Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-12-01 · Heft 49 (1.12.1845) · p. Seite 730

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 49 (1.12.1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 730 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225439--07366-3237251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

780 nicht möglich gewesen, wenn nicht unsergütiger Landgraf uns huldvoll die Hand dazu geboten hätte, indem Se. landgräfl. Durchlaucht den vierten Th eil des Gehalts aus Staatsmitteln bewilligte. Unser Herr Rabbiner findet ein sehr brach liegendes Feld vor, es kann ihm an Arbeit nicht fehlen. Gott segne sein Wirken, von dem wir uns viel Gutes für Gotteshaus und Schule versprechen! Kr es lau, 15. November. (Privatmitth.) In der äußersten Grenzstadt Oberfchleft'ens, in Pleß, ist ein Israelit, der Kaufmann Herr S. Sklutsch, in Betracht seiner langjährigen Verdienste als Stadtverordneter nunmehr zum Stadtaltesten ernannt und bestätigt worden. Dergleichen vocurtheilslose Anerkennung von Seiten christlicher- Milbrüder ist in unseren Provinzialstadten noch eine solche Seltenheit, daß dieses'Faktum öffentlich mitgetheilt zu werden verdient. Aöthen, 20. November. (Prwatmitth.) Seit Oktober 1844 hat die.hiesige Gemeinde in der Person des Dr. Sophar aus Altona einen Prediger und Religionslehrec angestellt, der im Einverständnisse mit dem greisen und, was hier besonders hervorzuheben, landesherrlich mit großer Machtvollkommenheit versehenen Vorsteher alle vier Wochen ryid an allen hohen Festtagen, so wie am Fasttage der Zerstörung Jerusalems predigt und zweimal im Jahre die Kinder, welche das vierzehnte Jahr erreicht-haben, öffentlich konsirmirt und einsegnet. Es versteht sich von selbst, daß von dem genannten Geistlichen auch Trauungen und sonstige seelsorgerische Akte bewirkt werden. Alles dies ist nach förmlich bestätigten, statuarischen Prinzipien geordnet worden und hat, was ich nicht verschweigen mag,, der vr. Sophar schon recht segenreich sowol als Geistlicher, wie als Religionslehrer gewirkt und gestrebt. An dem früher, namentlich von Frauen und Mädchen so wenig besuchten Gottesdienste wird jetzt sehr reger Antheil genommen und es giebt sich für unfern Prediger eine innige Verehrung kund, die, als ein Zeichen für die heilige Sache selbst, welche er vertritt, betrachtet, zu den schönsten Aussichten berechtigt, was um so beweiskräftiger erscheinen möchte, wenn ich hinzufüge, daß die einzelnen Gemeindemitglieder nur mit bedeutenden pekuniären Opfern die Berufung des Dr. Sophar ermöglichen konnten, sich aber hierzu mit echtfrommer Bereitwilligkeit verstanden. — In unserer „humanen" Zeit, wo die Juden noch immer nicht allerwarts völlig lichtfreundlich betrachtet werden, dürfte es wol noch entsprechend sein, Auszeichnungen, die Einzelnen unter ihnen widerfahren, öffentlich hj-rvorzuheben. Auch ich thue es. Am vergangenen 18. November feierte der hiesige siebenundachtzigjährige, aber nocht recht rüstige Gemeindevorsteher und Hofagent B. I. Friedheim mit seiner würdigen Gattin das goldene Hochzeitsfest. Am Vorabende dieses seltenen Tages, sah das glückliche, von Kindern und Enkeln zahlreich umgebene, Paar alle höheren Hof- und Staatsbeamten, so wie das Offizierkocps und sonstige Honoratioren der Stadt und des Landes bei sich. Am andern Morgen erschien zuerst eine Deputation der Gemeinde, beglückwünschte das Jubelpaar und überreichte ihm ein auf Pergament gedrucktes Jubelgedicht in Prachteinband; der Herzog übersandte, mit einem sehr gnädigen Schreiben einen hohen silbernen Pokal mit der Namenschiffre, die Herzogin ebenfalls mit einem Schreiben ein herrliches Angebinde; dann erschien als Abgesandter des Landesherrn der Obersthofmeister von Sternegg Exz. und heftete im höchsten Aufträge dem tiefgerührten Jubelbräutigam die goldene Medaille für Verdienst, Treue und Anhänglichkeit an; dieselbe war von einem Kabinelsschreiben begleitet, in welchem der Herzog die Verdienste des Jubilars (welcher Mitbegründer und stetes Mitglied der hiesigen Armenbehörde ist) um die Armen, seine stete Anhänglichkeit an daß Regentenhaus und-seinen seltenen Gemeinsinn hervorhob, und bestimmte, daß diese Medaille für immer als ein Zeichen landesherrlicher Anerkennung in der Familie verbleiben solle. Dann erschien eine Deputation der Rentkammer und hierauf die Armenbehörde in xleno, ein Gemälde, das einen Altar, auf dem dem Gotte des Erbarmens geopfert wird, darstellend und unterzeichnet von sammtlichen Mitgliedern des Kollegium, überreichend. -Das Offizierkorps, so wie der Chef der Landesregierung, hatten schon am Abend zuvor ihre Glückwünsche und äußeren Zeichen der Theilnahme dargebracht. — Die Kinder hatten zum Andenken dieses wichtigen Tages einen sehr kostbaren Vorhang in die Synagoge geschenkt, und" der Jubilar in seinem regen Wohlthatigkeitssinne die Armen der Stadt sehr reichlich bedacht. Ich muß gestehen-, daß dieses seltene Fest, an welchem das Jubelpaar durch den Dr. Sophar nochmals kirchlich eingesegnet ward, die ganze Stadt mitgeftiert hat. — Gott erhalte noch lange dieses verehrte Paar! . Dr. Fkbrg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.