sic? — versetzt der Kaiser —. Gut, das Wort des Czaren bleibt bestehen, Doch sie müssen Christen werden, und zur Kirche übergehen!" Ach, in ihres Glückes Blumen ist zu schnell der Sturm gefahren; . Eine Gnade zu erbitten wagen zitternd, sie vom Czaren: „Laß uns, Herr und Kaiser, würdig ^Deiner Huld, uns Beide^ zeigen,' Laß uns Beide in die Tiefe, in das Meer hinuntersteigen. Daß wir als todmuth'ge Taucher Deinen Beifall auch erringen; .Dir zu Ehren wird das Höchste, Herr und Kaiser, uns gelingen!" „Bravo! Bravo! — rief der Kaiser — halt' ich solcher Juden viele, Wär', ich längst mit euch, Tscherkessen, ihr Rebellen, schon am Ziele, Und der Osten und der Westen wäre längst mir zugefallen. Und der Ruhm von meine» Siegen würd' in China wiederhallen." So der Kaiser. Siehe, wie die Augen Aller sich auf die Matrosen lenken, Die wie Brüder sich umarmen und sich in die Fluchen senken; Siehe, wie sie untertanchen, die gefei'rten, kühnen Schwim- . > wer. Höre sie Jehova preisen und versinken dann für immer. In Odessa, in Odessa auf unheimlich schwarzem Meere Starben diese Juden beide ihrem Glauben, ihrer Ehre! Zeitmrgsnachrichten. Frankreich. Paris, 5. Dezember. Der König hat die neugewählten Konsistorien bestätigt. Die Notabeln von Paris werden zusammenberufen, um die durch Cremieux vakant gewordene Stelle zu besetzen. — Die Epoque giebt folgende Statistik der Schulen: katholische Bevölkerung 33. Millionen : 1 Schule auf 581 Individuen; protestantische '1,100,-000:' 1 Schule auf 1,018 Individuen; israelitische 80,000.: 1 Schule auf 695 Individuen. — 2>te France algerienne enthält einen sehr interessanten Artikel ,,über die jüdischen Stamme in Algerien.-" Es geht aus demselben hervor, daß un'ter den eingebornen Stämmen eine sehr beträchtliche Zahl Israeliten existirt, die auf dem Fuße völliger Gleichheit mit den Arabern leben, mit ihnen als Landbebauer und Krieger lebend. Wie sie und vermischt mit ihnen, führen sie die Pflugschaar, und bewaffnen sich mit dem Kabylenkarabiner, um in ihren. Reihen zu fechten. „In der ganzen Provinz Konstantine," sagt die France alger., „sind die Kabylenländer voll von Juden, die sich durch kein äußerliches Zeichen von den anderen Eingebornen unter-