Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1845)
- Date
- 1845-11-24
- Page
- Seite 710 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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710 nissen auch ein im .entgegengesetzten Sinne verfaßtes Schreiben unterzeichnet haben würden. Viele verstanden überhaupt von der ganzen Schrift nur eben so viel, daß der Oberrabbiner nicht geradezu darin beleidigt wird; an eine Veröffentlichung derselben dachte ohnehin Niemand. Somit ist der Inhalt jener Zuschrift, weit entfernt ein Ausdruck der Gesinnung unserer Gemeinde zu sein, nicht einmal den Ansichten der Unterzeichner selbst entsprechend, hingegen ist die Meinung des Herrn L. klar und verständlich genug darin angedeutet. Die Grundsätze und das frühere Wirken unseres Oberrabiners werden lobend anerkannt — sehr natürlich! da Herr %. bis noch vor einem halben Jahre, durch fortwährende freundliche Aufmerksamkeit gegen den Oberrabbiner, dessen Bestrebungen zu billigen schien; und doch war dieser, schon bevor er hier gewählt worden, als freisinniger Theologe bekannt und hat sich als solcher auch während seiner Amtsführung bewährt; seine Antrittsrede, seine Gutachten über die breslauer und frankfurter Angelegenheiten, seine thätige Theilnahme am Zustandekommen und den Berathungen der Rabbinerversammlungen und noch mehreres Andere sind hinlängliche Beweise dafür. Daß er aber, die Einsprache des Herrn X. nicht beachtend, fortfuhr auch diesem gegenüber seine Ueberzeugungen offen und unumwunden auszusprechen; daß er auf der Kanzel seine Gemeinde in würdigem und ruhigem Tone ermahnte, ihm das bisher geschenkte Vertrauen auch ferner zu erhalten; daß er das Streben der Rabbinerversammlungen mit Wärme besprach; diese und sich selbst gegen die Verdächtigungen lichtfeindlicher Eiferer mit kräftigem Ernste zu verwahren suchte, — das ist es, was jener Herr so unverzeihlich findet und weßwegen er einen Glaubenseifer entwickelt, .von dessen Reinheit man sich hier nur nicht recht überzeugen kann. Oberrabbiner Kahn hat sich übrigens bei dieser Gelegenheit durch sein muthiges und entschiedenes Auftreten, gepaart mit anerkennenswerther Mäßigung jenem lächerlichen Treiben gegenüber die allgemeinste Achtung erworben; der Friede wurde nicht gestört und wir können der Hoffnung Raum geben, daß . sich unsere religiösen. Verhältnisse immer erfreulicher gestalten werden. Alle Vernünftige in unserer Gegend waren natürlich über jene sonderbare Demonstration höchst entrüstet und man wunderte sich Anfangs, daß von Seiten des größer» und gebildetem Theiles der hiesigen Gemeinde keine. Gegenerklärung ' erfolgt ist;, als aber der nähere Hergang der. Sache bekannt wurde, sah Jeder ein, daß man nicht, daran denken konnte, jenen Unschuldigen feindlich entgegen zu treten und so eine persönliche Angelegenheit zur allgemeinen zu machen, wodurch der Teufel des Zankes und des Haders, den man dort an die Wand gemalt, hier wirklich einmal erscheinen könnte. Wir glaubten es aber der Wahrheit schuldig zu fein, durch eine unbefangene. Schilderung der hiesigen Zustände i den gehässigen und lügenhaften Bemerkungen, die man an jene Zuschrift ferner knüpfen möchte, ein für allemal ein Ende zu machen. W. .... Lublinitz, 1v. November. (Eingesandte Erklärung gegen den Artikel in der A. Z. d. Jud. Nr. 45.) Es gehört zu den sonderbaren Paradoxien einer Zeit, die so sehr an Paradoxien aller Art reich.ist-, wenn man nicht bloß seine Meinung vertheidigen, sondern der Gegenpartei jedes Recht einer Meinung absprechen will. Reformistisch , gesinnte Rabbiner versammeln sich, Dr. Frankel trennt sich von ihnen, mehre Gemeinden in Deutschland finden angemessen, demselben durch Addressen die gleiche Gesinnung kund, zu geben, und siehe da! man. weiß von der andern Seite nichts Besseres zu thun, als diesen Addressen — alle Berechtigung abzusprechSn. Wer hat denn den anonymen. Korrespondenten aus Oderschlesien berechtigt, im Namen von. achtzehn oberschlesischen Städten die für ihre resp. Gemeinden addressirenden Rabbinen Oberschlesiens —. Lügen, zu strafen! — Der Herr Korrespondent wird uns . erlauben, ihm diese Berechtigung ganz und.gar abzusprechen, ja, ihn so lange der unerlaubtesten Anmaßung zu zeihen, als er uns nicht die Vollmachten jener achtzehn Städte, für sie als aufzutreten, gezeigt. Wer anklagt, dem liegt der Beweis ob! — Demnach hätten wir nichts weiter zu thun, als bis dahin, d. h. also wahrscheinlich für immer, die Sache auf sich beruhen zu lassen. — Allein der Artikel aus Oberschlesien enthielt so viele.Unwahrheiten und Verleumdungen, daß wir uns die Zeit nicht reuen lassen und ihm einige Beleuchtung widmen wollen. — \ , , Tarnowitz, eine jener achtzehn Städte, hat in neuester Zeit durcheinstimmige Wahl, einen gelehrten Rabbiner der orthodoxen Richtung angestellt. Glei-