Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1845)
- Date
- 1845-12-01
- Page
- Seite 721 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7M edle Frauengestalten erblicken wir unter der Schaar der Männer, die sich nahe zu dem liebenden Greise hindrängen. Wo die Einzige sich befindet, die ihm ernst, nachdem er zu ihr gesagt: „Ich kann Weib und Kind über mein Vaterland vergessen," *) zur lebenslänglichen Verbindung die Hand gereicht, braucht nicht gesagt zu werden, sie ruht nicht blos an, sondern L n seinem Herzen. Viele deutsche Männer ragen aus der Gruppe hervor — die noch Lebenden nicht zu -nennen —- die Geister edler Abgeschiedenen: der weiblich zarte, milde Geist, der im Leben den Namen Schwarz trug und auf Erden in Heidelberg wirkte, — dann bemerken wir.nicht ohne innere Erhebung in dem edlen Antlitze des geistesklaren, besonnenen, unvergeßlichen August Hermann Niemeyer, Freude und Dankgefuhl. Aus. fremden Ländern sind Je gekommen, aus Rußland, aus Holland, Dänemark, Norwegen und Schweden, Spanien und Frankreich,. Italien und England, und selbst Amerika hat feine Deputieren hergesandt. Glänzendere Versammlungen hat die Erde viele gesehen, aber nicht leicht eine erhebendere. Dann an die genannten Kreise reiht sich nun die unzählbare Schaar der Kinder, der Knaben und Mädchen, denen das Wirken des cdeln Kinderfreundes zu gut gekommen durch veredelte Familien- und Schulerziehuog, durch wahrhafte Geistes- und Herzensbildung. „Zn dem Munde der Kinder , hat er sich ein Lob zubereitet,/ •— von wem gilt es mehr denn von Ihm! Wie Er in seinem Leben sie gesegnet durch Lehren und Denken, durch Lieben und Dulden, so segnen sie jetzt sein Andenken. „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht" — gist nicht blos im Bösen, sondern auch im Guten. „Das Andenken des Gerechten bleibt im Segen." — Und nun frage ich Dich, Kollege und Freund! nun frage ich uns, Lehrer des Volks und seiner Jugend, wo sind wir, stehen wir mitten unter der Schaar, klopfet auch uns das Herz stärker und muthiger — uns, an der Wiege Heinrich Pestalozzi's, uns an.dem Grabhügel in Birr? O, ich müßte Dich nicht kennen, deutscher Lehrer, Volkslehrer, wo Du auch wohnst; und weilst dies feit., oder. jenseit des Ozeans, un s, Alle einigt au dem genannten „Freudenthränentage," dem „Tage des Dankes und der Ernte," wo wir eine „Saat von Gott gesä't" erblicken, ein Gefühl, ein.Gedanke, ein Wille: das Gefühl des Dankes und der Liebe, der .Gedanke an die Herrlichkeit des Lebens eines solchenMau- ..... *) Kalisch a. a. O. S.. 25.! nes, der Wille, ihn zum Vorbilde zu wählen und in seinem Geiste zu wirken. Das Thun ist des Menschen Beruf, das Handeln für edle Zwecke adelt, den Menschen, macht ihn der Unsterblichkeit würdig.. Was Er, der Unvergeßliche, wollte, es ist uns ein theures Verwächtniß. Was Ihm nicht gelangtes wird uns gelingen, und was wir thun, sei zu seines Namens Gedächtntß und zum Preise dessen, der ihn uns gegeben! . Er wollte vorzugsweise Waisenkindern die Thränen von den Wangen trocknen, sie zu Menschen bilden, er wollte der Vater, der Freund, der Erzieher, der Unglücklichen und Verlassenen werden. . . . Auf, Volkslehrer, Volksfreund, bethätige Deinen Dank gegen Heinrich Pestalozzi dadurch, daß Dü Theil .nimmst an der Pestalozzi-Stiftung.I—- nicht/ein Denkmal aus Erz oder Stein, nur ein lebendes. Denkmal ist Seiner würdig 7-) der Pestalozzi-Stift ü die sich erheben soll innerhalb, .Deutschlands/ Grenzen, ein Beweis der Dankbarkeit der Nachwelt, zum ewigen Segen für. die Kinder, wie für Bildung und Erziehung! Ich weiß es, des Volksschullehrers Börse birgt nicht gewichtiges Gold, aber, über ein Scherflein hat er zu verfügen.. Keiner fehle in dieser Dankeserweisung, wenigstens Keiner auf deutscher Erde! Ich sage es offen/weil ich es denke und empfinde; solche Scherflein segnet Gott, er segnet sie vor allem Ändern: der Segen',/der sich von deu Pfennigen der hunderttausend deutschen Lehrer über des . Vaterlands Waisen verbreiten wird,, er wird mehr als hundertfältige Früchte bringen*)/ Rennet, Freunde, Brüder, mir Eure Namen! Mit Eifer werde ich — glücklich, solchem Unternehmen meine Kräfte zu widmen — dieselben dem Buche einverteiben, in welchem. die Wohlthäter der P e sta l 0 z z i - S t t ft u n g verzeichnet, stehen sollen, zur dankbaren Erinnerung 'für die Enkel: / \ -' 'J,', ' ,' .//' . . Wie wird wiederkehren für Euch und mich fojdje Gelegenheit zur Vereinigung der Volksschullehrer in der Förderung eines durch einen Mann aus unserm. Stande .beabsichtigten Werkes. Denn ' in langen Bahnen zieht auch , der pädagogische Genius, mb .es mögen Jahrtausende,.verfließen, ehe ein Heinrich Pestalozzi wieder */ Die preußischen Posten befördern alle G'eldsMml« gen, auch bre* kleinste (!), franco, wenn auf-dem Beglritzettel bemerkt ist: „Angelegenheiten der Pestalozzi-Ptiftung, frei, vach der Ordre vom 5. Mai 1845" - ,Aff-Ler,rn ,1». N. .inA.;