Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1845)
- Date
- 1845-12-08
- Page
- Seite 741 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225440--07378-3237264- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
741 Wirksamkeit und Gesinnungstüchrigkeit im Namen der Behörden aussprach) auch sein Jugendlehrer, derPrkvatcabbiner und Vorsteher des dortigen israelitischen Privatinstituts, Gutmann, hielt ihm eine Grabrede; zuletzt verlas der israelitische Lehrer des Orts den Lebenslauf des Heimgegangenen und die letzten Verse obengedachten Liedes nebst dem Gebete „Hazur tamim" beschlossen die der Würde und dem Verdienste des Entschlafenen gewiß angemessene Leichenfeier. Sein Andenken wird lange in Segen bleiben. Er hinterlaßt eine junge trauernde Witwe, zwei unerzogene Kinder, betagte Eltern, deren Freude und Stolzer war. Mit ihm gehen seltene talmudische Kenntnisse zu Grabe. Von der anerkannten Umsicht der hohen Behörden läßt sich erwarten, daßbei Wiederbesetzung des Landrabbinats auf einen eben so intelligenten als gesinnungstüchtigen, thatkraftigen, dem besonnenen Fortschritte des Judenthums huldigenden und dieses nach allen Seiten hin vertretenden Rabbiner Bedacht genommen wird. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 30. November. Lehr- und Lesebuch zur Sprache der Mischnah. Von vr. A. Geiger, Rabbiner. Breslau, 1845. Wir haben das erste Heft dieses Werkes, das Lehrbuch enthaltend, bereits früher angezeigt. Dieses vorliegende Heft soll zum Lesebuch dienen. Es sind deshalb in zwei Abschnitte Stücke aus der Mischnah zusammengestellt, in die erste: Ethisches, Dogmatisches, Antiquarisches und Hagadisch-Exegetisches 32 Stücke, in die zweite Halachisches 13 Stücke. Zu diesen sind nun die abweichenden Lesarten, Hinweisungen auf das Lehrbuch und sachliche Ausführungen in, den Text an Umfang weit übertreffenden Anmerkungen und ein Glossar gegeben. Wenn G. in diesen Anmerkungen nicht einfach bei dem Gegenstände verblieb, sondern „die weitere geschichtliche Entwickelung der Ansichten im Verlaufe des Judenthums, insofern als durch diese Fortbildung und Umwandlung die Erklärung der Mischnah selbst influirt ward, darstellte" — so sind von ihm hierin wirklich sehr nützliche Winke und sehr schätzbare Bemerkungen gegeben worden. Aber mit der Anlage des Ganzen können wir uns nichts weniger als einverstanden erklären. Als Lesebuch enthält das Heft viel zu wenig Text, und viel zu viel Bemerkungen. Alle diese Bemerkungen aber ersetzen, waSin einer Propädeutik zur Mischnah nothwendig gewesen wäre, nicht, nämlich eine Darstellung der Geschichte der Mischnah, ihrer Entstehung, ihrer Zusammensetzung, ihres Verhältnisses zur Gemara, wie in der Mischnah schon Gemara vorhanden, namentlich in den Theilen, die keine Mischnah haben rc. Dies hatte in einem Lehr- und Lesebuch nicht fehlen dürfen, und wird nicht durch zerstreute Bemerkungen ersetzt, die nur das Lesebuch unpraktisch machen, da sie dem Texte und der Behandlung desselben den Raum genommen. Auch die Abtheilung können wir nicht billigen, da ja G. selbst sagt, daß diese Trennung auf dem Standpunkte der Mischnah gar nicht existict. Sondern: der Umfang der gegebenen Textstellen hatte wol noch sechsmal so groß sein müssen, sie hätten nach ihrer Schwierigkeit in gewisser Stufenleiter geordnet sein müssen, durch ausgedehntere sprachliche, aber eingeschränktere sachliche Erklärungen — denn es sollte ja kein Mischnahkommentar gegeben werden — für den Schüler nützlich gemacht werden müssen, um so von diesem Buche genügend vorbereitet zum Studium der Mischnah selbst übergehen zu können. Daß trotzdem die Arbeit viel Nützliches und Brauchbares enthält, dafür bürgt schon der Name des geistreichen und gelehrten Verfassers. 1. Dezember. (Gebetbücher und Gesang.) Was man an eine gute Ausgabe des Gebetbuches für Forderungen stellen kann: schöne Typen, korrekter Satz, schönes, dauerhaftes Papier, und sofern eine Uebersetzung hinzugefügt ist, richtige, klare und konzinne Übertragung, sie werden von den neuen Ausgaben bei Gottlieb Haase Söhnen in Prag erfüllt. Wir haben deren 9 verschiedene Arten vor uns liegen, aber die gedachte Buchhandlung hat deren noch mehre. Von einer für 5 Ngr. an, bis zu der “pi ü» baw nbsn von R. Jacob Lissa (1 Thlr. 24 Ngr.) auf starkem Velinpapier; diejenigen, welche mit Uebersetzung versehen sind, haben hierzu eine neue vom Herrn vr. W. Wessely, die recht viele Vorzüge besitzt. — In einer sehr gefälligen, namentlich für Damen sehr angemessnen Form ist die zweite Auflage des bei Posen in Frankfurt am Main erschienenen „Israelitischen Andachtsbuches, hebräisch und deutsch. Verbessert und mit vielen neuen Übersetzungen vermehrt von L. H. Löwenstein" Tüchtige, in vielen Stücken metrische Uebersetzung, höchst klarer Druck, weißes Papier. Eine schöne Zugabe sind „erbauliche Gebete (mstw) für israelitische Frauen," und ein feiner Stahlstich, Hanna vür Eli vorstellend. — Wir 50*