Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1845)
- Date
- 1845-12-15
- Page
- Seite 751 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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751 Propheten zu werden, führe aber einige Erscheinungen an, welche meiner Meinung einige Folie geben. Sie mögen zugleich die Gegenstände meines heutigen Berichts bilden, an welche sich einige erquicklichere Erscheinungen reihen sollen. In Fürth sollte ein funktionirender Major bei der Landwehr, Herr Lewin, zum wirklichen Major avanciren; er wurde allerhöchsten Orts nicht bestätigt, weil dies ein Staatsamt sei, das ein Jude nicht begleiten dürfe. Der wackere Mann wird seine Entlassung nehmen. — Bei der Aufnahmsprüfung am Seminar in Schwabach ward es den jüdischen Präparanden freigestellt, ob sie sich in der Religion rc. einer Prüfung bei dem Rabbiner unterwerfen wollen, dieser Gegenstand gebe keine Note. Bei den christlichen Examinanden aber gab er die Hauptnote. — Daß ein Jude nach neuer Kommentirung des Gesetzes nicht Militärarzt werden dürfe, und ein Schullehrling, weil Israelit, keinen Anspruch auf Unterstützung aus dem Kreisfonds machen könne, habe ich bereits früher in diesen Blättern berichtet. Die Dispensationen vom Besuche des Seminars an angebliche Schullehrlinge werden immer häufiger. — Da- . gegen ist es erfreulich, daß die königl. Regierung von Mittelfranken bei Errichtung neuer israelitisch-deutscher Schulen einer erleichternden Ansicht huldigt, denn wahrend der Errichtung einer solchen in Wittelshofen von Seiten der christlichen Gemeinde und des Schullehrers Hindernisse in den Weg gelegt werden konnten, waren die Einwände von dieser Seite in Markt Erlbach fruchtlos, und die königl. Regierung hat bereits, mit Abweichung aller Ansprüche wegen früherer Fassion, den Lehrer daselbst bestätigt. — Dem Vernehmen nach soll der Mädchenrauber Werner vom Appellationsgericht.zu sechs Jahren. Zuchthaus verurteilt worden sein. Man ersieht auch aus diesem Allen, daß unser gesetzlicher Zustand ein sehr schwankender und daß den Ansichten einzelner Referenten freier Spielraum gegeben ist, daß aber auch oft gerade die erschwerendste Seite heraußgekxhrt wird. Möge daher Gott es verhüten, paß wir durch, ein neues Gesetz nicht nach dieser erschwerenden. Seite auf lange Zeit gebuudey Weden; möge er's inshesoyhere verhüten, daß unser MUlch gedeihendes; Synagogen und .Schulwesen dMch-./M Sichselbstüherlassen seinem Rückgang ent- Mengesührt werde. Wir werden bei Besprechung dieses Gegenstands in der Kammer Gelegenheit nehmen, ihn näher zu erörtern und bemerke ich nur noch, daß man der Vorlage eines Gesetzentwurfs bezüglich' unsrer Verhältnisse in den nächsten Tagen erst sich wird vergewissern können. Wahrhaft erhebend ist, daß in Fürth der alte Sinn für Wohlthätigkeit auf's Neue auflebt. Ein Zeichen davon giebt nicht nur der Vorstand daselbst durch das neue, von einem Architekten jüdischer Konfession erbaute, auch äußerlich einen imposanten Anblick gewährende Krankenhaus, sondern es fließen demselben auch allerseits Fundirungen zu. So erhielt der dortige Rabbiner zu diesem Zweck 500 fl. anonym zugeschickt und eine Wittwe daselbst hat ein von ihrem verstorbenen Gatten gemachtes bedeutendes Vermächtniß, von dem Niemand Kenntniß hatte, kürzlich dem Vorstande ausgeliefert. Auch giebt man sich dort der Hoffnung hin, die Parteien werden sich mit der Zeit aussöhnen; man sieht wenigstens sehr oft die Söhne und Enkel der Hyperorthodoxen in der Altschule die ausgezeichneten Predigten des Herrn Rabbiners Dr. Loevi mit anhören, und welche Fülle von überzeugender Kraft diesen inwohnt, ist bekannt. Auf die übrigen Gemeinden des Landes würde eine solche Aussöhnung nur wohlthätig wirken. Kr. Württemberg, 28. November. (Privatmitth.) Dem in dieser Zeitung jüngst gegebenen Bericht aus Stuttgart fügen wir hinzu, daß das königl. Ministerium des Innern ferner die israelitische Oberkirchenbehörde beauftragt hat, eine Ueberstcht über die Berufsarten, welche die Israeliten im Königreiche selbstständig betreiben,, oder denen sie sich — sofern sie noch nicht selbstständig sind — widmen, aufzunehmen und vorzulegen. Die israelitischen Kirchenvorsteherämter find nun beauftragt, hierüber gewissenhaft und pünktlich zu berichten. Möglichste Beschleunigung dieses Geschäftes wird anempfohlen, da höhem Orts auf die Vorlage dieser statistischen Notizen gedrungen wird. Möchten sich unsere gerechten Hoffnungen und Wsiusche bald realisiren! Preußen. Breslau, 30. November. (Privatmitth.) - Bei der hlesigen philosophischen Fakultät ist der Antrag