Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1845)
- Date
- 1845-12-01
- Page
- Seite 726 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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726 auch eine so achtungswerthe Klasse unsrer Mitbürger, gegen die noch immer so manches unsrerseits gutzumachen bleibt, und die leider stets auch noch Besorgnisse der Zukunft zu tragen hat,, hierbei der allgemeinen Zustimmung und Mithilfe sich erfreuen!" Oesterreich. Wien, 7. November. (Privatmitth.) In Oesterreich herrscht bekanntlich in Bezug auf Juden und Judenthum das Prinzip des Zurückstoßens und Zurückdrängens. Wo ein Jude irgend ein Talent in sich fühlt, wodurch er sein Glück begründen, seine Zukunft sichern, seinen Nebenmenschen, seinem Vaterlande nützlich sein könnte, sieht er mit wehmüthiger Resignation seiner künftigen Laufbahn entgegen, denn als Jude kann er nichts unternehmen, was ihn mit dem Kranze der Anerkennung schmücken könnte. So wird der Jude in jedem Fache, "wo er sich nützlich machen, auf jedem Felde, wo er sich muthig und tapfer zeigen könnte, aus den vorderen Reihen verdrängt und verjagt. Er mag studiren was für ein Fach es immer sei, als Jude kann er kein Amt, keine Stelle .bekleiden. Er mag sich dem Militärdienste mit allem Fleiße, mit aller Beweglichkeit widmen, als Jude kann er wol recht brav und tapfer sein, aber vergebens sieht er seiner Beförderung entgegen. Dies eine Wahrheit, die man nicht oft genug wiederholen kann, und dennoch soll der Jude Alles in Allem sein! — Wie mich wird daher gewiß jeden Oesterreicher die Nachricht erfreuen, daß bei der k. k. österreichischen Eisenbahn bereits ein Jude als Ma sch inen führ er angestellt ist. Es ist das der junge talentvolle Maschinist Herr Max Hirschler aus Lozorn bei Stampfln in Ungarn. Derselbe gehört einer sehr ehrenwerthen Familie in Israel an, die sich im Schweiße ihres Angesichts ihrBrod verdient. So besitzt diese Familie seit länger als hundert Jahren eine Landwirthschaft in Lozorn, und gehören alle übrigen Glieder dem Handwerkerstande an. 8. D. Deutschland. - Frankfurt am Main, 20. November. (Privatmitth.) In der mir so eben zu Gesicht gekommenen 47sten Nummer des „Orient" finden sich einige Notizen über hiesige gottesdienstliche Angelegenheiten, welchen im Interesse der Sache — in meinem eigenen Interesse bin ich längst gewohnt, Verdächtigungen und unwahren Zeitungsartikeln mit gebührendem Schweigen zu begegnen — vielfache Berichtigung erheischen. ' Es ist erstens unwahr, daß der bessere Sabbat-Nachmittag-Gottesdienst hier lediglich für Dienstboten eingerichtet worden, sondern es wurde derselbe ausdrücklich für die ganze Gemeinde angekündigi, mit der Bitte, daß'man die Dienstboten zu demselben, anhalten möge. Auch waren bei dem jüngst stattgehabten ersten. Vortrage Männer- und Frauensynagoge zahlreich besucht und besonders die Räume der Letztern von den Angehörigen der dienenden Klasse zu meiner großen Freude sehr stark besetzt, worüber von dem Korrespondenten des „Orient" als zweite Unwahrheit das Gegentheil berichtet wird. Eine dritte Unwahrheit ist, daß man -ins nna weggelaffen. Zur Abkürzung des Gottesdienstes werden die drei ersten Benediktionen sogleich vom Vorbeter laut vorgetragen; es tritt sodann eine stille Andacht ein, um die Gemeinde selbstthätig zu beschäftigen, worauf der Vorbeter mit fc"*?« wieder: laut beginnt. Ist nun indr Nndr weggelassen, wenn es leise gebetet wird? und was bedeutet das Gerede, daß sich hiefür kein Grund auch vom reformistischen Standpunkte aufsinden lasse? Allein Herr K—m hat die Sache gar künstlich so dargestellt, daß der Leser nicht anders glauben konnte, es werde vom Vorbeter nach der dritten Benediktion sogleich der Schluß der vierten mit gänzlicher Hinweglassung des hna vorgetragen, in welchem Falle seine Verwunderung allerdings gegründet erscheint. Eine vierte Unwahrheit ist, daß ich mich gegen die Orgelbegleitung am Sabbat entschieden ausgesprochen hätte. Ich habe darüber meine Meinung . in der Rabbinerversammlung unumwunden geäußert, daß dem Israeliten selbst im Hause das Musiziren am Sabbate zu gestatten sei, wie könnte ich so schnell mit mir in Widerspruch gerathen! Es war auch in der hiesigen Synagoge bisher nie die Rede von der Einführung der Orgelwas Herr K-—m recht gut wußte, sondern von einem kleinen, klavierartigen Instrumente, dagegen, als gegen ein halbes Ding, habe ich mich allerdings erklärt. Wenn wir einmal die Orgel bekommen sollen, und wir wer-