Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1845)
- Date
- 1845-12-08
- Page
- Seite 742 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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742 reihen an diese praktisch nützlichen Ausgaben die Erwähnung der zweiten Auflage der „Gesänge für Synagoge" vom braunschweiger Kantor Herrn H. Goldberg. Dieses, selbst für minder zahlreiche und bemittelte Gemeinden nützliche Gesangeswerk hat seine Brauchbarkeit wol hinlänglich schon dadurch bewährt, daß in Jahresfrist eine neue, vermehrte Auflage nothwendig ward. MagdebuvK, 1. Dezember. Die religiöse Reform, besprochen in einer Predigt am Sabbat tfisn *0 in Nocdhausen, von Dr. Herzfeld, braunschweigischen Landesrabbiner. Nordhausen, 1845. Ehe diese Predigt im Druck erschien, hat es in der Umgegend unsägliches Gerede über die Heterodoxie gegeben, die in derselben ausgesprochen ist. Nachdem sie aber jetzt gedruckt vocliegt, wird Niemand ein Andres darin finden, als eine recht warme und populäre Darlegung und Vertheidigung der religiösen Reform, so daß wir sie als solche recht empfehlen können. Mergdeduvg, 1. Dezember. Die religiöse Poesie der Juden in Spanien. Von vr. Michael Sachs. Berlin, 1845. Es wird Einem schwer an die Kritik eines Werkes zu gehen, an dessen Spitze das Wort steht „Gegen Schimpf und Unglkmpf bin ich gehärtet und gleichgiltig" — was nach der bekannten Auslegung Börne's nicht anders heißt, als: so lange du mich lobst, bis du willkommen; läßt du dir was Andres einfallen, so veracht' ich dich und werfe dich zur Thüre hinaus. Ich denke, wer sich des Werthes seiner Leistung bewußt ist, der denkt nur an seine Wirksamkeit überhaupt, nicht an die Urtheile, die sich kund geben werden. Ueberhaupt stellt sich der Herr Verfasser durchaus nicht als liebenswürdig in dem Vorwort heraus, liebenswürdig, wozu die echte Wissenschaft immer macht. Dieses vom Zaune Brechen, um zu schimpfen auf „die Helden des Worts und der Feder," auf die „Lehrer und Führer," denen die Lehre und das Schriftenthum unbekannt sind rc. rc.st zeigt von einem innern, verhaltenen Grimm, der der wissenschaftlichen Ruhe just nicht eigen ist. Doch was geht uns dies an? Beschäftigen wir uns vielmehr unbefangen mit dem, was gegeben -worden. — Voran steht die metrische Ueberarbeitung mehrer religiösen Poesieen von Salomon ben Gabirol, Jos. ibn Abitur, Isaak ibn Giat, Bechai ben Josef, Mose ben Esra, Jehuda Hallewk, Chalfon, Lewi, Abr. ebn Esra, Joab> Nachum, Mose ben Nachman, und einigen unbekannten Verfassern. Außer der bekannten „Könkgskrone" Gabirols sind es meist Festtagsgebete. Die Uebersetzung bewegt sich meist sehr frei ohne wirkliches Vecsmaaß in jambischer Art, die sich frei in Anapästen mit reinen Jamben mischt, bald in langen, bald kn kürzeren Versgliedern — was freilich das Uebersetzen sehr erleichtert. Oester aber ahmt der Uebersetzer die bekannte Künstlichkeit der Originale getreu nach, und wollen wir als ein Beispiel das folgende Stück von Giat aus Mussaf von Jom Kippur Herstellen: „Heilige Steine, Säulen der Erde, Nehmt zwiefaches Gebet mit euch! Kommt, und statt des Schmuckes der Erde, Nehmet lieblichen Sang mit euch! Erhebet das Herz als Hebe der Erde, Richtet das Auge zum Himmel empor. Säet Frömmigkeit, Saat der Erde, Gnade sprießet als Ernt' hervor, Ehe der Tag kommt, richtend die Erde, Gottes Aug' schaut prüfend auf euch. Drum eh' ihr scheidet, zu' ruh'n in der Erde, Nehmt für die Wandrung Nahrung mit euch. Wohin gezogen die Pilger der Erde, Werdet auch ihr aus der Heimath geführt, Fürstengräber bedecken die Erde, Die mit Schreckensgewalt euch regiert. Fliehet, Könige, schaltend auf Erden, Herrscher, dringend und zwingend zur Frohn; Auf und eilet zu ruh'n in der Erde, Andre eilen auf euren Thron. Gehet in euch, ihr Diener der Erde, Nehmet für euern Dienst den Lohn. Gott, den Betrübten, gebeugt zur Erde,, Rust deiner Gnade tröstender Ton: Eures Gebetes Duft von der Erde Naht mir, ein liebliches Opfer von euch. Euer Loos mit den Treuen der Erde Nehmet, dem Ahn, dem untadligen, gleich. Euch begnade der Himmel, die Erde Spreche: nicht zaget, an Hoffnung reich. Des Bundes mit dem, den ich schirmt' auf Erden, Abrahams denk' ich gnadenreich." Man kann es mit Vergnügen sagen, daß die meisten Stücke rein und flüssig wieder gegeben sind, und die Sprache nicht zu sehr gemeistert und gedrechselt ist. Darin hat Sachs gegen früher von ihm veröffentlichte