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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-12-01 · Heft 49 (1.12.1845) · p. Seite 722

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 49 (1.12.1845)
Date
1845-12-01
Page
Seite 722 (sequence 6)
Language
German
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722 erscheint. Ist aber Ü>tr Name und der Geist dieses Mannes nicht fähig die Volksschullehrer Deutschlands zu einige« und sie über landsmannschaftliche, konfessionelle uüd andere Verschiedenheiten zu erhebendann muß der große Gedanke einer, wenigstens geistigen Einheit der Bewohner unseres Vaterlandes für ein hohles Phantom oder füt titttn ^tauk erklärt werden. Verschone uns der Genius des Vaterlandes und der Pädagogik mit dieser Erfahrung! So laßt uns denn würdig, d. h. lebendig im Herzen und durch eine That, feiern den Tag und das Jahr her Geburt Heinrich Pestalozzi's. Berlin, den 3. Juli 1845 (rc. rc.). Adolph Diesterweg." Und nun, Ihr Menschenfreunde in Israel, ehrwürdige Volks- und Jugendlehrer!' sollte es noch mehr als dieses Aufrufes, dieser Stimme bedürfen, um Euch zum Beitritt zu diesem menschenfreundlichen Werke zu bewegen? Gewiß nicht! Israel ist wohlthätig, ist mild und menschenfreundlich; Las sagen ihm ja selbst seine Neider, seine Mißgönnet, ja selbst seine Feinde nach. — Israel schließt sich nirgends ans, wo es gilt Menschenwohl zu fördern, und kennt im Wohlthun konfessionelle Schranken nicht. Wol ist Pestalozzi Keiner der Unseren — nach dem Glaubensbekenntnisse. Aber er ist ein Deutscher und wir sind Deutsche und jener Aufruf ist an „D eutschlands Lehrer" doch gerichtet! — Zwar ist Pestalozzi nicht mehr. Aber, sein Geist, sein emsig reges Wirken, sein Wort und seine That, die Erfolge seiner höchst anerkennungswürdigen Bestrebungen und Leistungen, sie sind da und wirken fort in ihren Impulsen und Influenzen, und werden lange noch recht nachhaltig wirken und er selbst als Vorbild der Menschenfreundlichkeit, als Wohltäter der Menschheit dastehen, so lange die Geschichte dauert. Zwar hat Israel der Lasten genug "zu tragen, hat Opfer zu bringen immerdar, Institute und Vereine aller Art zu unterhalten, und ist in Allem auf sich selbst angewiesen. Aber doch, doch legt Israel gern und bereitwillig noch ein Opfer auf den Altar der Menschenliebe und fragt nicht erst nach dem Namen, nach dem Aussehen, nach dem Bekenntniß des Hilfsbedürftigen. —Lasset uns darum auch hier nicht Zurückbleiben! Lasset uns gleichfalls unser Scherfleiu beitragen zu dem menschenfreuüdlichen Werke des Meisters, der dazu' einladet, der willens- und■ chatkräftig und würdig in hem Geiste Pestalozzi's zu wirken, dazu berufen ist, Ist: auch der Beitxag des Einzelnen nur geringe, so wächst >er. doch —r Ihr, wißt es ja — durch die Zusammentragung. Jagewiß/ wer irgend nur deutsche Bildung genössen, wird'sich beeilen, eine Gabe, wenn auch noch so klein, zu bringen. Es dürfte gern hier und da ein menschenfreundlicher Lehrer — und das sollen wir ja Alle sein — zu einzelnen Beiträgen auffördern, diese an sich nehmen und baldmöglichst an ihren Bestimmungsort (unter dem abgegebenen Rubro ohne Portokosten) senden. In meiner Umgegend erkläre ich mich gern zur Empfangnahme derselben Behufs der Weiterbeförderung bereit? Doch dürfte, was geschehen soll, bald geschehen mögen, denn der 12.Januar 1846 ist nicht mehr fern. vr. I. H. Jacobson. Wir sind erbötig, Gelder zu diesem Zwecke in Empfang zu nehmen, darüber in unserer Zeitung zu berichten, und au den Bestimmungsort zu senden. Die Redaktion. Magdeburg, 24.- November 1845. ' " ' Zeitungsnachrichten. Algerien. Algier, 23. Oktober. (Privatmitth.) Die in der vorigen Nummer erwähnte Rede des Herrn Albert Cohn ist folgende. Herr Cohn hat nämlich ganz Algerien durchreist, um die jüdischen Zustände kennen zu lernen, und möglichst auf seine Glaubensgenossen Betreffs Anlegung von Schulen zu wirken, was ihm auch in Bona und Konstantine bereits gelungen ist. Am 4. Oktober präsivirte er in Algier einer Preisvertheilung, und übergab im Namen der Familie Rothschild den fünf besten Schülern jeder Schule kleine Sparkassenbücher, Mittelst derer sie im fünfzehnten oderzwanzigsten Jahre den Grund zu einem Gewerbe legen können: Diese feierliche Gelegenheit benutzte er, um in französischer, hebräischer und arabischer Sprache folgende Rede zu halten: „Vor fünfzehn Jahren wäre die Feierlichkeit, der wir beiwohnen, eine unausführbare Einbildung gewesen. Damals konnte der Despotismus, unter welchem die algierschen Juden seufztensolche Zerem'ottieen weder fassen, noch gestatten; aber Frankreich, indem es seine Fahne in Algier aufpflanzte, brachte hierher mit der Freiheit und den Würgerrechten auch die Intelligenz und den Unterricht. Noch schwache Keime, werdende Pflanzungen haben sich diese der Kindheit

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