Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1845)
- Date
- 1845-11-24
- Page
- Seite 713 (sequence 9)
- Language
- German
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713 nach den bisherigen Prinzipien fordern, der Schlußsatz, die beiden Lage betreffend, aber wegfallen. Vom Vorsitzenden aufmerksam gewacht, daß dies Amendement unausführbar sei, indem doch ein Tag oder zwei bestimmt werden müßten, erklärte er sich für die vorläufige Beibehaltung des Sonnabends. Herrvr. Wiener widerlegt die im Laufe der Diskussion kundgegebcne Ansicht, als sei ein bestimmter Tag in der Woche zur Feier biblisch gar nicht vorgeschrieben, macht darauf aufmerksam, daß bis zur Kirchenversammlung von Nicäa der Sonnabend allgemein als Ruh- und Feiertag gehalten worden sei, und daß erst von da ab, also über 300 Jahre nach Christi, die Christen, um sich von den Juden zu unterscheiden, ihren Feiertag auf den Sonntag verlegt hätten. Der Buchhändler Herr Karl Heymann. ergreift nun das Wort: er macht daraus aufmerksam, wie die Diskussion sich bereits eine Stunde auf dem theologischen Gebiete bewege, und meint, daß dergleichen schwierige Prinzipienfragen in einer Generalversammlung sich schwer oder gar nicht erledigen lassen; eine entscheidende That sei bekanntlich mehr werth und pflege mehr Wirkung zu haben als die schönsten und gelehrtesten Reden; — er schlage darum vor, den Antrag, sowie er von den Bevollmächtigten an die Versammlung-gestellt worden sei, zu genehmigen, einen Gottesdienst für beide Tage einrichten zu lassen, welche beide mehr als Weihetage, wie als Sabbat zu betrachten fein dürften, und die Erfahrung entscheiden zu lassen, inwiefern eine solche Einrichtung dem religiösen Bedürfniß und den Wünschen der Genossenschaft entspreche. Dieser Antrag wird vielfach bekämpft, namentlich wird behauptet, die Zeit könne gar nicht maßgebend sein, und müsse man auch drei Abende lang über denselben Gegenstand debattiren, die Sache sei zu wichtig, um nicht die Meinungen Aller darüber zu hören. Nachdem noch ^einige neue Redner aufgetreten waren, und die früheren Redner ihre Ansichten durch neue Gründe zu unterstützen suchten, aber auch vielfach bereits Gehörtes sich fast mit denselben Worten wiederholte, und vom Vorstandstische aus noch die Herren Dr. Waldeck, A. Rebenstein und Buchhändler Simion vermittelnde Worte gesprochen hatten, kam man dahin überein, den Antrag, wie er in dem Zirkular laute, zur Abstimmung zu bringen, und es wurde derselbe von der ganzen Versammlung gegen zwanzig Stimmen gewählt. Der dritte Antrag: daß die Genossenschaft sich vorläufig auf zwei Jahre zu einem freiwilligen jährlichen Beitrage verstehen möge, erhielt ohne große Diskussion die Zustimmung der Versammlung. Da der vierte Antrag den Dr. Stern selbst betraf, so forderte derselbe die Anwesenden auf, ohne persönliche Rücksicht und nicht in freundschaftlicher Gesinnung für ihn, sondern blos im Interesse der Sache selbst, den nächsten Antrag zu berathen, und verließ den Saal. Der Buchhändler Herr Heymann, als Stellvertretender des Vorsitzenden, übernahm nun das Präsidium und bat, ihm zu gestatten, dem zustellenden Anträge einige einleitende Worte voranschicken zu dürfen, welche zur richtigen Würdigung des Sachverhältniffes beizutragen bestimmt seien; nichts Neues, nur Bekanntes wolle er sagen, aber doch scheine es ihm nothwendig, daß dies Bekannte hier ausgesprochen werde. Es sei bekannt, daß wenn heutzutage etwas Großes und. Bedeutendes geschaffen werden solle, welches die Bestimmung habe, den Augenblick zu überdauern und ein weltgeschichtliches Moment zu bilden, daß drei mächtige Kräfte dazu erforderlich seien: Kenntnisse, Zeit und Geld. Auch die Genossenschaft bedürfe dieser drei mächtigen Hebel, wenn ihre Bestrebungen gedeihen sollen. Es sei ferner bekannt, daß der Dr. Stern im Besitz der beiden ersteren wäre, die dritte aber durch die heutige Bewilligung verliehen worden sei; gewiß aber sei es bekannt, mit welcher hingebenden Aufopferung der Dr. Stern diese seine Kräfte, seine bedeutendsten Kapitalien für die Zwecke der Genossenschaft hrrgegeben habe, und wie viel dieselbe von dem, was bis jetzt gelungen sei, seiner Mitwirkung und Thätigkeit verdanke, es freue, ja es dränge ihn, dies hier laut und öffentlich auszusprechen. Es sei den Meisten der Anwesenden wol aber nicht bekannt, daß dem Dr. Stern trotz dieser neunmonatlichen Thätigkeit,aus der Genoffenschaftskaffe bisher keine Entschädigung zu Theil geworden; noch sei aber viel zu thun; die Bevollmächtigten arbeiteten mit Liebe und Eifer, könnten aber ihrer Berufsgeschäste wegen immer nur einzelne Stunden der guten Sache widmen. Die- Genossenschaft bedürfe aber eines Mannes, welcher unausgesetzt für die Fortführung der Angelegenheiten wirken könne; in dem Dr. Stern sei dieser Mann gefunden; man 48*