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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-12-08 · Heft 50 (8.12.1845) · p. Seite 740

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 50 (8.12.1845)
Date
1845-12-08
Page
Seite 740 (sequence 8)
Language
German
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740 Personal - und Lokalnachrichten. Ml ein in gen, 25. November: (D. A. A.) - OEEEElEa! Die Israeliten des Herzogthums haben in diesen Tagen einen schmerzlichen Verlust durch den plötzlichen und frühen Tod des herzogl. Landrabbiners Joseph Hofmann erlitten. Er stand im 38. Jahre seines Lebens und im 8. seiner rastlosen Amtsthätigkeit und war ein Mann von seltener Herzensgute und Wahrheitsliebe, einfach und offen in seinem Wesen, ein Feind aller geistlichen Anmaßung und Scheinheiligkeit-. von der hier und da auch jüdische Geistliche der Jetztzeit nicht frei sind. Ohne Menschenfurcht und Sonderintereffe war er Verfechter des besonnenen Fortschritts, eine Beförderer des Lichts im Jüdenthume, wovon auch seine bethatigte Theilnahme an der Raöbinerversammlung zu Braunschweig und Frankfurt a. M. zeugt; mit Sehnsucht sah er der zu Breslau entgegen, zu welcher er mehre zeitgemäße Anträge in Bereitschaft hatte. Bis in sein 24. Lebensjahr ganz dem Talmudstudium obliegend, sah er wohl ein, daß er ohne philologische und philosophische Bildung niemals zeitgemäßer Rabbiner werden könne, er besuchte daher das Gymnasium zu Meiningen und nach zweijährigem eisernen Fle'iße die Universität zu Marburg. Von dort zurückgekehrt, wurde er nach erfolgter Prüfung mit der Ortsrabbinerftelle zu Walldorf und dem Landrabbinate des Herzogthums betraut. Durch die Vortrefflichkeit seines Charakters erwarb er sich die Zufriedenheit seiner hohen Behörden, die Hochachtung und Liebe der zwölf ihm untergebenen Lehrer, denen er nicht nur Vorgesetzter, sondern treuer Freund war, und die unter seiner Obhut nur im Geiste des Fortschritts wirken und leben konnten, so wie die Anhänglichkeit der ihm anvertrauten Gemeinden. Unter seiner Wirksamkeit trat auch im Juni 1844 die neue Synagogenordnung, von sammtlichen israelitischen Gemeinden des Vaterlandes genehmigt, und die wol eine der besten Deutschlands genannt werden kann, in's Leben. Viele zeitgemäße Verbesserungen des Kultus haben, die Israeliten seiner Amtsthätigkeit zu verdanken, und schon hatte er die Abstellung der vielen Trauermißbrauche rc. bei den verschiedenen'^Gemeinden des Herzogthums vorbereitet. Tiefe Trauet erfüllte daher sämmtliche israelitische Gemeinden desLaydes wie Alle, die den Mann von so einnehmendem, imposantem Aeußern, ein Bild der Kraft und Gesundheit, kannten, als ihnen das schnelle Hinschekden des treuen Seelenhirten hinterbracht wurde. Eine seltene Theilnahme gab sich an seiner am 19. November stattgehabten Leichenfeier kund. Unaufgefordert waren aus allen israelitischen Gemeinden des Vaterlandes und der angrenzenden Ortschaften die Lehrer und Abgeordneten der Gemeinden herbeigekommen, dem treuen Lehrer des göttlichen Wortes die letzte Pflicht zu erweisen, und versammelten sich sowie alle übrigen Theilnehmer der Trauerfejerlichkeit vor dem Trauerhause. Um 10 Uhr Vormittags setzte < sich der unübersehbare Leichenzug voll ernster Würde in Bewegung, dabei auch das Personal des herzogl. Kirchen- und- Schulenamtes, bestehend aus dem geistlichen Mitgliede, dem Superintendenten Dr. Schaubach, dem weltlichen, Polizei-Inspektor Treiter, ferner der Patrimonialrichter, der christliche Geistliche und die Lehrer,' mehre Honoratioren des Orts und der Umgegend und viele männliche und weibliche Mitglieder der dortigen Christengemeinde. Die irdische Hülle des Entschlafenen wurde vor der Synagoge, vor welcher die Prozession vorüberschreiten mußte, niedergesetzt. In lebhafter Erinnerung dessen, daß der Verstorbene seine aufgeklärte Gemeinde oft an heiliger Statte durch die Kraft seiner lichtvollen Rede erbaut und zum Fortschritt im Guten ermuntert, wurde die'Gemeinde hier sichtlich vom Schmerz ergriffen. Auf dem Friedhof angelangt, sprach der Vorbeter die Beracha, dann stimmte der Sängerchor der dortigen israelitischen Gemeinde die ersten Verse des passenden Liedes Nr. 270 des in den Gemeinden des Herzogthums ''eingeführten, von der württembergischen israelitischen Oberkirchenbehörde herausgegebenen Gesangbuches an, der Jugendfreund des Entschlafenen, der begabte und um die Intelligenz und soziale Stellung der Israeliten des Herzogthums hochverdiente Lehrer der israelitischen Gemeinde und des Schullehrerseminars zu Hildburghausen, Steinhard, hielt die erste Grabrede, in welcher der ungewöhnliche Bildungsgang, die Tugenden des Verstorbenen als Mensch, als Geistlicher, Vorgesetzter der Lehrer und Gemeinden, und seine Wirksamkeit vollkommene Würdigung fand und am Schlüsse Lehrer und Gemeinden ermahnt wurden, dem Andenken des theuern Dahingeschiedenen. durch, die Erhaltung und Beförderung seiner - begonnenen Werke sich dankbar zu bezeigen. ' Die sammtlichen anwesenden jüdischen und christlichen Lehrer stimmten hierauf die vierstimmige Leichenarie: „Wie sie so sanft ruhn rc." an, worauf in ähnlicher Weise und mit ergreifenden Worten der Superintendent vr. Schaubach die Anerkennung seiner

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