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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-12-01 · Heft 49 (1.12.1845) · p. Seite 729

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 49 (1.12.1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 729 (sequence 13)
Language
German
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729 gnügte", ihnen die für ihre Kulturstufe angemessensten Gesetze zu geben. Nicht als wäre der Rabbiner hier verhindert einer liberalen Ueberzeugung zu folgen, denn so etwas kann einmal stoßweise als eine jener Inkonsequenzen Vorkommen, die in keinem Kollegio ganz fehlen. In der Regel ist es aber durchaus nicht der Fall. Ein durchgreifend verbesserter Gottesdienst aber muß auch auf eine Kirchengemeinde, auf eine Vereinigung zugleich erleuchteter und gotterfüllter Männer zählen können, wie sie zu unserer Freude jetzt in Berlin-sich zu bilden scheint. Nun fehlt es freilich auch hier nicht an solchen Männern, aber sie stehen vereinzelt da, ohne eigentliche Verbindung, ohne jene Energie, welche die extremen Parteien überall zu ihrem Vortheil auszeichnet. Dazu kommt noch, daß das alte verfallene und schmutzige Haus, das jetzt unsere Hauptsynagoge bildet, unsere Fashionables abschreckt. Für ein neues aber wollen sich, trotz der lobenswerthen Mühe, welche der größere Lheil unserer Verwaltungsbehörde dafür verwandte, in unserer reichen Gemeinde die Mittel nicht finden lassen. Der äußersten Linken hieße das, den Aberglauben, der äußersten Rechten den Unglauben fördern. Jndeß ist unter den bestehenden Verhältnissen doch sehr Vieles geschehen, das Anerkennung verdient und diese auch von dem größten Theile der Gemeinde erhält. In keiner andern Synagoge Deutschlands ist das deutsche Element mehr, in sehr wenigen so stark hervorgetreten, als bei uns, wie denn am vergangenen Versöhnungstage die sehr zahlreich versammelte, fast allen Meinungsschattirungen angehörende Gemeinde sich durchweg erhoben und erbaut fühlte. Namentlich war die (in deutscher Sprache gehaltene) „Erinnerung an die Lobten," so wie die eben so gemüthlichen als geistreichen, in der Lhat ganz ausgezeichneten Vorträge des Rabbinen von wahrhaft ergreifender Wirkung, und überhaupt die Weihe der Vorzeit mit dem Fortschritt der Jetztzeit, in schöne Verbindung gebracht. Nicht minder vorzüglich war die Konfirmation vieler Knaben und Mädchen, welche Herr Stein, durchdrungen von den edelsten, religiösen Empfindungen und Wahrheiten, zu einer andern Zeit in der Synagoge vornahm. Ueberhaupt sind seine Predigten großentheils vortrefflich und . im Geiste des Fortschritts und der echten Religiosität. Daß bei freien Vorträgen nicht immer jedes Wort auf die Goldwage gelegt und hie und da Manches herausgedeutet werden kann, was doch nur ein Mißgriff im Ausdrucke sein mag, den kein Redner ganz vermeiden kann — muß jeder billige Beurtheiler bei jedem Prediger berücksichtigen. Daß die Persönlichkeit wie die Wirksamkeit unseres Rabbinen von sehr wohlthätigem Einflüsse ist, wird kaum Einer in Abrede stellen, der ihn näher kennt und öfter hört. Rezensenten freilich sind Sonntagskinder, die auch das zu beurtheilen wissen, was sie nicht hören. So ist viel Gutes bereits durch Herrn Stein geschehen, Manches vorbereitet, Anderes nur durch den Mangel an allgemeiner Lheilnahme unterblieben, wieder Anderes wenn auch noch nicht wie'es werden muß, doch besser als es war. Als Präses der zweiten Rabbinerversammlung hat Herr Rabbiner Stein dieses schwierige Amt freilich nicht (was unmöglich ist) zu allgemeiner Zufriedenheit^ aber doch mit allgemeiner Anerkennung verwaltet. Mit dem'Geiste dem Fortschritte angehörend, lebt sein Herz in vielen liebgewonnenen, geistig und poetisch aufgefaßten und veredelten Reminiszenzen. Hie und da mag dies Nachtheile haben, aber es ist besser, zu Reformen ein zu stark fühlendes Herz als einen allzu schroffen Sinn zu bringen. Wer die Seinen und ihre Vorzeit wahrhaft liebt, wird wenigstens nie in den schwersten Mißgriff verfallen, wider seinen Willen Verdächtigungen und Antipathien von außen zu verstärken, die oft Mißbräuche erzeugen oder erhalten, die weit verderblicher sind als die, welche man. bekämpft." Nun ist es freilich überall schwer, auf der rechten Linie zu bleiben. Schroffer Sinn verletzt, liebender bewilligt oft mehr, als gut ist. Wer aber mit reinem Herzen und reinem Willen, mit Gottes- und ohne Menschenfurcht für Religion und Fortschritt wirkt, dem sollte billig, zwar nicht Kritik, aber docb Schmähung erspart, und ihm die Anerkennung werden, die Keiner, der das Gute liebt, dem versagt, der das Gute fördert. W. Personal- und Lokalnachrichten. Merseuheim (Hessen-Homburg), im November. (Privatmitth.) Nachdem unser Rabbinatssitz aus Mangel an Mitteln-zur Besoldung eines Rabbiners über zehn Jahre verwaist war, ist derselbe dieser Tage durch Herrn Flehinger, den Verfasser der größeren und kleineren Erzählungen aus den heiligen Schriften, wieder besetzt -worden.- Diese- Besetzung wäre uns auch jetzt

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