Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1845)
- Date
- 1845-12-15
- Page
- Seite 752 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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752 durchgegangen, daß die jüdischen Philosophiestüdirenden hier promoviren können — was bis jetzt. die Eidesform verhinderte — es wird nun die Bestätigung des Ministeriums erwartet. Rußland. Petersburg, 24. November. Die Vertreibung der Juden von dem platten Lande selbst in den wenigen Gouvernements, die ihnen zu bewohnen gestattet sind,-hat ihren Anfang genommen durch einen Mas vom 6./I8. September: 1) Die Juden dürfen nicht mehr in Schenken, Wirthshausem rc. wohnen, überhaupt in keinen Häusern in denen geistige Getränke .ausgeschenkt werden; 2) sie hürfen den Detailverkauf von Branntwein, Spiritus, Liqueur, Bier und Meth weder selbst besorgen noch durch Christen besorgen lasten; 3) keine geistigen Getränke auf Dörfern, Feldern, Straßen zum Verkaufe herumtragen, gleichviel ob zum Austausche gegen Waaren und. Feldfrüchte oder zum Traktiren; 4). keine eignen Brauereien haben; 5) keinen Branntwein brennen, noch geistige Getränke bereiten ohne ausdrückliche Genehmigung der Negierung, und diejenigen Juden, die Schenken, Wirthshauser u. bergt.' m. auf Grund rechtsgültiger Kontrakte, noch jetzt inne haben, dürfen in denselben nur noch so lange verbleiben, bis der im Kontrakte festgesetzte Termin abgelaufen ist. Der Engroskauf von geistigen Getränken ist ihnen .erlaubt, doch nur mit der Bedingung, daß sie. davon nicht weniger als eine Tonne verkaufen; auch sind sie in diesem Falle, verpflichtet, einen Ausweis bei den Kreisgerichten nachzusuchen und. diesen bei der jedesmaligen Entnahme von geistigen Getränken, den betreffenden Polizeibehörden vorzuzeigen. Die jüdischen Kaufleute und diejenigen Juden, welche in Städten wohnen, haben jedoch die Erlaubniß,n alle kaufmännischen Niederlagen und ländlichen Grundstücke in Pacht zu nehmen, in denen geistige Getränke weder bereiter noch verkauft werden; ferner Gast- :und Einkehrhäuser, jedoch nur in Städten, Mahl- und Walkmühlen sowie andere Pachtgegenstande, bei denen geistige Getränke weder bereitet noch verabreicht werden, nur an solchen Orten, wo ihnen der Aufenthalt gestattet ist. ' . —. Sieht man genauer in das . Innere dieses Ukases hinein, so erblickt man das, was wir hinlänglich? angedeutet haben. Man trennt die armen Juden von den Besitzenden, und versetzt die ersteren in das höchste Elend, indem man 100,000 Familien mit einem Male brodlos machtwodurch man die Besitzenden zugleich weniger em- -psindlich und zu Opfern geneigt macht für ihre ärmeren Brüder, weil die Roth keine gemeinschaftliche ist. 106,000 brodlose Familien, ich möchte Eure Schatten nicht um mein -Sterbebett haben, selbst für die Herrschaft über die ganze Erde nicht! Personal- und Lokalnachrichten. Krüssel, 17. November. Am 16, November fand in der Augustinerkirche m Gegenwart des Ministers des Innern, des Hofs und eines überaus zahlreichen Publikums die feierliche Preisvertheitung an die Schüler des Konservatoriums statt. Den ersten Preis in der Komposition erhielt der zwanzigjährige Abraham Samuel, ein Israelit aus Lüttich, dem Geburtsorte Grötry's, Dieser Preis besteht in einer Lorbeerkrone und in. 10,000 Fr., für . welche der junge Komponist verpflichtet ist, vier Jahre lang Deutschland, Frankreich und Italien zu seiner fernern Ausbildung zu bereisen. Derselbe Abraham..Samuel erhielt auch den ersten Preis im Orgelspiele. Die Preiskantate wurde aufgeführt und mit großem Beifall ausgenommen. Der König ließ den gekrönten Sieger vor seine Loge kommen, und er und die Königin sagten ihm viel. Freundliches. Danzig, 20. November. <B. Z.) Als ein lobenswerther Fortschritt in der Humanität verdient bekannt zu werden, daß bei dem Vorstande der hiesigen Ressource Konkordia, welche bisher keine Juden als Mitglieder aufnahm, der Vorschlag durchgegangen'ist/ diese Ausweisung künftig fallen zu lassen und bei der.Aufnahme neuer Mitglieder nicht auf das Glaubensbekenntniß zu achten. H amb urg, 3. Dezember. (Privatmitth.) Auf seiner Reise nach Bochara giebt Herr Joseph Wolff dm türkischen General Jochmus. Bey'' für einen Hamburger Juden aus, und deutet au, daß dieser es ihm selber gesagt.. Der Missionär Wolff, der in allen tüchtigen Menschen gern jüdische Renegaten sieht — manmerkt leicht warum — berichtet hier ganz falsch, denn JochmuS-Bey stammt aus einer frommen protestantischen Familie hier