Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1845)
- Date
- 1845-12-01
- Page
- Seite 724 (sequence 8)
- Language
- German
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glaubt für die Vereinigten Staaten 85,000 'm$W das übrige Amerika 40,000 als die wahrscheinlichste Zahl annehmen zu können. Die Einwanderungen der Juden nach dem neuen Kontigent haben bereits unmittelbar nach der Entdeckung von Amerika-angefangen. Bekanntlich siel dieses folgenreiche Ereigniß mit der Vertreibung der Juden aus Spanien in eine üsid dieselbe Periode; die großen Handelsverbindungen, die sie v-n der pyrenaischen-Halbinsel aüs mit dem Orient und namentlich mir der Levante unterhalten hatten, führten die Vertriebenen - zwar Meistens dahin, so wie nach der nahen afrikanischen Küste/fi).0 sie bei den Mauren, die zum Theil ihre .Schicksalsgenossen in Spanien gewesen waren, Sympathieen zu finden hofften, die freilich unter den verwilderten Nachkommen der spanischen Araber in fanatischen Haß sich verwandelten; ein kleinerer Theil hatte sich jedoch nach Amerika geflüchtet. Aber auch dort erreichte sie die spanische Verfolgswuth. Die Autodafes Philipp's II. und seiner Nachfolger leuchteten ihnen in der neuen Welt eben so wie in der alten. Und wie in Europa, so bot ihnen auch in Amerika das nach der Reformation zu politischer und kommerzieller Selbstständigkeit sich emporarbeitende Holland. eine gastliche Zuflucht. Im Jahre! 1639 erhielt David Nassi, ein Jude von portugiesischer Abkunft, von der holländisch-westindischen Kompagnie die Erlaubniß, eine Kolonie auf der Insel Cayenne zu' 'gründen, wo' seinen Glaubensgenossen vollständige bürgerliche und Religions-Freiheit — zum ersten Male in'der neuern zivilisirten Welt, denn auch in Holland selbst blieben sie noch bis zum Jahr 1795 wichtigen'Beschränkungen unterworfen— bewilligt wurde. In gleicher Weise durften sie sich in Neu-Amsterdam — dem jetzigen New-Pork — niederlassen, das: damals' eine niederländische Kolonie war. Als Cayenne - im'Jahr 1664 von den Franzosen erobert worden war, ließ Ludwig XIV. die jüdischen Kolonisten vertreiben , und diese begaben sich 'nun nach Surinam, wo'ihre Nachkommen noch jetzt eine ausgedehnte und wohlhabende Gemeinde bilden. Eben so sind sie auch auf Jamaika sehr.zahlreich und dort sowol als im niederländischen Westindien in bürgerlichen und politischen Rechten mit den christlichen Einwohnern ganz gleichgestellt. - In den Vereinigten Staaten hatte man in einzelnen Provinzen schon unter englischer.Herrschaft entweder die Rechte gelassen, - die ihnen Holland bewilligt hatte, oder man gestattete mindestens den aus Europa neu ankommenden jüdischen Einwanderern das gleiche Recht der ungehinderten Gottesverehrung, das'anderen Ankommenden, die aus religiösen Motiven die alte Welt verlassen hatten/ zugestandenwurde. Durch die UnabhängigkeitsMklärung sind sie natürlich überall emanzipirt worden, und zwar Nicht blos in rechtlicher Beziehung, sondern auch in der öffentlichen Meinung, denn nirgends auf der ganzen Erde treten den Nachkommen des ältesten aller Völker so wenige Vorurtheile entgegen, als in den Vereinigten Staaten. Allerdings existiren auch dort noch dergleichen, aber man kann annehmen, daß sie, wo sie sich sinben, nicht amerikanischen Ursprungs, sondern noch aus Europa mitgebracht seien. Am zahlreichsten -sind die Juden in den Staaten New-Pork, Pennsylvanien und Süd-Karolina. Die Stadt New-Pork zählt 12,000, Philadelphia 2500 (in einer portugiesischen, einer deutschen und einer englischen Gemeinde), Baltimore 180V und Charleston 1600 jüdische Einwohner. In New-Pork wird das Amt eines Sheriffs und Richters von dem auch als Schriftsteller bekannten Israeliten Mardochai Noah bekleidet. In Süd-Karolina theilen sich die Juden ebenfalls in dreierlei Gemeinden: in englische, portugiesische und deutsche. Zwischen diesen Gemeinden herrscht dort eine größere Trennung als zwischen Christen und Juden, da, wie es häufig zu geschehen pflegt, kleinere Differenzen in gemeinsamen Angelegenheiten oft mehr reizen und aufregen, als große in Dingen, die keine näheren Berührungspunkte mit einander haben. In Philadelphia giebt der dasige „Pastor oi: the Hebrew-Portoguese Congregation,“ Herr Isaak Leeser, eine Zeitschrift in englischer Sprache unter dem Titel: „The Occident and American Jewish Advocate“ heraus, worin die Reform des jüdischen Kultus auf das Dringendste empfohlen und gegen die Autorität des Talmuds gekämpft wird. Neben ihr erscheint eine ebenfalls jüdischen Interessen gewidmete Zeitschrift in deutscher Sprache unter dem Titel: „der Israelit," die von mehren aus Deutschland stammenden Gelehrten redigirtwrrd. Von deutschen Ländern ist es hauptsächlich Baiern, von welchem alljährlich ein großes Kontingent jüdischer Auswanderer nach Nordamerika zieht, weil in ihrer Heimath noch die.mittelalterlichen Beschränkungen der Niederlassung und Verheirathung herrschen, so