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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-12-01 · Heft 49 (1.12.1845) · p. Seite 725

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 49 (1.12.1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 725 (sequence 9)
Language
German
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725 daß jüdische junge Männer oft^, um eine Geliebte oder eine Braut ehelichen zu können, mit dieser den Wanderstab nach der neuen Welt ergreifen müssen. Preußen. Berlin, 2V. November. Folgender Artikel'in der Voss. Ztg. verdient wo! -eine weitere Verbreitung durch die A. Z.*d. Jud. Am allerhöchsten Geburtstage Ihrer Maj. der Königin, Donnerstag den 13. November, wurde Abends um 6 Uhr das Stiftungsfest der jüdischen Waisen-Erziehungs-Anstalt für Mädchen im Hörsaale der jüdischen Gemeinde'schule feierlich begangen. Wir glauben zu Gunsten dieser Anstalten nicht besser zu dem Publikum sprechen zu können, als mit den Worten, die ein wahrheitliebender und vorurtheilsloser Mann darüber an einen Freund geschrieben hat, und von denen hier Gebrauch zu machen uns verstatter worden. Der geheime Legationsräth Barnhagen von Ense ist es, den wir hier redend einführen. Die erwähnte Stelle seines Briefes lautet wie folgt: - „Mit antheilvoller Aufmerksamkeit folg' ich seit längerer Zeit den Fortschritten der im Schooße der hiesigen jüdischen Gemeinde, hauptsächlich durch den Eifer und die Bemühungen des Herrn Baruch Auerbach, gegründeten Waisen-Erziehungsanstalten. Der seit zwölf Jahren bestehenden Anstalt für Knaben hat sich vor zwei Jahren eine ebensolche für Mädchen zur Seite gestellt, und die alljährlich erscheinenden gedruckten Berichte aus der Feder des Herrn Auerbach geben über den Gang und Erfolg dieser beiden Unternehmungen eine vollständige und klare, für die nächsten Theilnehmer gewiß belohnendbefriedigende, aber auch vielen entferntstehenden Lesern ohne Zweifel erwünschte Auskunft. Der echt menschenfreundliche Sinn, der sich hier ausspricht, die Sorgsamkeit der Aufsicht und Pflege, die Zweckmäßigkeit des Unterrichts, das Absehn des Ganzen auf religiös-sittliche und bürgerlich-praktische Entwickelung innerhalb der durch die Verhältnisse selbst bestimmten Grenzen, alles dies darf als musterhaft gerühmt werden, und verdient die allgemeinste Anerkennung. „Es könnte auffallen, daß bei der großen Wohlhabenheit, der reichen Bildung, dem entschiedenen Ehr- und Gemeinsinn, durch welche die jüdische Gemeinde zu Berlin nun schon seit beinahe Hundert Jahren sich auszeichnet, und einen so angesehenen, man könnte sagen vornehmen Stand behauptet hat, doch erst in so später Zeit daran gedacht worden, besondere Anstalten für die Waisen der Gemeinde einzurichten. Allein es scheint, daß die früheren Verhältnisse, bei'enger gezogenem Kreise, in welchem die rühmlich bekannte Wohlthätigkeit der Einzelnen leicht und völlig ausreichte, jenes Bedürfniß kaum fühlbar werden ließen. „Seitdem dasselbe jedoch hervorgetreten, wie schnell und ergiebig zeigten sich da die willfährigen Leistungen, die glücklich eingreifenden Thätigkeiten! Ein Jahrzehnt kann für solche Werke nur erst als Anfang gelten, und doch hat schon dieser kurze Zeitraum die besten Früchte gebracht. Die Knabenanstalt, in vollem Gedeihen, steht bereitsauf ihrem eignen festen Boden, und die jüngere Anstalt für Mädchen darf hoffen, nach einigen Jahren solcher Förderung, wie ihr bisher geworden, ebenfalls zu jenem erwünschten Ziele zu gelangen. Die Zukunft solcher Stiftungen gegen die Wechselfälle>der äußeren Umstände durch eisernes Besitzthum einigermaßen zu sichern, muß allerdings ein besonderes Augenmerk bleiben, wodurch denn aber auch die Schwierigkeiten des Anfangs, .wo zugleich dem Augenblick genügt und für die Zukunft gesammelt werden soll, gerade die größten und mühvollsten sind. „Doch ist kein Zweifel, daß dieses verdienstliche, mit so reinem Sinn und so gutem Maaß unternommene Werk schon so weit gediehen, um nicht mehr sinken zu können. Die Hilfsmittel werden gewiß nicht fehlen. Der Eifer und das Talent des Stifters und Vorstehers kommen hierbei wesentlich in Betracht; Beide sind jedes Lobes werth und entsprechen den Erfordernissen auf das Glücklichste. Die Jahresberichte geben hiervon unwidersprechlich Zeugniß; auf den ersten Blick möchte in ihnen Manches zu sehr festgehalten oder-herbeigezogen dünken, bei näherem Einsehen aber muß man erkennen, daß in-jedem Gedanken, der hier mitgetheilt, in jedem Gefühl', das hier angeregt wird, ein guter Keim liegt, der dem Boden angemessen ist und in ihm fruchtbar aufgehen muß. „Möge ein so treffliches Bemühen, ein so heilsames Wirken des fortdauernden Segens nicht entbehren, der in dem vereinten guten Willen der zunächst Betheiligten sich darzuthun hat; möge aber 49*

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